Medizininformatik-Initiative (MII) Projekt EyeMatics: Wenn klinische Studien und Praxis nicht übereinstimmen

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

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Woran liegt es, wenn die Behandlungsergebnisse in der Praxis schlechter ausfallen als in Studien? Anhand von „Real-World“-Daten aus Universitätskliniken will das Projekt EyeMatics dieser Frage auf den Grund gehen. Dieser Use Case der MII ist der erste im Bereich der Augenheilkunde.

Das Konsortium von EyeMatics mit Prof. Julian Varghese (7.v.l.) und Prof. Nicole Eter (8.v.r.) (© UKM / Marcus Heine)
Das Konsortium von EyeMatics mit Prof. Julian Varghese (7.v.l.) und Prof. Nicole Eter (8.v.r.)
(© UKM / Marcus Heine)

Die Medizininformatik-Initiative (MII) will Daten aus der Krankheitsversorgung standortübergreifend nutzen, um die Versorgung zu verbessern. Das wird derzeit in mehreren klinischen Anwendungsfällen erprobt. Mit dem Projekt EyeMatics wird nun ab März erstmals ein Use Case in der Augenheilkunde beleuchtet – mit Real-World-Daten aus mehreren Universitätskliniken. Untersucht werden soll die Frage, warum bei Augenerkrankungen wie altersbedingter Makuladegeneration oder diabetischer Retinopathie die tatsächlichen Behandlungsergebnisse schlechter ausfallen als in klinischen Studien. Bislang fehlen dazu Routinedaten aus Kliniken.

Die „Spritze ins Auge“

Bei Erkrankungen wie den oben genannten wird die IVOM-Therapie eingesetzt, die „Intravitreale operative Medikamentenapplikation“, oder plastischer: die „Spritze ins Auge“. So unbehaglich die Vorstellung einer Injektion ins Auge sein mag, die IVOM-Therapie gehört laut MII zu den häufigsten medizinischen Eingriffen in Deutschland und wird jährlich etwa 1,5 Millionen Mal durchgeführt. Die Häufigkeit erklärt sich auch daraus, dass es sich nicht um einen einmaligen Eingriff handelt. Im Gegenteil, die Behandlungen müssen über einen längeren Zeitraum, teilweise sogar lebenslang durchgeführt werden. Unbehandelt droht eine Sehverschlechterung bis zu Erblindung. Entscheidend für den Erfolg sind also auch Therapie-Adhärenz und -Persistenz – die langfristige Therapietreue – der Patientinnen und Patienten. Auch diese Faktoren sollen im Projekt untersucht werden.

Für die Analysen werden klinische Daten aus verschiedenen Informationssystemen anhand eines harmonisierten Kerndatensatzes kombiniert und ausgewertet. Beteiligt sind die Universitätskliniken Aachen, Greifswald, Münster und Tübingen sowie als Rollout-Partner das Klinikum Chemnitz und das Universitätsklinikum Leipzig. Neben etablierten statistischen Methoden soll auch KI zum Einsatz kommen: „Dabei helfen modernste Verfahren mittels Künstlicher Intelligenz, besonders wichtige Merkmale von Augenerkrankungen zu identifizieren und in einem klinischen ‚Dashboard‘ – einer Art klinischem Armaturenbrett – für eine mögliche individualisierte Risikobewertung und Therapie zu bündeln“, erklärt Prof. Julian Varghese. Er ist Leiter des Instituts für Medizinische Informatik der Universität Münster und übernimmt die technische Projektleitung.

Aber auch die Patientinnen und Patienten selbst sollen zu Wort kommen – über die Patientenvereinigung PRO RETINA Deutschland e.V. und durch selbst dokumentierte Therapieergebnisse (Patient Reported Outcomes).

Mit EyeMatics schaffen wir die Voraussetzungen für eine multizentrische Datenauswertung von ‚Real-World‘-Daten – also Daten aus der medizinischen Versorgung – an universitären Augenkliniken. Wir erhalten unter anderem Einblicke in mögliche regionale Unterschiede der untersuchten Krankheitsentitäten und können Auswertungen zu den verschiedenen Behandlungsschemata vornehmen.

Prof. Nicole Eter, Direktorin der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Münster und klinische Leiterin des Projekts.

Das EyeMatics-Projekt wird im Rahmen der Medizininformatik-Initiative vom Bundesforschungsministerium (BMBF) über vier Jahre mit insgesamt rund sieben Millionen Euro gefördert. An den Standorten der Unikliniken sind sowohl die Augenkliniken als auch die jeweiligen MII-Datenintegrationszentren beteiligt, außerdem die TU Dresden und die Universitätsmedizin Mainz. Der Projektstart ist für März 2024 geplant.

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