15. Nationaler Fachkongress Telemedizin Gesucht: Blaupausen für Telekooperationen

Von Nicola Hauptmann 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Nicht nur das Ambiente war neu beim diesjährigen Nationalen Fachkongress Telemedizin – beim Thema „Telemonitoring in die Regelversorgung" hat die DGTelemed Mitstreiter gefunden und der Kongress markierte den Start einer neuen Initiative.

Handlungsbedarf besteht auch beim Aufbau von Telekooperationen und digitalen Netzwerkstrukturen, wie sich in den Vorträgen und Diskussionen beim Nationalen Fachkongress Telemedizin zeigte. (Bild:  Nicola Hauptmann)
Handlungsbedarf besteht auch beim Aufbau von Telekooperationen und digitalen Netzwerkstrukturen, wie sich in den Vorträgen und Diskussionen beim Nationalen Fachkongress Telemedizin zeigte.
(Bild: Nicola Hauptmann)

Krankenhausreform und Telemonitoring waren die beiden großen Themen, die beim diesjährigen Nationalen Fachkongress Telemedizin diskutiert wurden. Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin e. V. (DGTelemed) hatte Expertinnen und Experten aus Gesundheitspolitik, Wissenschaft und Versorgung am 11. und 12. Juni zum Austausch nach Berlin eingeladen. Ihre eigenen Positionen haben die Veranstalter in zwei Papieren zusammengefasst und beim Kongress vorgestellt.

Das erste Positionspapier „Telekooperation und digitale Netzwerkstrukturen im Rahmen der Krankenhausreform“ unterstreicht die Bedeutung von Telemedizin für die Aufrechterhaltung der Versorgung – nachdem die Leistungspalette einzelner Krankenhäuser im Zuge der Krankenhausreform zugunsten einer Spezialisierung begrenzt wird. „Telekooperation muss dabei gleichwertig zur Präsenzversorgung als fester Bestandteil der Regelversorgung anerkannt und genutzt werden, um medizinisches Fachwissen zeit- und ortsunabhängig verfügbar zu machen“, so die Forderung. Konkret: Das jetzige Standortprinzip, das für viele Leistungsgruppen ärztliche Präsenz vor Ort vorschreibt, müsse modernisiert werden, indem etwa Facharztstandards auch durch telemedizinische Kooperation erfüllt werden könnten.

Diese Kooperationen brauchten als Basis Partnernetzwerke und eine passende digitale Infrastruktur – die wiederum zu finanzieren sei. Über den Krankenhaustransformationsfonds (KTF) stehen dafür auch die Mittel zur Verfügung, die DGTelemed sieht aber die Bedarfserhebung und das komplexe Antragsverfahren in der kurzen Frist (bis 30. September 2025 für die Förderung 2026) als Herausforderungen und entsprechend auch den Bedarf an externer Beratung und Schulung. Diese könnten jedoch ebenfalls aus dem KTF gefördert werden. Soweit das Papier.

Wie im Pressegespräch und in der Paneldiskussion zu diesem Thema deutlich wurde, ist man sich bei der DGTelemed bewusst, dass zum einen den Krankenhäusern der Aufbau solcher Telekooperationen und Strukturen erst nahegebracht werden muss, auch deshalb, weil für Häuser, die von Insolvenz bedroht sind, Telemedizin möglicherweise nicht die größte Sorge ist. Zum anderen braucht es einen Rahmen für den Aufbau solcher Strukturen, keine kleinteiligen Verordnungen, sondern vielmehr Blaupausen oder Modelle, wie solche Netzwerke sinnvoll und effizient auszugestalten sind. Die DGTelemed verweist hier auf die Strukturen und Erfahrungen aus der Teleintensivmedizin. Unbedingt empfohlen werden größere Netzwerke und Kooperation mit Maximalversorgern, die mehrere Indikationen bündeln, statt etwa einer Vielzahl von Einzelkooperationen.

Prof. Dr. Claudia Spies, Ärztliche Centrumsleitung CC7 und Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin CCM & CVK an der Charité, teilte in ihrem Vortrag ihre Erfahrungen aus der Praxis und erklärte, worauf es bei der Umsetzung telemedizinischer Kooperationen ankommt – insbesondere auf eine nachhaltige, verbindliche Qualität der Strukturen, Prozesse und auch der Ergebnisse – um wirkliche Verbesserungen für die Patienten zu erzielen und Vertrauen zu erhalten. Sie rief zudem zur Zusammenarbeit auf und zu mehr Eigeninitiative der Selbstverwaltung, um wichtige Punkte zu adressieren und gemeinsam zu verbessern. Anderenfalls könne es zu einer kleinteiligen, bürokratischen Struktur kommen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 14 Bildern

Telemonitoring in die Regelversorgung

Zum zweiten Thema, dem Telemonitoring, hat die DGTelemed nicht nur ein eigenes Positionspapier veröffentlicht, sie hat auch den Schulterschluss mit einem weiteren Akteur gesucht: dem Medizintechnikverband SPECTARIS. Der Programmblock „Telemonitoring in die Regelversorgung – wie gemeinsam?“ am Nachmittag des 12. Juni markierte gleichzeitig den Startpunkt für die neue Initiative des Verbands „Telemonitoring in die Regelversorgung“. Marcus Kuhlmann, Leiter Medizintechnik SPECTARIS – Deutscher Industrieverband für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik, stellte die Initiative vor. Ziel ist es, eine abgestimmte Vision, einheitliche Prozesse, Finanzierungsmodelle und die regulatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen, um Telemonitoring als festen Bestandteil der Regelversorgung zu etablieren. Teil der Initiative ist ein ebenfalls am Kongresstag veröffentlichtes Whitepaper, in dem die Sichtweise der Hilfsmittelversorger und -hersteller zum Telemonitoring, Handlungsempfehlungen und geplante Maßnahmen zur Umsetzung zusammengefasst sind. Dazu gehören der Aufbau von Partnerschaften, die Sichtung innovativer Lösungen am Markt, Entwicklung einheitlicher Verfahrensanweisungen und konkreter Vergütungsmodelle. Der Verband fokussiert sich dabei zunächst auf die Anwendung in der Schlafmedizin, „da hier in den letzten Jahren umfassende Evidenz zum Wert von Telemonitoring generiert wurde“, mit der Absicht, Erkenntnisse daraus auf weitere Fachbereiche zu übertragen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Auch beim Kongress waren die anschließenden Beiträge und die Diskussionsrunde dem Thema Schlafmedizin gewidmet.

Was braucht es, damit Telemonitoring zu gelebter Praxis in der Gesundheitsversorgung wird? In ihrem aktuellen Whitepaper listet die DGTelemed vier Voraussetzungen auf:

  • Telemonitoring muss in bestehende Disease-Management-Programme (DMP) integriert werden, das heißt, nicht nur als Zusatzfunktion konzipiert, sondern inhaltlich in die Prozesse eingebettet und verzahnt werden;
  • Anbindung an die ePA und Telematik-Infrastruktur;
  • Aufbau interdisziplinärer Netzwerkstrukturen mit Telemedizinischen Zentren (TMZ), Förderung dieser Strukturen auch über Sektorengrenzen hinweg sowie
  • Ausweitung und Förderung der Versorgungsforschung und eine deutlich schnellere und konsequentere Überführung erfolgreicher und versorgungsrelevanter Projekte in die Regelversorgung.

(ID:50452629)