Smartification in Kliniken Wie das IoT den Pflegealltag erleichtern kann

Ein Gastbeitrag von Henning Czerny* 4 min Lesedauer

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Das Internet der Dinge, auch IoT, eröffnet im Gesundheitsbereich zahlreiche Möglichkeiten, bestehende Geräte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu „smartifizieren“. Welche Einsatzbereiche sich ergeben und welche Voraussetzungen man zunächst schaffen muss, wollen wir hier erörtern.

Verschiedene IoT-Technologien können dabei helfen, das Personal in Kliniken zu entlasten.(©  ipopba - stock.adobe.com)
Verschiedene IoT-Technologien können dabei helfen, das Personal in Kliniken zu entlasten.
(© ipopba - stock.adobe.com)

Immer mehr Patienten, immer weniger Pflegekräfte und immer schwierigere Arbeitsbedingungen: Der demografische Wandel und der chronische Fachkräftemangel stellen derzeit das Gesundheitswesen in Deutschland auf eine harte Probe. Laut einer Studie des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung könnten bis 2040 mehrere hunderttausend Pflegekräfte fehlen – sowohl stationär als auch ambulant.

Um das Problem dauerhaft zu lösen, bedarf es einer fundierten Ursachenforschung und neuer Anreize – hier rücken Gehälter und Arbeitszeiten in den Fokus –, um junge Menschen für den Beruf zu begeistern. Doch wie ist es möglich, Mitarbeitende in Pflegeberufen schon heute zu entlasten und gleichzeitig eine gute Versorgung der Patienten zu gewährleisten? Wie kann man den Arbeitsalltag der Angestellten so gestalten, dass sie sich auf die Patientenpflege konzentrieren können und sich nicht mit Routineaufgaben aufreiben?

Vom Suchen und Finden

Die Antwort liefert (wie so oft) die Digitalisierung, wobei wir hier genauer auf die Möglichkeiten des Internet of Things (IoT) eingehen wollen. Dieses erlaubt die Integration von smarter, netzwerkbasierter Technik in Alltagsgegenstände und bietet eine Möglichkeit zur unkomplizierten Digitalisierung des Krankenhausalltags. Denn viele IoT-Lösungen lassen sich einfach installieren und funktionieren mit autarker Stromversorgung sowie Konnektivität. Oftmals lassen sie sich sogar via Plug-and-Play implementieren.

Im Prinzip ist es möglich, Sensoren an jedem Gerät anzubringen – von Betten über Akten bis hin zu Infusionsständern. Im Sinne einer einfachen Integration können auch Tracking-Aufkleber genutzt werden, durch die sich Gegenstände jederzeit genau lokalisieren lassen. Vorbei ist die müßige und mitunter zeitfressende Suche nach Blutdruckmessgeräten & Co. Gleichzeitig sinkt Aufwand für die Inventur und Diebstähle werden leichter bemerkt.

Dieser Ansatz, IoT-Asset-Management genannt, geht noch weiter. Durch geringe Anpassungen ist es nämlich möglich, auch einfache elektronische Geräte mithilfe von IoT-Sensoren zu „smartifizieren“. Sie können dann von der Temperatur über die Raumfeuchtigkeit bis hin zu Verbräuchen und Füllständen unterschiedlichsten Daten erheben. Dank IoT-Smartification lassen sich diese Geräte sogar aus der Ferne ansteuern und bedienen. An sonnigen Tagen können die Mitarbeitenden so etwa mittags einfach und per Fernbedienung alle Jalousien auf der Südseite abblenden, um Stauhitze in den Patientenzimmern zu vermeiden.

Vielfältige IoT-Einsatzszenarien

Mehr noch: Das IoT kann helfen, Patienten zu überwachen. Ob Herzschrittmacher, Sauerstoffkonzentratoren oder Blutzuckermessgeräte – sie alle lassen sich mit Sensortechnologie ausstatten. Diese Sensoren erfassen nicht nur die Vitaldaten und speichern sie automatisch in der Patientenakte, sondern ermöglichen auch deren Interpretation und das Einleiten entsprechender Maßnahmen. Sinkt der Blutzuckerspiegel etwa auf einen bedenklichen Wert, wird das Personal sofort alarmiert.

Denkbar sind auch Ansätze, die man bereits aus dem Retail-Bereich kennt. Smart-Shelf-Systeme etwa könnten an die Krankenhausumgebung angepasst werden und eine effiziente Lösung zur Verwaltung von Medikamenten und Pflegemitteln bieten. Sie ermöglichen die automatische Überwachung des Bestands, sowohl für Medikamente als auch für Pflegemittel, indem Sensoren den Verbrauch erfassen und die Daten in Echtzeit aktualisieren. Dadurch können Engpässe vermieden und die Verfügbarkeit sichergestellt werden.

Zur Verbesserung der Sicherheit tragen Smart-Shelf-Systeme ebenfalls bei, indem sie Abläufe überwachen und bei Bedarf Alarme auslösen, um etwaige Probleme frühzeitig zu erkennen. Zudem könnten etwa Sensoren das Gewicht einzelner Sammelbehälter überwachen und so feststellen, wenn der Inhalt zur Neige geht. Eine automatisierte Nachricht an die Beschaffung könnte erforderliche Nachbestellungen anstoßen.

Drahtlosnetzwerke sind die Basis

Bei der Implementierung von IoT-Anwendungen im Krankenhaus spielen Netzwerke und Access-Point-Architektur eine entscheidende Rolle. Diese Systeme erfordern eine zuverlässige und sichere drahtlose Konnektivität, um die Kommunikation zwischen den verschiedenen vernetzten Geräten, Sensoren und Anwendungen zu ermöglichen. Ein gut konzipiertes Netzwerk mit einer skalierbaren Access-Point-Architektur gewährleistet eine nahtlose Abdeckung in der gesamten Krankenhausumgebung, selbst in Bereichen mit dichter Belegung oder starken Interferenzen.

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Bei der Einführung solcher Drahtlosnetze ist es wichtig, Aspekte wie Sicherheit, Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und Compliance zu berücksichtigen. Daneben gibt es – insbesondere in älteren Krankenhäusern – verschiedene Hindernisse wie komplexe architektonische Gebäudestrukturen, die die drahtlose Abdeckung beeinträchtigen können. Bestehende Legacy-Systeme und Infrastrukturen können die Integration neuer WLAN-Technologien zusätzlich erschweren.

Mit KI vorhandene Engpässe überbrücken

Nicht zuletzt beeinflussen oft Budgets und Ressourcen die Investitionen in die Netzwerktechnologie – nicht nur Pflegekräfte fehlen, auch IT-Fachpersonal ist rar und teuer. Hier kann eine umfassende Managementplattform für WLAN-Netzwerke, die eine einfache Konfiguration, Überwachung und Verwaltung ermöglicht, Abhilfe schaffen. Krankenhausadministratoren können ihre WLAN-Netzwerke effizient verwalten und optimieren, um eine optimale Leistung sicherzustellen und Probleme schnell zu identifizieren und zu beheben.

Durch die Integration von KI-Algorithmen können diese Plattformen automatisch Muster und Trends im Netzwerkverhalten erkennen, potenzielle Engpässe oder Leistungsprobleme vorhersagen und proaktiv Lösungen vorschlagen. Darüber hinaus können KI-gestützte Analysen große Datenmengen verarbeiten und in Echtzeit Einblicke in die Leistung des WLANs liefern, wodurch Administratoren in der Lage sind, schnell auf Veränderungen zu reagieren und das Netzwerk kontinuierlich zu optimieren.

Vertrauen Krankenhäuser auf starke Technologiepartner, die sowohl über die modernste Hard- und Software als auch das nötige Know-how für den reibungslosen Aufbau eines Drahtlosnetzwerks verfügen, können sie auf viele Engpässe mit IoT-Lösungen reagieren und so ihre wertvollen Fachkräfte und Ressourcen schonen.

Der Autor

Henning Czerny ist Director Networking Solution Sales bei Huawei Technologies Deutschland.

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