Embedded-KI im Gesundheitswesen

Künstliche Intelligenz, die zur Heilung beiträgt

< zurück

Seite: 2/2

Innovative Entwicklungen in drei Kernbereichen

User Interaction: Beispiele sind die Interaktion durch Geste, Haltung des Handstücks oder Rufwörter (wie z.B. „Gerätename, Start Behandlungsschritt 3!“) mit einem Medizingerät. So kann der Chirurg das OP-Lasergerät oder -Endoskop mit der Stimme steuern, es wird keine nicht-sterile Krankenschwester mehr benötigt. Oder das Gerät merkt selbst, wozu es gerade angewendet wird, und adaptiert sich der Situation intelligent selbst.

Funktionale Innovationen stellen dagegen den Einsatz von Embedded-KI in kundenspezifischen Use Cases dar: Ein Beispiel hierfür wäre eine automatische Anpassung einer OP-Leuchte mit Lichtstärke und Farbe ans durch günstige Sensorik erfasste Operationsfeld. Oder eine Zahnbürste, die den Zahnstatus durch Vibrationsanalyse selbstständig analysiert.

Bildergalerie

Vorausschauende Wartung (Predictive/Preventive Maintenance) bedeutet, Ausfälle bestimmter Hauptausfallskomponenten innerhalb eines Geräts (z.B. Aufsätze, Pumpen, Motoren, Filter, Lüfter, etc.) frühzeitig und planbar vorherzusagen. Dies trägt nicht nur der Sicherheit in der Medizin bei, sondern eröffnet durch Planbarkeit und Personalunabhängigkeit den Raum für wiederum neue, servicebezogene Geschäftsmodelle wie Leasing, Abonnement-Service, etc.

Wie ein Embedded-KI-fähiges Medizingerät entsteht

Jeder Hersteller, der aktuell auf Embedded-KI setzt, verfügt über einen USP, da die Technologie noch neu am Markt ist. Zudem fällt die regulatorische Datenschutzthematik und Abhängigkeit von großen Digitalplayern mehr in den Hintergrund. Gerade mittelständische Unternehmen stehen vor der Herausforderung, rechtzeitig entsprechende Lösungen zu finden oder Ressourcen zu schaffen und Knowhow zu entwickeln. Wichtig ist auf Individuallösungen zu setzen, die geschützt sind und kein anderer einfach so verwenden kann. Externe Berater und Entwickler, die sich auf Embedded-KI spezialisiert haben, können die Produkte testen und Vorschläge unterbreiten, welche Embedded-KI mit welchem Nutzen für die Anwender zu welchen Kosten für den Hersteller realisierbar ist und vom Prototyp bis zur Serienreife begleiten.

Meistens kann schon nach maximal sechs Monaten und wenigen Hunderttausend Euro Budget ein Proof-of-Concept mit dem ersten Prototyp und damit gutem ROI (Return-on-Investment) abgeschlossen werden. Der Embedded-KI-Prozess durchläuft bis hin zur Serienentwicklung die folgenden Stufen: Zuerst erfolgt die Konzeptionierung, gefolgt vom Daten sammeln mit diversen Sensoren und Positionen. Anhand der aufbereiteten und angereicherten Daten bauen Datenexperten ein Machine-Learning-Modell. Embedded-Softwareentwickler wandeln dieses in ausführbaren, hardwarenahen Code um, mitsamt allen Sensor- und Interfaceanforderungen.

Dieser Schritt erfordert eine hohe Kompetenz, da hier Standardtools zumeist nicht weiterführen. Bei diesem Entwicklungsschritt zeigt sich, wie die Endkomponente aufgrund der Modellgröße und des passenden Halbleiters aussehen wird. Die Embedded-Hardware mit möglichst dann nur noch einem ausgewählten Sensor (wie z.B. Mikrofon für Spracherkennung) wird hier also individuell mitentwickelt. Danach ist das System reif für die Praxistests. Zum Serienlaunch gehört der Zertifizierungsprozess des Gesamtprodukts, aber auch Umgebungs- und Lebensdauertests. So können Medizingeräte bereits heute mit umfangreichen, innovativen Embedded-KI-Lösungen ausgestattet werden, die Unternehmen weitere Geschäftsfelder ermöglichen und das Gesundheitswesen unterstützen.

Warum ein KI-Verbot der Medizin mehr schadet als nützt

Was oft übersehen wird: Es ist wichtig zwischen generativer KI und diskriminativen KI zu unterscheiden. Bei dem oft erwähnten Chatbot ChatGPT handelt es sich um ein generatives KI-Intelligenzsystem. Damit beschreibt man jede Art von künstlicher Intelligenz, mit der neue Texte, Bilder, Videos, Audios, Codes oder synthetische Daten erstellt werden können. Im Gegensatz dazu gibt es auch die diskriminativen KI-Modelle, die keinen Content erzeugen, sondern vielmehr darauf spezialisiert sind, bestehende Datensätze zu beschreiben und in der Folge auszuwerten und zu interpretieren. Darunter fallen auch die vorher beschriebenen Anwendungsfelder.

Viacheslav Gromov im Labor(©  AITAD)
Viacheslav Gromov im Labor
(© AITAD)

Die KI benötigt zur Auswertung dieser Daten deutlich weniger Zeit als der Mensch und ist in dieser Beziehung als unterstützender, nicht als erzeugender Faktor tätig. Ein KI-Moratorium würde die generative und die diskriminative KI in gleichem Maße treffen, obwohl die beiden Arten grundsätzlich unterschiedliche Auswirkungen auf ihre Umwelt haben. Konkret könnten die Auswirkungen eines KI-Verbots Innovationshemmung und Wettbewerbsnachteile sein. Es würde die deutsche KI-Branche schwächen und dem asiatischen Wettbewerb in die Hände spielen. Vor allem die diskriminativen KI-Modelle sollten vor einem Entwicklungsverbot geschützt werden, da sie das Leben der Menschen ohne negative Nebenwirkungen erleichtern und einen deutlichen Mehrwert, auch im Health-Segment, bieten.

Der Autor: Viacheslav Gromov ist Gründer und Geschäftsführer des deutschen Embedded-KI-Anbieters AITAD.

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:49603069)