Pflege-Report 2024 AOK WIdO beleuchtet Potenzial der Digitalisierung

Von Stephan Augsten 2 min Lesedauer

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In ihrem Pflege-Report 2024 widmet das Wissenschaftliche Institut der AOK, kurz WIdO, der Digitalisierung ein eigenes Kapitel. Digitale Sensorik, virtuelle Welten, Robotik und KI tragen demnach bereits dazu bei, die Pflegequalität zu verbessern und das Personal zu entlasten. Allerdings lassen sich die Potenziale noch nicht vollumfänglich ausschöpfen.

KI, Robotik, Virtual Reality: Digitale Technologien könnten das Pflegepersonal auf Dauer entlasten und eine bessere Versorgung ermöglichen.(©  Dall-E / KI-generiert)
KI, Robotik, Virtual Reality: Digitale Technologien könnten das Pflegepersonal auf Dauer entlasten und eine bessere Versorgung ermöglichen.
(© Dall-E / KI-generiert)

Im Pflege-Report beleuchtet der Wissenschaftliche Dienst der AOK (WIdO) die jüngsten Entwicklungen und Veränderungen im Healthcare-Bereich. Dies wird auch im aktuellen Titel „Ankunft der Babyboomer: Herausforderungen für die Pflege“ deutlich. In diesem Kontext gehen die Autoren des Kapitels „Digitalisierung in der Pflege“, Nils Lahmann, Martin Hocquel-Hans und Sandra Strube-Lahmann, auf den Einsatz digitaler Technologien und ihre Auswirkungen auf Pflegeprozesse ein.

Digitale Assistenzsystemen beispielsweise könnten das Pflegepersonal bei seiner Arbeit unterstützen. So werden bereits digitale Dokumentationssysteme genutzt, um Vitalparameter und Aktivitäten der Pflegebedürftigen lückenlos zu erfassen. Anhand dieser Daten könnten Pflegekräfte frühzeitig auf gesundheitliche Veränderungen reagieren. Im Seniorenzentrum Herdecke habe sich die Zahl der geplanten Umpositionierungen von immobilen Patienten durch den Einsatz einer kontinuierlichen Mobilitätskontrolle um 41 Prozent reduziert lassen, heißt es.

Lernfähige KI für individuellere Pflegedokumentation

Einen vergleichsweise hohen Reifegrad haben laut dem Report KI-Systeme zur Spracherkennung in der Pflegedokumentation erreicht. Neueste Lösungen ermöglichen es den Pflegekräften, Berichte, Vitalwerte oder Sturzprotokolle einfach in die entsprechenden Dokumentationssysteme zu diktieren. Die dahinterstehende KI erkennt und verschriftlicht die Eingaben und ordnet sie automatisch den richtigen Formularen und Patientenakten zu. Mithilfe der KI-Spracheingabe können Pflegende Dokumentationen deutlich schneller und umfassender anlegen als bisher.

Perspektivisch könnten noch leistungsfähigere KI-Systeme die Vitalparameter der Patienten nicht nur dokumentieren, sondern auch direkt auswerten und bei Auffälligkeiten Warnmeldungen an die Pflegekräfte senden. Somit ließen sich individualisierte Behandlungs- und Pflegepläne deutlich effizienter erstellen. Für einen breiteren Einsatz von KI in der Pflege seien jedoch noch einige Hürden zu überwinden. So müssten die Anforderungen des Datenschutzes bei der Verarbeitung sensibler Gesundheitsdaten gewahrt bleiben. Der Report plädiert daher für einen verantwortungsvollen Umgang und betont, dass KI-Systeme die menschlichen Pflegekräfte unterstützen, jedoch nicht ersetzen sollen. Insgesamt wird der Digitalisierung in der Pflege aber ein enormes Potenzial für Effizienzsteigerungen und Qualitätsverbesserungen beigemessen.

Bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten wie Mobilisation und Patiententransfers könnte Robotik die Pflegekräfte dauerhaft unterstützen. Sowohl in der Therapie als auch bei Mitarbeiter-Trainings kämen zunehmend virtuelle und erweiterte Realitäten (VR/XR) zum Einsatz, heißt es weiter. Bei der Behandlung von Demenzkranken sorgten virtuelle Welten beispielsweise für kognitive und emotionale Stimuli. Im Zuge der Ausbildung wiederum kann VR dazu dienen, seltene oder komplexe Notsituationen risikolos zu simulieren. Als Fallbeispiel verweisen die Autorinnen und Autoren auf die Akademie der Gesundheit Berlin/Brandenburg, an der VR bereits erfolgreich zu Trainingszwecken eingesetzt wird.

Herausforderungen für das Personal

Doch die Digitalisierung in der Pflege ist auch eine große Herausforderung für die Beschäftigten. Sie müssen die neuen Systeme bedienen können und über digitale Kompetenzen verfügen. Hier sehen die Experten des WIdO Handlungsbedarf bei der Aus- und Weiterbildung der Pflegekräfte. Auch die Einbindung digitaler Lösungen in die Arbeitsabläufe des Pflegepersonals birgt dem Report nach noch Optimierungspotenzial. Die Technologien sollten als Unterstützung wahrgenommen werden, nicht als zusätzliche Belastung.

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