Eine Studie von Deloitte verdeutlicht die Verschiebung hin zu mehr Technologie im Healthcare-Bereich: In der Umfrage, die im April 2020 durchgeführt wurde, gaben 9,5 Prozent der befragten Krankenschwestern und Ärzte in Deutschland an, dass die Covid-19-Pandemie in ihrer Organisation im großen Umfang zu einem intensivierten Einsatz von Telemedizin geführt hätte. Im europäischen Durchschnitt betrug dieser Anteil sogar 26,1 Prozent.
Laut Park Association kommt die gesteigerte Nachfrage nach Telemedizin in allen Altersgruppen vor. Nur 6 Prozent der über 65-Jährigen hatten 2019 einen Telegesundheitsdienst in Anspruch genommen, gegenüber 29 Prozent im Jahr 2020. Ebenso hatten nur 6 Prozent derjenigen, die am skeptischsten gegenüber neuen Technologien sind, im Jahr 2019 Telemedizin ausprobiert, gegenüber 24 Prozent heute. Dieser Anstieg über demografische Gruppen hinweg zeigt die Verlagerung der Telegesundheit von einem aufstrebenden Technologiedienst zu einer Lösung, die den Massenmarkt versorgt.
Dies ist vielleicht eine der größten Überraschungen der Pandemie – Patienten reagieren positiv auf ihre Gesundheitsbedürfnisse, die durch Technologie verwaltet werden. Dies hat zu weiteren Gedanken darüber geführt, wie damit zusätzliche Herausforderungen für den Sektor gelöst werden könnten und was dies für das Gesundheitswesen künftig bedeuten wird. Doch werden Gesundheitsdienstleister und Versicherer auch bereit sein, die Chancen zu nutzen?
Ein wichtiges Beispiel für die Verwendung von Telegesundheitslösungen ist, die Fernüberwachung von Patienten. So können schutzbedürftige Personen von Krankenhäusern ferngehalten werden, um das Infektionsrisiko zu senken. Zudem verhindert dies, dass Einrichtungen durch einen plötzlichen Zustrom von Patienten überfordert werden.
Mit Hilfe von webbasierte und mobile Anwendungen können Patienten aufgezeichnete Informationen über ihre Vitalfunktionen (einschließlich Blutdruck, Blutzuckerspiegel oder Lungenfunktion) von zu Hause aus hochladen. Darüber hinaus können tragbare Geräte Echtzeitdaten wie Herzfrequenz, Gangart, Haltungskontrolle, Zittern, körperliche Aktivität oder Schlafmuster an Pflegeteams übertragen. Dies kann durch Heimüberwachungsgeräte für schutzbedürftige Erwachsene wie ältere oder demente Menschen ergänzt werden, die Stürze oder längere Inaktivitätszeiten erkennen und melden.
Der vermehrte Einsatz von Telemedizin hat auch dazu beigetragen, den Mangel an geschultem medizinischem Personal zu beheben – und damit das hohe Burnout-Risiko des klinischen Personals zu reduzieren. Da weniger Menschen Krankenhäuser zur Behandlung besuchen, konnten die Gesundheitssysteme die Patientenkapazität aus der Ferne erhöhen, ohne die Ressourcen weiter zu belasten, und den Patienten sogar eine höhere Versorgungsqualität bieten.
Die Telegesundheit verlagert sich auch von der akuten zur chronischen Versorgung, mit einem besseren Screening zur Beurteilung des Risikos und der Dringlichkeit, um festzustellen, ob der Patient warten kann oder sofort behandelt werden muss. Bestimmte gesundheitsbezogene Indizes werden jetzt über nicht-intrusive Detektoren erfasst. Diese Daten ergänzen das Screening, um weitere Informationen für Bewertungszwecke bereitzustellen.
Über die durch COVID-19 hervorgerufenen Notwendigkeit hinaus muss der Gesundheitssektor die richtige Infrastruktur einrichten, damit er das volle Potenzial der Telegesundheit ausschöpfen kann. Eine Reihe von Schlüsselaspekten muss daher angesprochen werden: Erstens ist es wichtig, dass es eine sichere Methode gibt, um Gesundheitsdaten von Patienten elektronisch zu teilen. Die eigentliche Anforderung besteht in einem PHR- System (Personal Health Record), mit dem Informationen über die Gesundheit einer Person gesammelt werden können, die sie kontrollieren und pflegen kann.
Solche PHR-Systeme sind jederzeit verfügbar und ermöglichen Pflegeteams und Notfallpersonal einen schnellen Zugriff auf wichtige Informationen, einschließlich aktueller Diagnosen, Verschreibungen von Medikamenten und etwaiger Arzneimittelallergien. Auch durch Richtlinien wie die DSGVO wächst das Vertrauen in die Sicherheit der Technologie. Dadurch werden virtuelle Konsultationen zwischen Patienten und Ärzten ermöglicht, die wertvolle Daten austauschen, die bei der Diagnose und Überwachung helfen.
Stand: 08.12.2025
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Corona hat den Übergang zu einer weit verbreiteten Einführung von Telemedizin viel schneller und nahtloser erleichtert, als irgendjemand hätte vorhersagen oder planen können. Die traditionellen Hindernisse für die Telegesundheit haben sich dank der erhöhten Verfügbarkeit der Technologie, pragmatischer regulatorischer Änderungen und der Bereitschaft von Patienten und Anbietern, neue Lösungen anzunehmen, verringert. Immerhin gab ihnen die Pandemie keine Wahl. Die Revolution im Bereich der Telegesundheit ist unbestreitbar im Gange. Patienten sind bereit dazu. Es bleibt die Frage, ob Gesundheitsdienstleister offen für die neuen Möglichkeiten bleiben oder ob Trägheit und Eigennutz die Annahme verhindern.
*Der Autor: Barak Katz, General Manager bei Essence Smartcare