Patientenzufriedenheit SBK-Studie offenbart Versorgungslücken

Von Johannes Kapfer 2 min Lesedauer

Wie weit ist die nächste Arztpraxis entfernt, wie schnell erhält man einen Termin beim Facharzt und werden manche Untersuchungen gar doppelt und dreifach durchgeführt? Diese und weitere Fragen hat die SBK ihren Versicherten gestellt. Resultat: Das deutsche Gesundheitswesen wird ambivalent aufgefasst.

Umfragen im Gesundheitswesen stellen einen wichtigen Rückkanal zu den Leistungserbringern dar und helfen Versorgungsengpässe zu identifizieren und diese in letzter Instanz zu beseitigen.(©  Kiattisak - stock.adobe.com)
Umfragen im Gesundheitswesen stellen einen wichtigen Rückkanal zu den Leistungserbringern dar und helfen Versorgungsengpässe zu identifizieren und diese in letzter Instanz zu beseitigen.
(© Kiattisak - stock.adobe.com)

In Deutschland zeichnet sich ein differenziertes Bild der Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung ab, wie eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag der SBK Siemens-Betriebskrankenkasse zeigt. Die Mehrheit der Befragten gibt positive Bewertungen ab: 77 Prozent schätzen ihre letzten Erfahrungen mit einer Arztpraxis positiv ein. Trotzdem offenbaren sich Herausforderungen, die auf Defizite in der Notfallversorgung, Pflegeeinrichtungen und dem Zugang zu Kinderarztpraxen hinweisen.

Ein Viertel der Befragten sieht die Notfallversorgung in der eigenen Region als unzureichend gesichert. Darüber hinaus waren 35 Prozent derjenigen, die pflegebedürftig waren oder einen Menschen gepflegt haben, mit ambulanten oder stationären Pflegeeinrichtungen unzufrieden. Eltern mit Kindern bis 12 Jahren berichten ebenfalls von Schwierigkeiten, eine Kinderarztpraxis zu finden – 28 Prozent hatten entsprechende Probleme.

Die Zugänglichkeit zur ärztlichen Versorgung variiert ebenfalls. Während 80 Prozent der Versicherten eine haus- oder allgemeinärztliche Praxis in angemessener Entfernung besuchen können, berichten 30 Prozent von Schwierigkeiten, trotz dringendem Bedarf einen Facharzttermin zeitnah zu erhalten. In der Pflege zeigt sich, dass 37 Prozent der Betroffenen in einer Pflegesituation keinen ausreichend schnellen Platz im Pflegeheim oder Pflegedienst finden konnten.

Ein besorgniserregendes Ergebnis der Umfrage betrifft den digitalen Datenaustausch im Gesundheitswesen. 26 Prozent der Befragten berichten von Doppeluntersuchungen aufgrund unzureichenden Informationsaustauschs zwischen Leistungserbringern. Insbesondere Patienten, die in den letzten drei Jahren eine Operation oder einen Krankenhausaufenthalt hatten (32 Prozent), sowie Pflegebedürftige (54 Prozent) waren von diesem Problem betroffen. Eine effektive Vernetzung im Gesundheitswesen wird von den Befragten als entscheidend erachtet, um die knappen Ressourcen des Gesundheitssystems optimal zu nutzen.

Die Vorständin der SBK, Dr. Gertrud Demmler, betont die angespannte Lage im Gesundheitswesen und die Notwendigkeit weitreichender Reformen. Sie unterstreicht die Bedeutung der Erfahrungen der Versicherten bei der Messung der Qualität der Gesundheitsversorgung und fordert eine stärkere Ausrichtung auf Prävention, um die Ressourcen nachhaltig zu schonen.

Die SBK stellt zudem konkrete Vorschläge für ein nachhaltigeres Gesundheitswesen vor. Zum einen soll der Fokus von einer mengenbasierten auf eine qualitätsbasierte Verteilung von Ressourcen umgestellt werden. Therapien mit langfristigem Nutzen für die Patienten sollen bevorzugt werden. Eine transparente Messung der Qualität über die Erfahrungen der Versicherten soll dies ermöglichen. Zum anderen plädiert die SBK für ein stärker auf Prävention ausgerichtetes Gesundheitswesen, um Krankheiten frühzeitig zu verhindern und die Ressourcen effizienter einzusetzen.

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