Innovationsausschuss des G-BA empfiehlt Projekte Neue Rollen für MFA – bessere Versorgung für Patienten

Von Nicola Hauptmann 3 min Lesedauer

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Eine eigene Sprechstunde und Case Management – wie sich die Versorgung verbessert, wenn nichtärztliche Fachkräfte solche zusätzlichen Aufgaben übernehmen, zeigen zwei Projekte, die der G-BA zur Nachnutzung empfiehlt. Erprobt wurden eine neue Versorgungsform für chronisch entzündliche Krankheiten und ein Konzept zur Behandlung des „offenen Beines".

Medizinische Fachangestellte können delegierbare Leistungen übernehmen, zum Beispiel – als erste Ansprechpersonen – Symptome und Informationen zur Medikamentenverträglichkeit erheben.(Bild:  Dusan Petkovic – stock.adobe.com)
Medizinische Fachangestellte können delegierbare Leistungen übernehmen, zum Beispiel – als erste Ansprechpersonen – Symptome und Informationen zur Medikamentenverträglichkeit erheben.
(Bild: Dusan Petkovic – stock.adobe.com)

Neue Versorgungsformen im Gesundheitswesen können in Deutschland zunächst in Projekten erprobt werden; dafür stehen über den Innovationsfonds jedes Jahr 160 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere 40 Millionen Euro werden für Projekte der Versorgungsforschung bereitgestellt. Die Projekte haben unterschiedliche Laufzeiten, die Frage, die sich am Ende stellt, bleibt aber immer: Eignet sich der erprobte Ansatz auch für andere Akteure, im Fall der neuen Versorgungsformen für die Regelversorgung? Über einen Transfer der Ergebnisse entscheidet der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss G-BA. In zwei Projekten, die der Ausschuss mit seinen Beschlüssen vom 22. August weiterempfiehlt, spielen MFA – Medizinische Fachangestellte – die Hauptrolle.

Projekt DELIVER CARE: MFA-Sprechstunde hat sich bewährt

Das erste Projekt, DELIVER CARE, widmete sich Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Krankheiten wie rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Psoriasis. Diese brauchen langfristig intensive Betreuung – für die Ärzten jedoch oft die Zeit fehlt. In dem Projekt unter Leitung der Klinik für Immunologie und Rheumatologie der Medizinischen Hochschule Hannover wurde getestet, ob stattdessen MFA ärztliche Tätigkeiten zur Verlaufskontrolle übernehmen können. Diese erhoben in einer eigenen Sprechstunde zunächst Symptome und Verträglichkeit der Medikamente, bevor die Befunde mit Patienten und Facharzt oder Fachärztin besprochen wurden. Auch bei besonderen Vorkommnissen wie z. B. bei Medikamentennebenwirkungen waren die medizinischen Fachangestellten die ersten Ansprechpersonen. Bundesweit nahmen 56 Zentren der Rheumatologie, Dermatologie und Gastroenterologie mit durchschnittlich zwölf MFA pro Praxis an der Studie teil sowie 602 Patientinnen/Patienten. Im Fokus stand die gesundheitsbezogene Lebensqualität und diese war laut den Studienergebnissen der in der Regelversorgung erreichten nicht unterlegen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat sich aufgrund der positiven Ergebnisse für die Überführung des Projekts in die Regelversorgung ausgesprochen. Die Erkenntnisse sollen auch an die Bundesärztekammer (BÄK) weitergegeben werden mit der Bitte um eine Überprüfung in Bezug auf die Musterfortbildungscurricula für Medizinische Fachangestellte.

Bessere Heilung bei offenen Beinwunden: MFA als Case Manager

Das zweite Projekt, ULCUS CRURIS CARE, beschäftigte sich im Rahmen der Versorgungsforschung mit der Behandlung des „offenen Beines" – venös bedingter chronischer Beinwunden. Diese Wunden belasten die Betroffenen sehr und die Behandlung verursacht hohe Kosten; trotzdem fehlt ein etablierter Versorgungsstandard, so die Beschreibung der Ausgangslage. Das Projektteam unter Leitung des Universitätsklinikums Heidelberg hat nun ein patientenorientiertes Konzept für die Behandlung in der Hausarztpraxis entwickelt und erprobt. Medizinische Fachangestellte mit einer Zusatzqualifikation als Versorgungsassistenz (VERAH) übernahmen dabei die Rolle der Case-Manager. Im Projekt wurden digitale Schulungen, standardisierte Behandlungsempfehlungen sowie eine Software zur Wunddokumentation und Verlaufskontrolle eingesetzt. Der G-BA verweist auf die laut Begleitstudie 3,6-mal höhere Wahrscheinlichkeit der Wundheilung im Vergleich zur Kontrollgruppe und auf die verbesserte gesundheitsbezogene Lebensqualität. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl sei die Aussagekraft jedoch eingeschränkt. „Insgesamt hat das Projekt wertvolle Anhaltspunkte zur Optimierung der Versorgung von Menschen mit venös bedingten chronischen Wunden aufgezeigt“, so die abschließende Wertung des Innovationsausschusses, der die Erkenntnisse an die Verbände der Kranken- und Pflegekassen, die kassenärztlichen Vereinigungen, Landesärztekammern und den Hausärztinnen- und Hausärzteverband e. V. weiterleiten will.

Weitere Beschlüsse und Transferempfehlungen sowie die aktuellen Förderbekanntmachungen sind auf der Website des Innovationsauschusses einzusehen.

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