Weiterbildung Was HIIT im Leadership Development leisten kann

Ein Gastbeitrag von Alexander Fritz 6 min Lesedauer

Branchen wie Pharmazie oder das Gesundheitswesen kennen die Herausforderungen rund um den Personalmangel nur allzu gut. In diesen Zeiten Innovation zu stärken ist keine Selbstverständlichkeit. Wie können Mitarbeitende befähigt werden, ihre Kompetenzen auszubauen? Wie lässt sich Weiterbildung in den Joballtag integrieren?

Hochintensives Intervalltraining kann als Vorbild für Weiterbildungsmaßnahmen dienen.(©  AntonioDiaz – stock.adobe.com)
Hochintensives Intervalltraining kann als Vorbild für Weiterbildungsmaßnahmen dienen.
(© AntonioDiaz – stock.adobe.com)

Folgende zwei Beispiele verdeutlichen die Dringlichkeit des Themas Innovation: Der Markt für medizinische Biotechnologie – also therapeutische Arzneimittel, die mithilfe gentechnisch veränderter Organismen produziert werden – wächst in Deutschland stetig. Die Branche gilt als „zuverlässiger Innovationsmotor“. Ein 10-Jahres-Vergleich von 2013 bis 2023 zeigt einen deutlichen Anstieg sowohl bei den zugelassenen Produkten (von 215 auf 417), als auch der eingestellten Mitarbeitenden (von 28.750 auf 51.200). Hersteller aus diesem Segment weisen zunehmende Umsätze auf, Potential, das sich viele nicht entgehen lassen möchten.

E-PA für alle – die elektronische Patientenakte ist für alle gesetzlich Versicherten verfügbar und gilt als Hauptbestandteil des Digital-Gesetzes, welches am 14. Dezember 2023 vom Deutschen Bundestag beschlossen wurde. Ein wichtiger Meilenstein ist zwar erreicht, aber im Bereich Gesundheitswesen muss noch einiges mehr passieren. E-Health und KI-Diagnostik sollen vermehrt zum Einsatz kommen, vieles ist aber noch in der Erprobung. So erforscht ein Projekt am Uniklinikum Dresden wie so genannte Large Language Models (LLMs) medizinisches Personal in Zukunft unterstützen und entlasten können.

Wer also Neues schaffen will, braucht mehr als nur eine einmalige Investition. Es braucht Know-how und eine gezielte Förderung von Kompetenzen. Ein möglicher Weg ist die gezielte Aus- und Weiterbildung à la HIIT, hochintensives Intervalltraining. Viele kennen das aus dem Sport, ein Training also, das kurze Belastungsphasen mit ebenso kurzen Erholungsphasen kombiniert. Derartige Trainings haben auf lange Sicht nachhaltige Ergebnisse zur Folge. Hierbei werden Führungskräfte und alle anderen (potentiellen) Mitarbeitenden in definierten Einheiten zu bestimmten Themen trainiert.

Neues braucht Zeit – und genau das ist das Problem

Führungskräfte in den Bereichen Pharmazie und Gesundheitswesen beispielsweise müssen sich heute nicht nur mit Themen rund um KI-Kompetenz beschäftigen. Sondern auch Aspekte wie Führung von intergenerationalen und interkulturellen Teams, die Stärkung von Arbeitsmoral und Mitarbeitermotivation oder Resilienz stehen im Vordergrund. Es existieren zahlreiche Weiterbildungen und Trainings, die Mitarbeitende absolvieren können. So weit, so gut. Wenn man sich allerdings den Zeitaufwand näher anschaut, liest man oft: „1 Tag Präsenzveranstaltung vor Ort“, „2 Tage Training vor Ort oder online“ etc. Und genau hier liegt das Problem. Zwei Tage von ihrem Tätigkeitsfeld abwesend zu sein, ist für viele Mitarbeitende und Führungskräfte eine sehr lange Zeit. Das ist oft nicht machbar. Die Folge: Es werden vielleicht gar keine Trainings gemacht.

2,5 Stunden reichen aus

Und so funktioniert HIIT im Leadership Development:

  • Warm-Up: Ein 15-minütiges „Aufwärmen“ vor der remote-Session dient dazu, dass sich Teilnehmer in den Meetingraum einwählen, gegenseitig kennenlernen, eine Meditationsübung machen oder sich gar mit einem Work-Out warm machen. Diese Phase ist optional und kann von jedem Teilnehmenden je nach Bedarf genutzt werden, um sich in der eigentlichen Trainingssequenz zu 100 Prozent auf die Inhalte zu fokussieren.
  • Prepare-Phase: Elemente, wie die Vorstellung der Trainierenden, die HIIT-Grundregeln, die Vorbereitung individueller Fragestellungen oder auch die Vermittlung erster Inhalte zum Beispiel über Videos, werden vor die Trainings-Session gelegt – ebenfalls mit klarem Blick auf den hierfür erforderlichen Aufwand.
  • Training-Session: Dauer des Trainings maximal 2,5 Stunden.
  • Follow-Up: Nach dem Training erhalten die Teilnehmenden E-Mails mit direkten Ansprachen – jeweils nach einem Tag, zwei sowie vier Wochen. Inhalte sind Key Learnings, Tipps und die Erinnerung an den persönlichen Motivationsslogan.

Derartige HIIT-Trainings können als Teil einer ganzheitlichen Talent Development Journey gesehen werden. Im Mittelpunkt steht eine Weiterbildung, die physisch oder remote stattfindet und als abgeschlossene Sequenz mit vordefinierten Themen und dazugehörigem Input sowie praktischen Übungen als Ergänzung funktioniert. Bestimmte Toolkits sowie Motivationsbooster in Form von individualisierten E-Mails unterstützen die Teilnehmenden während der gesamten Reise, die in Summe auch mehrere Wochen dauern kann.

Kurze Trainings mit anhaltender Wirkung

Kurz und intensiv trainieren fördert lebenslanges Lernen. Wie kann das sein? Die intensive Beschäftigung mit Themen unterstützt einen langfristig angelegten Lernprozess. Weiterbildungen sorgen dafür, dass Mitarbeitende ermutigt werden, Neues zu lernen, um so einen wichtigen Teil zur Wertschöpfung ihrer Organisation beizutragen. Damit können Unternehmen im Bereich ihrer Führungskräfteentwicklung auch versteckte Potenziale erkennen. Menschen, die keine Leadership Verantwortung innehaben, haben so die Möglichkeit dennoch eine passende Förderung zu bekommen. Mitarbeitende in Führungsrollen in agilen Strukturen oder traditionell lateralen Positionen hingegen können in ihrer Kompetenz gestärkt werden.

Die Anforderungen, die Führungskräfte in der immer schneller werdenden Welt und einer transformativen Arbeitswelt erfüllen müssen, sind groß. Denn um die eingangs erwähnte Innovationskraft eines Unternehmens zu fördern, bedarf es Investment. Laut unserer aktuellen Studie (Talent Klima Index) sind Manager nicht genügend vorbereitet für diese Herausforderungen. So sagten befragte Geschäftsführerinnen, Führungskräfte und HR-Expert:innen in Deutschland aus, dass die Befähigung ihres Führungsteams mit Blick auf die notwendigen Skills lediglich auf einem mittleren Niveau ist (Skalenwert 5 von 10). Unternehmen müssen also jetzt handeln und auch nachhaltig einen Weg weisen, wie wichtige Kompetenzen für die Zukunft erlangt werden können. High Intensity Trainings haben den Fokus auf die Anwendung sowie den praktischen Übungen. Wissensvermittlung wird in Teilen vorverlagert, was bedeutet, dass sich solche Trainings primär auf die vertiefte Reflexion und praktische Übungen fokussieren. Zum Beispiel werden Transferaufgaben zur Anwendung des Erlernten im Alltag mit unterstützenden Tools angeboten. Diese dienen der Reflexion sowie der Vertiefung des Themas. Eine wichtige Rolle spielen hier Trainer bzw. Mentoren. Sie vermitteln Inhalte aktivierend und motivierend, beantworten Fragen von Seiten der Teilnehmenden und stellen einen konkreten Transfer zu einem bestimmten Kontext her. Denn sehr häufig sind HIIT-Trainings aus heterogenen Gruppen zusammengesetzt. Jeder/jede Beteiligte/r hat individuelle Fragestellungen, die berücksichtigt und besprochen werden müssen.

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Tipps

Zusammenfassend bieten die folgenden Tipps einen ersten Anhaltspunkt für Entscheider:

1. Raus aus dem Alltag, hinein in einen geschützten Raum der Fokussierung:
Die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema in Kombination mit der Dauer bedeutet eine starke Fokussierung – und nicht Vereinfachung. Denn komplexe Situationen im Führungskräfteverhalten brauchen mehr als einfache Lösungen. Zeitgemäße Führung bedeutet, sich flexibel und sensibel auf Mitarbeitende und Situationen einstellen zu können. Dabei ist es wichtig Klarheit und Orientierung zu geben. Kurze Trainings gehen dabei in die Tiefe, anstatt einen kurzen oberflächlichen Überblick in der Breite zu geben.

2. Es sind nicht nur fachliche Themen, die Aufklärung brauchen:
Führungskräfte haben heute nicht nur die Eigenschaft zu „führen“; sie coachen, sie ermutigen und sind selbst oftmals Teil eines Teams. Das ist eine komplexe Zusammenstellung aus Fähigkeiten für die es die Aus- und Weiterbildung bedarf. Das beinhaltet auch die Vermittlung eines richtigen Mindsets. Ein Beispiel für ein solches HIT-Training ist das Thema „Fehlerkultur“. Dabei stehen Fragen im Vordergrund wie „Wie können Fehler als Chance wahrgenommen werden?“, „Wie schaffen wir im Team eine kontinuierliche Optimierung von Prozessen?“.

3. Das „große Ganze“ betrachten:
Führungskräfte müssen eine langfristige Planung und Investitionen in Innovationen klug angehen. Denn die sich stetig ändernden Anforderungen zwingen Verantwortliche schnell zu reagieren. Was Lieferengpässe von Medikamenten während der Grippewelle auslösen können, ist bekannt. Hier braucht es resiliente Strukturen. Es geht also nicht um ad-hoc Lösungen, sondern vielmehr um strategisches Vorausdenken. Agilität und Resilienz sind im Umgang mit den wettbewerbsgeprägten Herausforderungen entscheidend. Solche und weitere Aspekte, die das „große Ganze“ betrachten, helfen Organisationen dabei, nachhaltig zu denken und so Innovation zu fördern.

Der Autor: Alexander Fritz ist Managing Director bei Profil M, einem Beratungsunternehmen für Human Resources Management.

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