Generative KI

Neue Wege für die Digitalisierung des Gesundheitswesens

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Aber Generative KI kann auch selbst aktiver Teil der Therapie werden, etwa in Form von Therapiebegleitern und smarten Assistenten, z.B. für chronische Erkrankungen. Durch eine regelmäßige Erfassung des individuellen Gesundheitszustands durch einen Dialog in natürlicher Sprache sowie die Fähigkeit, spezifische Inhalte direkt für einzelne Patienten zu generieren, sind hier neue Wege in der Therapiebegleitung möglich: weg von der vereinzelten Interaktion mit Fachärzte und -ärztinnen hin zu einer kontinuierlichen Betreuung nach Bedarf und Zustand. Ein Beispiel sind etwa Anwendungen in der Psychiatrie für Menschen mit Depressionen und Angstzuständen. Studien haben gezeigt, dass die regelmäßige Interaktion mit entsprechenden digitalen Begleitern zu einer signifikanten Reduktion von Depressionssymptomen führt.

Optimierung administrativer Prozesse

Katina Sostmann ist Design Principal & Lead bei IBM Health Industry Lab.(Bild:  IBM iX)
Katina Sostmann ist Design Principal & Lead bei IBM Health Industry Lab.
(Bild: IBM iX)

Während KI schon heute zur Effizienzsteigerung in der Verwaltung beiträgt, etwa indem sie die Erstellung von Belegungsplänen und eine effiziente Zuweisung von Ressourcen unterstützt, bietet Generative KI gerade im Bereich der Dokumentation vielseitige Anwendungsfälle. Durch die automatische Erstellung von Pflegeprotokollen, schriftlichen Befunden aus Arztdiagnosen und Entlassungsbriefen auf Grundlage der im Krankenhaus-Informationssystem hinterlegten Daten können die umfangreichen Dokumentationsanforderungen besser mit der knappen Zeit des medizinischen Personals in Einklang gebracht werden. Darüber hinaus kann Generative KI auch helfen, die bis heute meist in analoger Form vorliegende Krankenhistorie zu digitalisieren und somit für die direkte Behandlung, aber auch für die Forschung nutzbar zu machen.

Große Chancen, zahlreiche Herausforderungen

Auch wenn die Anwendung Generativer KI in Krankenhäusern und Praxen eine Fülle von Vorteilen bringt, so kann die Einführung herausfordernd sein. Wer sich den schleppenden Verlauf der Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland vor Augen führt, dem wird klar, dass auch der Einführung Generativer KI zahlreiche Herausforderungen gegenüberstehen. Dabei handelt es sich sowohl um altbekannte Themen, aber es bestehen auch zahlreiche neue Fallstricke. Diese reichen von technischen Themen bis hin zu ethischen Fragen und erfordern eine sorgfältige Planung.

Die Implementierung von KI-Systemen braucht eine robuste technische Infrastruktur sowie Fachwissen im Bereich KI. Viele Gesundheitseinrichtungen verfügen möglicherweise nicht über die notwendigen Ressourcen oder das technische Know-how. Partnerschaften mit Technologieanbietern und Regierungsinitiativen sind hier sinnvoll, um zu unterstützen.

Auch ethische Fragen sind besonders relevant, wenn es um KI im Gesundheitswesen geht. Wie werden Entscheidungen über die Behandlung getroffen, und wie wird die Zustimmung der Patienten sichergestellt? Die Entscheidung, eine Behandlung fortzusetzen oder abzubrechen, muss sorgfältig unter Berücksichtigung der Patientenwünsche, der medizinischen Ethik und der rechtlichen Rahmenbedingungen getroffen werden.

Es besteht ein wachsender Bedarf an Fachleuten, die sowohl in Medizin als auch KI ausgebildet sind. Sie sind entscheidend für die effektive Implementierung und das Management von KI-Systemen. Auch hier helfen Systemanbieter und Technologiepartner – sowohl bei der Implementierung als auch der Schulung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und dem notwendigen Veränderungsmanagement.

Jan Pilhar ist Executive Director & Gen AI Lead bei IBM iX DACH.(Bild:  IBM iX)
Jan Pilhar ist Executive Director & Gen AI Lead bei IBM iX DACH.
(Bild: IBM iX)

Es gilt, die wachsenden rechtlichen Rahmenbedingungen bezüglich der Verwendung von KI im Gesundheitswesen zu berücksichtigen. Themen wie Haftung, Zustimmung, Datenschutz und Datenqualität werden zwar meist von den Anbietern entsprechender Systeme abgebildet, aber auch die Anwender und Anwenderinnen müssen hier ein Basisverständnis erwerben. Die Klärung von Haftungsfragen und die Entwicklung von Best Practices für den Umgang mit solchen Fehlern werden für das Vertrauen in KI-Systeme entscheidend sein.

Die Anerkennung und Bewältigung dieser Herausforderungen sind entscheidend für die erfolgreiche Integration von KI im Gesundheitswesen. Wir brauchen Spielräume, in denen wir die Potentiale und Gefahren im täglichen Einsatz erfahrbar machen, um aus den Erfahrungen zu lernen und so nach Abwägung aller Implikationen über einen möglichen Einsatz bewusst entscheiden zu können. Nur so können Krankenhäuser und Praxen die genannten Hürden überwinden und die Vorteile der KI-Technologie voll ausschöpfen.

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