Studie Risikofaktor fragmentierte Kommunikation

Von Johannes Kapfer 2 min Lesedauer

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Personalmangel, steigende Kosten, eine alternde Bevölkerung mit komplexen Versorgungsbedarfen: Die Herausforderungen, mit denen Kliniken und Gesundheitseinrichtungen tagtäglich ringen, sind bekannt. Eine Frost & Sullivan-Studie legt nun nahe, dass unzureichende infrastrukturelle Gegebenheiten im Bereich der Kommunikation diese Probleme verschärfen.

In vielen Einrichtungen des Gesundheitswesens finden diverse Kommunikationslösungen parallel Anwendung. Insbesondere bei den Themen Datenschutz und Patientenversorgung sowie der Kommunikation nach „außen“ kann dies zu Effizienzeinbußen führen.(Bild: ©  D Lahoud/peopleimages.com - stock.adobe.com)
In vielen Einrichtungen des Gesundheitswesens finden diverse Kommunikationslösungen parallel Anwendung. Insbesondere bei den Themen Datenschutz und Patientenversorgung sowie der Kommunikation nach „außen“ kann dies zu Effizienzeinbußen führen.
(Bild: © D Lahoud/peopleimages.com - stock.adobe.com)

Wenn Informationen nicht ankommen oder verzögert werden, verzögert sich die Behandlung, Medikationsfehler werden wahrscheinlicher, Aufenthalte dauern länger. Das ist die Grundannahme, mit der das texanische Beratungsunternehmen Frost & Sullivan an zahlreiche IT-Entscheider im Gesundheitswesen für eine Studie herangetreten ist. Die Resultate sind eindeutig: Rund zwei Drittel der Befragten nennen die Vielzahl unterschiedlicher Kommunikationstools als Belastung. Etwa ebenso viele bemängeln fehlende rollenspezifische Werkzeuge und die mangelnde Integration mit anderen Systemen. Sie berichten zudem von Widerstand der Mitarbeiter gegen neue Systeme und unzureichender Technologieschulung. Mehr als die Hälfte der Befragten beklagt darüber hinaus das Fehlen automatisierter Ereignisbenachrichtigungen.

Notfallversorgung als Priorität

Die Studie zeigt weiterhin, an welcher Stelle IT-Abteilungen ansetzen wollen. Mehr als zwei Drittel priorisieren Investitionen in Pflege- und stationäre Workflows. Bei den kritischen Bereichen steht die Notfallversorgung an erster Stelle. Deutlich mehr als die Hälfte der Befragten will hier die Kommunikationsinfrastruktur verbessern. Der Zusammenhang ist nachvollziehbar, schließlich entscheiden in der Notaufnahme teilweise Minuten über Behandlungsergebnisse.

Ein Kernproblem, das durch die Studie herausgearbeitet wurde, liegt in der fehlenden Integration. Viele Einrichtungen arbeiten mit Legacy-Systemen, die sich nicht mit State-of-the-Art-Telemedizin-Plattformen, mobilen Apps oder elektronischen Patientenakten verbinden lassen. Bei den geplanten Investitionen spiegelt sich genau das wider. Rund sechzig Prozent der Befragten wollen in Notfallbenachrichtigungssysteme und mobile Business-Apps investieren.

Kommunikation über Sektorengrenzen hinweg

Die Kommunikation endet nicht an der Krankenhausgrenze. Mit der Verlagerung des Pflegeschwerpunkts hin zur häuslichen Pflege brauche es Systeme, die Krankenhäuser, Praxen, Pflegeeinrichtungen und Angehörige verbinden, betonen die Studienautoren. Knapp zwei Drittel der IT-Entscheider planen diesbezüglich innerhalb der nächsten beiden Jahre Investitionen in Software für Patientenbewertung und Fallmanagement sowie Compliance und Berichtswesen.

Auch Hybrid-Cloud-Modelle setzen sich durch. Sie verbinden die Flexibilität der Cloud mit lokaler Kontrolle über sensible Gesundheitsdaten. Die Studie prognostiziert, dass hybride Umgebungen dominant bleiben. Mehr als vierzig Prozent der Einrichtungen setzen demnach bereits auf integrierte Hybrid-Lösungen. In puncto Skalierbarkeit sind die technischen Herausforderungen durchaus real. Etwa zwei Drittel der Befragten nennen die mangelnde Skalierbarkeit ihrer Systeme als Problem, ebenso viele die Netzwerkstabilität.

Managed Services als Entlastung

Knapp drei Viertel der IT-Entscheider planen gemäß den Studienergebnissen, Managed Services für die Anpassung von Kommunikationsfähigkeiten zu nutzen. Im Bereich der Netzwerkoptimierung liegt diese Zahl etwas darunter bei guten 70 Prozent. Der Ansatz ist dahingehend nachvollziehbar, als dass externe Dienstleister Monitoring, Updates und Support übernehmen und die internen IT-Teams sich währenddessen auf andere Aufgaben konzentrieren können.

Bei der Auswahl von Anbietern zählen – so der Tenor der Studie – praktische Kriterien. Die große Mehrheit legt Wert auf Verwaltbarkeit, ein breites Technologieportfolio sowie Flexibilität beim Deployment. Die Studienergebnisse legen nahe, dass Kommunikationsinfrastruktur mehr ist als ein IT-Thema. Sie beeinflusst Behandlungsabläufe, Patientensicherheit und Arbeitsbedingungen. Einrichtungen, die an dieser Stellschraube investieren, tun das nicht aus technischem Interesse, sondern weil fragmentierte Systeme die Versorgung behindern. Die Entscheider im Gesundheitssystem werden sich daher nicht fragen müssen, ob Kommunikationssysteme modernisiert werden müssen, sondern wie schnell sie diese Maßnahmen bei den bestehenden Budgets umsetzen können.

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