Bundes-Klinik-Atlas Zwischen Transparenz und Realität

Von Johannes Kapfer 5 min Lesedauer

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Die Diskussion um die Zukunft des Bundes-Klinik-Atlas hat eine neue Schärfe erreicht. Was als ambitioniertes Projekt der Ampel zur Stärkung der Patientensouveränität begann, könnte bereits ein Jahr nach seinem Start wieder eingestellt werden.

Ursprünglich sollte der Bundes-Klinik-Atlas eine adäquate Vergleichsmöglichkeit von Kliniken und Krankenhäusern in Deutschland bieten. Doch eine mangelhafte Datengrundlage manövrierte das Projekt aufs Abstellgleis.(Arnab Dey - stock.adobe.com)
Ursprünglich sollte der Bundes-Klinik-Atlas eine adäquate Vergleichsmöglichkeit von Kliniken und Krankenhäusern in Deutschland bieten. Doch eine mangelhafte Datengrundlage manövrierte das Projekt aufs Abstellgleis.
(Arnab Dey - stock.adobe.com)

Der im Mai 2024 gestartete Bundes-Klinik-Atlas sollte ein Meilenstein der Patientenorientierung werden. Als zentrales Online-Portal des Bundesgesundheitsministeriums unter Karl Lauterbach versprach er unabhängige, verständliche Informationen über Leistungen, Qualität und personelle Ausstattung von rund 1.700 deutschen Krankenhäusern. Ein „Tacho-System“ sollte es medizinischen Laien ermöglichen, komplexe Qualitätsdaten auf einen Blick zu erfassen, um fundierte Entscheidungen bei der Wahl des Behandlungsortes treffen zu können. Doch bereits wenige Wochen nach dem Start der Plattform hagelte es massive Kritik. Fachgesellschaften, Klinikträger sowie Patientenverbände monierten grundlegende Designfehler sowie Mängel in der Datenqualität und -darstellung. Die Projektgruppe „Bundes-Klinik-Atlas“ wurde nun von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken rückwirkend zum 30. Juni aufgelöst und die inhaltliche Weiterentwicklung ins Bundesgesundheitsministerium überführt. Seither schwelt die Diskussion über das weitere Vorgehen.

Achillesferse Datenqualität

Insbesondere die mangelhafte Qualität der präsentierten Informationen war großer Kritik ausgesetzt. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) bezeichnete die Daten als „unvollständig und vorläufig“ und beharrte auf eine klare Kennzeichnung als Beta-Version. Ebenfalls warnte sie vor einer Gefährdung der Patientensicherheit durch fehlerhafte Informationen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) dokumentierte gar „massive Mengen“ falscher oder fehlender Angaben zu Ausstattung, Fallzahlen und Versorgungsstufen. Besonders problematisch war in den Augen der Experten, dass Kliniken als defizitär dargestellt worden sind, obwohl sie alle Standards erfüllt hatten, während andere Häuser ohne entsprechende Abteilungen für spezielle Behandlungen gelistet wurden. So wurden unter anderem Krankenhäuser ohne dedizierte psychiatrische Abteilung für entsprechende Therapien empfohlen. Diese systematischen Fehler waren das Resultat einer mangelhaften Qualitätsprüfung der Datengrundlage. Haupt- und Nebendiagnosen wurden nicht sauber voneinander getrennt und im Nachgang inkorrekt mit Behandlungsprozeduren verknüpft. Die fehlende Transparenz über Aktualität, Vollständigkeit und Prüfverfahren der Daten erschwerte es den Patientinnen und Patienten zusätzlich, den Wahrheitsgehalt des Dargestellten selbst einzuschätzen.

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