Nationaler Fachkongress Telemedizin der DGTelemed Projekt zur Kinder-Intensivmedizin gewinnt beim Telemedizinpreis

Von Nicola Hauptmann 4 min Lesedauer

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Kinder sicher versorgen: Beim diesjährigen Telemedizinpreis belegte ein Projekt zur Kinderintensivmedizin in Sachsen den ersten Platz – und auch beim zweitplatzierten Projekt dreht sich alles um die jüngsten Patienten.

Das Team des KidS-Projekts des Uniklinikums Dresden beim Science Slam zum Telemedizinpreis.(Bild:  Nicola Hauptmann)
Das Team des KidS-Projekts des Uniklinikums Dresden beim Science Slam zum Telemedizinpreis.
(Bild: Nicola Hauptmann)

Ein Rheumatologie-Informationssystem, Teleradiologie mit KI oder Kinder-Notfallmedizin: Es waren spannende Projekte, mit denen sich die Finalisten beim Science Slam des Nationalen Fachkongresses Telemedizin um den Telemedizinpreis bewarben – und die sie kreativ und mit Herzblut präsentierten. Die Präsentation selbst floss im Übrigen auch in die anschließende Bewertung der Fachbesucher ein.

Gewinner des Telemedizinpreises 2025 – das Kinder Tele-Intensivnetzwerk Sachsen. Daniel Busch und Dr. med. Stefan Winkler (links und rechts außen) nehmen die Urkunde zum Gewinn des von Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, in Empfang.(Bild:  DGTelemed)
Gewinner des Telemedizinpreises 2025 – das Kinder Tele-Intensivnetzwerk Sachsen. Daniel Busch und Dr. med. Stefan Winkler (links und rechts außen) nehmen die Urkunde zum Gewinn des von Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, in Empfang.
(Bild: DGTelemed)

Das Gewinnerteam überzeugte sowohl inhaltlich – mit dem eHealthSax-Projekt Kinder Tele-Intensivnetzwerk Sachsen (KIdS) – als auch mit einer Live-Performance.

KIdS ist ein integriertes Versorgungskonzept zur flächendeckende Versorgung mit pädiatrischer Notfall- und Intensivmedizin vor allem auch in strukturärmeren Regionen. „Durch die Telemedizin bringen wir intensiv- und notfallmedizinisches Wissen in die Fläche“, so Projektleiter Dr. med. Stefan Winkler, Oberarzt der pädiatrischen Intensivstation an der Universitätskinderklinik Dresden. Per Telemedizin können Ärztinnen und Ärzte aus den Partnerkliniken 24/7 auf die Expertise der pädiatrischen Intensivmedizin des Uniklinikums Dresden zurückgreifen. Wie die Abstimmung und die Kommunikation der einzelnen Akteure in der Praxis aussieht, demonstrierte das Team des Uniklinikums Dresden beim Science Slam anhand eines konkreten Falles.

Das Projekt umfasst vier Module:

  • das Telemedizinnetzwerk für Kindernotfall- und Intensivmedizin mit 16 Partnerkliniken und einer Rehabilitationseinrichtung in Sachsen,
  • den pädiatrischen Intensivtransport für die Verlegung kritisch kranker oder beatmeter Kinder zwischen den Kliniken,
  • die Weiterbildung der medizinischen Teams regionaler Partnerkliniken inkl. Peer Review sowie
  • die wissenschaftliche Auswertung des Projekts.

Auch auf den zweiten Platz wurde eine Anwendung in der Kinder-Notfallmedizin gewählt – das Projekt TelEmergency Kids. Dr. med. Franziska Huber, Ärztin für Innere Medizin an der Kreisklinik Ebersberg, beschrieb sehr eindringlich den Druck, unter dem Ärzte in den Notaufnahmen stehen, wenn es um Kinder geht – und keine pädiatrische Expertise verfügbar ist. Oft müssten die Eltern dann doch an eine Kinderklinik verwiesen werden. Mit TelEmergencyKids können nun Kinderfachärzte der München Klinik Schwabing zugeschaltet werden. „Per Videoübertragung erfolgt eine Einschätzung, ob das Kind vor Ort behandelt werden kann, bei niedergelassenen Kinderärztinnen oder -ärzten vorgestellt oder direkt verlegt werden sollte“, so Huber, „Telemedizin erspart Familien unnötige Wege und Wartezeiten, entlastet Notaufnahmen und bringt kinderärztliche Expertise direkt in die Fläche.“

Um einen neuen Ansatz der Demenzbetreuung durch pflegende Angehörige geht es beim drittplatzierten Projekt: H3-Training des Telemedizinzentrums Hamm: Eine telemedizinisch begleitete kognitive Stimulationstherapie kombiniert Hörförderung, kognitive Aktivierung und empathische Begleitung. „Telemedizinische Demenzbetreuung kann Spaß machen“, erklärte Prof. Dr. Gregor Hohenberg, wissenschaftlicher Leiter des Telemedizinzentrums Hamm und Leiter der Stabstelle für Digitalisierung und Wissensmanagement an der Hochschule Hamm-Lippstadt. Grundlage ist die Erkenntnis, dass die Erkrankten eine Wertschätzung im Allgemeinen erfahren müssen, damit begleitende Therapien positive Effekte bewirken. Deshalb sind viele Übungen des H3-Trainings als Computerspiele gestaltet. Menschen mit Demenz und Hörminderung können zuhause per Tablet spielerisch trainieren, dabei werden sie durch Co-Therapeuten, oft fortgebildete Angehörige, unterstützt. Therapeutinnen oder Therapueten begleiten das Programm telemedizinisch, mit Hilfe von KI-basierten Auswertungen passen sie auch die Trainingspläne an die spezifischen Bedürfnisse an. „Das H3-Training steht für digitale Nähe, Teilhabe und eine sorgende Gesellschaft von morgen“, so Hohenberg.

Auch die weiteren Projekte der insgesamt sieben Finalisten-Teams zeigen das große Potenzial der Telemedizin:

  • die KI-unterstützte teleradiologische Befundung, die bei der reif & möller diagnostic network ag seit 2022 routinemäßig bei der Befundung eingesetzt wird. Auf die Erkenntnis von Hirnblutungen spezialisiert, läuft die KI parallel im Hintergrund und schlägt innerhalb von Minuten Alarm, wenn sie dringenden Behandlungsbedarf entdeckt.
  • „Rheuma erklärt sich nicht von selbst“, so Sonja Froschauer, Geschäftsführerin BDRh e. V. und BDRh Service GmbH. Zusammen mit Franziska Lumma, Founders Associate bei medicstream, stellte sie das gemeinsame Projekt, das Digitale Rheumatologische Informationssystem (DiRhIS) vor. Auf der Plattform finden Rheumatologen von einem Expertengremium geprüfte, auch multimedial aufbereitete Informationen zu rheumatischen Erkrankungen, zu Therapien und Lebensstil. Diese können sie passend zum jeweiligen Fall zu einem Infokorb bündeln und ihren Patientinnen und Patienten einfach zur Verfügung stellen.

Die Gewinner-Teams des Telemedizinpreises 2025 der DGTelemed.(Bild:  DGTelemed)
Die Gewinner-Teams des Telemedizinpreises 2025 der DGTelemed.
(Bild: DGTelemed)

  • Mit Brain Status ermöglicht die (Cerebri GmbH) einen DSGVO-konformen Zugriff auf EEG-Daten über mobile Daten oder WLAN.
  • „Es war einmal …“ Für die Vorstellung der Telemedizin-Plattform „arzt-direkt“ hatte das Team der Zollsoft GmbH die Form eines Märchens gewählt – dabei aber reale und überzeugende Nutzerzahlen präsentiert.

Mit dem Telemedizinpreis werden Institutionen, Einzelpersonen oder interdisziplinäre Arbeitsgruppen oder Projektinitiativen ausgezeichnet, die sich in besonderem Maße der Telemedizin verdient gemacht haben. Die Preisverleihung fand am 12. Juni im Rahmen des 15. Nationalen Fachkongresses Telemedizin statt, der in Kooperation der DGTelemed mit der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH organisiert wurde.

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