Digitale Helfer für seelische Belastung Jeder Vierte offen für KI bei psychischer Belastung

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Laut einer aktuellen Civey-Umfrage für den BVDW könnten sich mehr als 25 Prozent der Deutschen vorstellen, bei seelischer Belastung digitale KI-Angebote zu nutzen. Jüngere Altersgruppen zeigen sich dabei besonders offen.

„Wie wichtig die Akzeptanz neuer Technologien ist, zeigt sich insbesondere in sensiblen Bereichen wie mentaler Gesundheit. Verantwortung für Technologie und Mensch müssen deshalb stets Hand in Hand gehen“, erklärt Carsten Rasner, geschäftsführender Vorstand des BVDW.(Bild:  BVDW)
„Wie wichtig die Akzeptanz neuer Technologien ist, zeigt sich insbesondere in sensiblen Bereichen wie mentaler Gesundheit. Verantwortung für Technologie und Mensch müssen deshalb stets Hand in Hand gehen“, erklärt Carsten Rasner, geschäftsführender Vorstand des BVDW.
(Bild: BVDW)

In einer Zeit, in der psychische Gesundheit zunehmend enttabuisiert wird, scheinen sich digitale Tools wie ChatGPT oder vergleichbare KI-Systeme als niederschwellige Gesprächspartner zu etablieren – insbesondere in jüngeren Altersgruppen. Das geht aus einer repräsentativen Online-Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey* im Auftrag des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) hervor.

Über 25 Prozent der Befragten gaben demnach an, sich vorstellen zu können, in emotional schwierigen Situationen teilweise auf KI-gestützte Angebote zurückzugreifen. Die Argumente seien pragmatisch: rund um die Uhr erreichbar, keine Angst vor Stigmatisierung, geduldig, strukturiert.

„Künstliche Intelligenz und insbesondere generative KI sind ein Beschleuniger“, so Carsten Rasner, geschäftsführender Vorstand des BVDW. Digitale Angebote könnten schnell verfügbar sein, während auf eine klassische Therapie oft wochenlange Wartezeiten folgen. Rasner betont aber auch: Digitale Tools seien keine Alternative zur Therapie, aber ein möglicher erster Ankerpunkt. Technik und Verantwortung müssten daher gemeinsam gedacht werden.

Jüngere Männer zeigen größte Offenheit

Die Akzeptanz digitaler Hilfen sei stark altersabhängig. Besonders offen zeigen sich laut Erhebung Männer zwischen 30 und 39 Jahren. In dieser Gruppe sei die Zustimmung mit rund 50 Prozent am höchsten. Zudem nutze bereits jeder Zehnte dieser Altersgruppe entsprechende Tools. Über alle Altersgruppen hinweg liegt der tatsächliche Nutzungsanteil bei etwa drei Prozent.

Stärken digitaler Tools: Geduld, Struktur, Verfügbarkeit

Gefragt nach den Vorteilen digitaler Systeme wie ChatGPT, nannten die Befragten vor allem deren ständige Verfügbarkeit (24 Prozent), die Möglichkeit, ohne Scham zu sprechen (19 Prozent), sowie die Geduld der Systeme (16 Prozent). Auch die Fähigkeit, Gedanken zu ordnen und strukturierte Lösungsvorschläge zu liefern, wurde positiv hervorgehoben.

Hürden: Vertrauen und fehlende Menschlichkeit

Trotz grundsätzlicher Offenheit bleibt Skepsis. Für 40 Prozent der Befragten stellt der fehlende menschliche Kontakt ein zentrales Hindernis dar. Darüber hinaus äußerten viele Zweifel an der Fähigkeit von KI, mit sensiblen Themen verantwortungsvoll umzugehen. Auch die Sorge vor unpassenden oder fehlerhaften Empfehlungen spielt eine Rolle bei der Ablehnung digitaler Angebote.

BVDW betont Potenzial, warnt aber vor Leichtsinn

Die Umfrage liest sich wie ein vorsichtiger Appell à la Schaut her, hier ist ein wachsender Markt – aber mit Verantwortung und Augenmaß. Für Anbieter, Entwickler und Digitalagenturen ergibt sich ein spannendes Spielfeld zwischen ethischem Design, vertrauenswürdiger KI und personalisierter Nutzererfahrung. Entscheidend wird sein, wie der Brückenschlag zwischen Technik und therapeutischer Verantwortung gelingt.

* Civey hat für den Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. vom 24. bis 25. April 2025 online 2.500 Bundesbürger ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 3,6 % (Gesamtergebnis).

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