Arztpraxis Ein neues Konzept für die Primärversorgung

Von Susanne Ehneß 6 min Lesedauer

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Viel Bürokratie, hohe Kosten, fehlende Nachfolger und dann noch die Herausforderungen durch die zunehmende Digitalisierung: Die klassische Facharzt- und Hausarztpraxis ist im Wandel.

Dr. Timo Rodi, Mediziner und Mitgründer von Eterno.(©  Eterno)
Dr. Timo Rodi, Mediziner und Mitgründer von Eterno.
(© Eterno)

Von administrativen Tätigkeiten befreit sein, sich nicht um die Beschaffung von Medizintechnik oder die Pflege der IT-Systeme kümmern – mehr Zeit also für die eigentliche Aufgabe, die Versorgung der Patienten haben. Das ist eine Vorstellung, die meistens sehr weit von der Realität in deutschen Arztpraxen entfernt ist. Laut einer Umfrage des Marburger Bundes unter angestellten Ärztinnen und Ärzten verbringen diese im Durchschnitt täglich drei Stunden mit Verwaltungstätigkeiten und Dokumentation, 60 Prozent der Befragten fühlen sich überlastet.

All inclusive

An diesem Punkt setzt das Praxis-Konzept von Eterno Health an. Hier können Praxisräume quasi im All-inclusive-Modus gemietet ­werden. Das Versprechen des Unternehmens ist eine „moderne, digitale und patientenorientierte Arztpraxis“. „Wir bieten Co-Working-Spaces für Ärzte, Physiotherapeuten und andere medizinische Gruppen an“, erklärt einer der Mitgründer, Dr. Timo Rodi, gegenüber unserer Redaktion. „Wir kümmern uns um die Praxisausstattung, die Reinigung, das Personal und auch um die IT“, sagt er.

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Rodi ist vom Fach. Er ist ausgebildeter Mediziner und war zunächst in der Orthopädie und plastischen Chirurgie tätig. Ein Arbeitsumfeld, das ihn, wie er sagt, zunehmend frustriert hat. Er wechselte in die Unternehmensberatung, war in verschiedenen Start-ups tätig und kam vor dreieinhalb Jahren zu Eterno. Maximilian Waldmann und Frederic Haitz hatten das Unternehmen 2019 gegründet, 2022 folgte der offizielle Start.

Aktuell gibt es drei Städte, in denen Co-Working-Spaces eröffnet wurden: Hamburg, Frankfurt und Berlin. Der Hamburger Standort ist bereits voll belegt, so dass derzeit ein zweiter Standort gebaut wird. In Frankfurt sind aktuell rund 85 Prozent der Fläche vermietet, bei dem im März eröffneten Standort in Berlin sind noch Flächen frei. Je nach Auslastung wird es auch in Berlin und Frankfurt weitere Standorte geben, zudem sind Praxen in Stuttgart, Düsseldorf und München im Gespräch. Sinnvoll ist dies auch in kleineren Städten, sagt Rodi, wenn es Versorgungsengpässe gibt. In Hessen gebe es beispielsweise ein Projekt, das gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung und der lokalen Kommune realisiert werde.

Unsere Softwareentwickler sitzen Tür an Tür
mit den Ärzten.

Die Praxen sind keine Schnellschüsse. „Wenn Sie heute ein Projekt im strukturschwachen Raum anstoßen, dann dauert es mehrere Jahre bis zur Eröffnung. In den großen Städten geht das natürlich schneller“, sagt Rodi. Konkurrenz gebe es derzeit nicht. „Das ist ein komplexes Geschäftsmodell“, sagt Rodi und erläutert: „Man muss die bautechnischen Themen haben, man muss die IT-technischen Themen haben, man muss natürlich auch ein bisschen eine Hand für das Medizinische haben und überhaupt erst einmal verstehen, wie so eine Praxis funktioniert. Und ja, das macht uns aktuell zum einzigen Anbieter in Deutschland.“ Auch international gibt es laut Rodi nichts Vergleichbares.

Abgrenzung zu MVZ

Das Konzept der medizinischen Versorgungszentren (MVZ) ist ein anderes. „In den MVZ gibt es ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Eigentümer und den Ärzten“, erklärt Rodi und grenzt ab: „Wir sind eben kein profitorientiertes MVZ, dessen Ziel es ist, möglichst viele Privatpatienten zu behandeln.“ Jeder Euro, der in der Eterno-Praxis verdient werde, bleibe bei den Ärztinnen und Ärzten. Ein weiterer Unterschied: Eterno entwickelt Software, die an den Standorten eingesetzt und weiterentwickelt wird. Rodi: „Wir sind eigentlich ein Software-Anbieter, der sich den Luxus erlaubt, Praxisstand­orte zu haben, um zu verstehen, wie die Praxis funktioniert.“

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