Mit dem Bundes-Klinik-Atlas will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach mehr Transparenz bei der Krankenhaus-Wahl erreichen. Mit dem Start des Tools werden jedoch bereits die ersten Fehler deutlich.
Die benötigten Angaben für den Bundes-Klinik-Atlas gehen laut Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, mit noch mehr Bürokratie einher.
(Bild: Elnur – stock.adobe.com)
Am vergangenen Freitag wurde der Klinik-Atlas veröffentlicht. Seitdem können Patientinnen und Patienten unter www.bundes-klinik-atlas.de Informationen wie Bettenzahl, Fallzahlen, Pflegepersonalquotienten oder ausgewählte Zertifikate der örtlichen Krankenhäuser einsehen. Um eine bessere Vergleichbarkeit zu gewährleisten, werden diese Daten in einem Tacho-System dargestellt. Dabei werden die am Krankenhausstandort erbrachten Fallzahlen und die Personalausstattung in Relation zu anderen Krankenhausstandorten gesetzt und in Korridoren von je 20 Prozent angegeben.
Prof. Claus-Dieter Heidecke, Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG), erklärte dazu: „Das Portal ermöglicht es Patientinnen und Patienten gut informierte und fundierte Entscheidungen zur Auswahl eines Krankenhauses zu treffen, wobei sie sich im Bundes-Klinik-Atlas auch bis zur kleinsten Detailebene herunterklicken können.“ Der Atlas könne zudem als Katalysator für die Weiterentwicklung der Qualitätssicherungsdaten dienen und so ein Angebot schaffen, das sich wirklich an den Informationspräferenzen und Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientiert, ergänzte er.
Der Bundes-Klinik-Atlas wird kontinuierlich weiterentwickelt und aktualisiert. In diesem Jahr sind zwei weitere Updates geplant: Unter anderem sollen Qualitätsdaten zu den Komplikationsraten von Eingriffen sowie die Zuordnung der Krankenhäuser in Level und Leistungsgruppen ergänzt werden.
Krankenhäuser sind keine Hotels
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dr. Gerald Gaß, zeigt sich verwundert über das Vorgehen der Gesundheitsministeriums. Es gäbe mit dem Krankenhausverzeichnis der DKG bereits ein umfassendes Transparenztool, basierend auf den Qualitätsberichten der Krankenhäuser. Dieses sei bis vor kurzem auch auf der Webseite des BMG veröffentlicht und empfohlen worden. „Es stellt sich also die Frage nach dem Sinn eines weiteren und diesmal steuerfinanzierten Verzeichnisses, das für die Patientinnen und Patienten keinerlei zusätzliche Information bietet und somit nicht als nützliche Ergänzung fungieren kann. Was er aber den Krankenhäusern bringt, ist noch mehr Bürokratie, denn die Krankenhäuser müssen ihr ärztliches Personal noch kleinteiliger dokumentieren und regelmäßige Meldungen dazu abgeben.“
Gleichzeitig äußert sich Gaß kritisch gegenüber den weiteren Plänen des Bundesgesundheitsministeriums. „Während das Deutsche Krankenhausverzeichnis den Suchenden aufgearbeitete und verständliche Daten übermittelt, mit denen sie das geeignete Krankenhaus in eigener Entscheidung finden können, basiert Lauterbachs angekündigte Transparenz auf einem ministeriellen Ranking der Krankenhäuser in Level, vergleichbar mit Sterne-Kategorien bei Hotels.“ Dieses „unterkomplexe System“ funktioniere jedoch nicht bei Krankenhäusern. „Ein auf eine bestimmte Behandlung hochspezialisiertes kleines Krankenhaus mit exzellenter Qualität, dem das Ministerium nun Level 1 zuteilt, kann so im Vergleich zum nicht spezialisierten Level-3-Haus das Nachsehen haben.“ Wenn Lauterbachs Atlas ab Herbst wie angekündigt nach diesem System funktioniere, wäre dies das Gegenteil von Transparenz und würde dem propagieren Ziel, den Patientinnen und Patienten bestmögliche Behandlungsqualität zu ermöglichen, einen Bärendienst erweisen, folgert er.
Doch auch an der aktuellen Version des Bundes-Klinik-Atlas kommen Zweifel auf. So moniert etwa Dr. med. Peter Lütkes, Medizinischer Direktor im Klinikum Hochsauerland, dass das Versorgungsangebot des Kreises „unzureichend und in Teilen grob falsch“ abgebildet werde. „Dies kann so zu einer Verunsicherung und Fehlsteuerung von Patientinnen und Patienten führen“, warnt er.
Konkret werden im Klinikum Hochsauerland wohl ganze Leistungsbereiche nicht erfasst, was etwa 10.000 Behandlungsfälle betrifft, ein Viertel des gesamten Versorgungsspektrums der Region. Dies betrifft vor allem Behandlungen der Bereiche Innere Medizin, Neurochirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie. Diese wurden bis Herbst 2023 am Standort Marienhospital durchgeführt, nach der Eröffnung des neuen Notfall- und Intensivzentrums jedoch an die Standorte Karolinen-Hospital (Neurochirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie) beziehungsweise St. Johannes-Hospital (Innere Medizin) verlagert.
„Die Versorgungsangebote sind damit aber natürlich nicht entfallen, sondern werden vollumfänglich und gebündelt mit weiteren medizinischen Leistungen der umfassenden Notfallversorgung am größeren und nach modernsten Gesichtspunkten ausgestatteten Standort Karolinen-Hospital vorgehalten. Im Bundes-Klink-Atlas werden die Leistungen aber nicht ausgewiesen, ganz so als wären die Kliniken geschlossen“, so Dr. Lütkes. Dadurch verzerrt sich jedoch das Bild des Versorgungsangebots. Das Ziel des Bundes-Klinik-Atlas – „mehr Transparenz für die Patientinnen und Patienten“ – ist vor diesem Hintergrund zumindest im Sauerland nicht erreicht, so Lütkes abschließend.
Stand: 08.12.2025
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