In drei Modellregionen werden sie schon getestet. Nun soll die ePA schrittweise in die Fläche kommen. Was Patientinnen und Patienten dazu wissen sollten.
Die elektronische Patientenakte (ePA) soll ab 29. April in ganz Deutschland genutzt und ab Oktober in Arztpraxen und Kliniken verpflichtend werden.
In einigen Regionen ist die elektronische Patientenakte (ePA) bereits Alltag in den Arztpraxen. Nun soll sie überall in Deutschland kommen. Ende April soll es damit losgehen, wie aus einem in Berlin bekanntgewordenen Brief des scheidenden Gesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) an die Gesellschafter der bundeseigenen Digitalagentur gematik hervorgeht.
Was kommt auf Patientinnen und Patienten zu? Und welche Erfahrungen hat ein Hausarzt in Nürnberg damit gesammelt?
Wie läuft die bundesweite Ausdehnung?
Seit 15. Januar haben 70 Millionen der gut 74 Millionen gesetzlich Versicherten in ganz Deutschland eine ePA von ihrer Krankenkasse angelegt bekommen. Das Zusammenspiel mit Praxen und Kliniken wurde aber zunächst nur in drei Regionen getestet. Ab 29. April soll die ePA in ganz Deutschland genutzt werden können. Ab 1. Oktober ist sie in Arztpraxen und Kliniken verpflichtend, wie Lauterbach schreibt.
Wie es in seinem Ministerium hieß, seien höchste Sicherheitsstandards bei der ePA gültig. Als wählbares Angebot, um das man sich aktiv kümmern musste, waren E-Akten bereits 2021 eingeführt worden. Sie wurden aber kaum verwendet. Daher kehrte die Ampel-Koalition das Prinzip mit einem Gesetz um: Jetzt bekommen alle eine E-Akte, außer man widerspricht aktiv.
Welche Informationen werden in der ePA gespeichert?
Die elektronische Patientenakte soll Versicherte ein Leben lang begleiten. In dem digitalen Speicher sollen etwa Arztbriefe, Befunde, Laborwerte und verordnete Medikamente gesammelt werden. Zugriff bekommen Praxen, Kliniken und Apotheken, wenn die Versicherten ihre Krankenkassenkarte in deren Lesegerät stecken. Dieser ist regulär auf 90 Tage beschränkt.
Über die Smartphone-App ihrer Krankenkasse können die Versicherten Zugriffsrechte widerrufen oder selbst festlegen, welche Mediziner wie lange Einsicht bekommen sollen. Auf diese Weise können sie auch selbst Dokumente in die E-Akte hochladen, zum Beispiel selbst geführte Blutdruck-Tagebücher oder wichtige Diagnosen aus der Vergangenheit.
Wie funktioniert die ePA in der Praxis?
300 Praxen, Apotheken und Kliniken in den drei Modellregionen Hamburg und Umland, Franken und Teilen Nordrhein-Westfalens testen die ePA bereits im Alltag. Darunter ist auch die Praxis des Nürnberger Hausarztes Nicolas Kahl. „Es funktioniert noch nicht alles, aber es läuft stabil“, sagt er.
Die Akte ist anfangs leer und wird bei der Behandlung mit Dokumenten befüllt. Aktuell können Kahl und sein Praxis-Team PDF-Dateien etwa von EKG oder Lungenfunktionstests in die ePA hochladen. Außerdem werden alle E-Rezepte, die er ausstellt, automatisch dort gespeichert.
Seit dem Start der Pilotphase sind die Zugriffe auf die E-Akten nach Angaben der mehrheitlich bundeseigenen Digitalagentur Gematik Schritt für Schritt kräftig gestiegen – auf fast 304.000 in der vergangenen Woche. Medikationslisten wurden fast 70.000 Mal aufgerufen.
Welche Kritik gibt es?
Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) in den Modellregionen halten es noch für zu früh für einen bundesweiten Start. „Ein Großteil der Praxen verfügt zwar über das entsprechende ePA-Modul, allerdings melden die Praxisteams weiterhin technische Probleme und Herausforderungen bei der Integration in die Praxisabläufe zurück“, heißt es von der KV Westfalen-Lippe.
Zum Teil könne nicht auf E-Akten zugegriffen werden, oder es gebe lange Ladezeiten. Auch die KV in Bayern sieht keine Fortschritte bei der Problemlösung. Die Akzeptanz von Ärzten und Versicherten könnte leiden, sollte die ePA zu früh starten.
Welche Vorteile bietet die ePA?
Fachleute sind überzeugt, dass die elektronische Patientenakte die Behandlung verbessern kann. Dadurch könne er die Befunde von anderen Ärzten sehen und müsse diesen nicht mehr hinterherrennen, sagt Hausarzt Nicolas Kahl. Das spare Zeit und verhindere Doppel-Behandlungen. „Es hilft uns, wenn wir einen Patienten nicht gut kennen und dieser keine Auskunft über seine Medikamente geben kann.“ Das könne zum Beispiel helfen, gefährliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten zu verhindern.
„Es wird sich perspektivisch lohnen“, ist sich Kahl sicher. Allerdings werde das Monate, wenn nicht Jahre, dauern. Denn es kommen nur Befunde und Medikamente in die E-Akten, die nach deren Start gestellt beziehungsweise verschrieben wurden. Wenn Patienten ältere Diagnosen oder Verordnungen hinterlegen wollen, müssen sie diese selbst hochladen. Maximal zehn Dokumente seien jährlich möglich, sagt Kahl.
Stand: 08.12.2025
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Wie ist die Akzeptanz?
Bei der AOK haben nach Angaben des Bundesverbands rund vier Prozent der 27,49 Millionen Versicherten der ePA widersprochen. Bei der Techniker Krankenkasse sind es sieben Prozent der 11,9 Millionen Versicherten. Auch in der Praxis von Nicolas Kahl haben bisher nur wenige Patienten und Patientinnen Vorbehalte geäußert. „Im einstelligen Prozentbereich“, sagt der 37-Jährige.
Seine Erfahrung: Wer die E-Akte ablehne, habe oft Angst, dass die Daten in die falschen Hände geraten könnten. „Manche wollen auch nicht, dass ich sehe, dass sie bei einem anderen Mediziner waren.“ Für die meisten Patienten aber sei die ePA überhaupt kein Thema, hat er festgestellt. „Die haben gar nicht auf dem Schirm, dass sie eine haben.“
Wie sicher sind die Gesundheitsdaten in der ePA?
Computerspezialisten und verschiedene Organisationen aus dem Gesundheitswesen warnten vor dem Start in den Modellregionen vor Sicherheitslücken, wodurch Unbefugte Zugriff auf alle E-Akten bekommen könnten. Lauterbach betonte, es sei gelungen, Sicherheitsprobleme für den Massenzugriff zu lösen, die der Chaos Computer Club herausgearbeitet hatte.
Die Expertin Bianca Kastl und Martin Tschirsich vom Chaos Computer Club hatten sie aufgedeckt. Diese bestehen aus Kastls Sicht trotz Updates weiter. „Bei den versprochenen Updates handelt es sich lediglich um den Versuch der Schadensbegrenzung bei einem der vielen von uns demonstrierten Angriffe“, sagte sie. „Elektronische Patientenakten lassen sich weiterhin mit geringem Aufwand angreifen.“