Eine Brücke zwischen Praxis und Patient „Unser Leitbild sind aufgeklärte mündige Patientinnen und Patienten“

Von Nicola Hauptmann 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Patienten, die Fragen haben und viel Zeit im Wartezimmer verbringen, auf der einen, Praxiskräfte in Zeitnot auf der anderen Seite: Mit digitalen multimedialen Informationen will „TV-Wartezimmer“ beiden Seiten helfen. Wir haben mit Geschäftsführer Christian-Georg Siebke über die Herausforderungen, mündige Patienten und ein neues Selbstverständnis der Praxen gesprochen.

Christian-Georg Siebke, Geschäftsführer bei TV-Wartezimmer.(Bild:  © TV-Wartezimmer)
Christian-Georg Siebke, Geschäftsführer bei TV-Wartezimmer.
(Bild: © TV-Wartezimmer)

News zu digitalen Gesundheitsleistungen kommen in letzter Zeit aus unerwarteter Richtung – Hautscreens in der Drogerie oder Videosprechstunden im Supermarkt. In den Arztpraxen dagegen läuft vieles noch papiergebunden: Aushänge, Patienteninformationen zu bestimmten Untersuchungen, Anmeldeformulare – während gleichzeitig Online-Terminbuchungen über externe Plattformen in vielen Praxen schon zum Alltag gehören. Wohin also geht die Reise?

„Ich denke, dass Digitalisierung in der Praxis ganz stark von der Integration und Verzahnung verschiedener Einzellösungen jeweils spezialisierter Anbieter geprägt sein wird“, sagt Christian-Georg Siebke, Geschäftsführer von „TV-Wartezimmer“. Auch das Angebot seines Unternehmens zur multimedialen Patientenaufklärung sieht er „als Teil einer zukünftig immer stärker digitalisierten Versorgungskette innerhalb der Praxis und auch innerhalb von Kliniken“.

Bildergalerie

Aufruf per Monitor

Das Patientenaufrufsystem etwa soll noch tiefer in die Praxissysteme eingebunden werden, u. a. über eine Anbindung an die GDT (Geräte-Daten-Transfer)-Schnittstelle. „Immer mehr Praxisverwaltungssysteme verfügen bereits über virtuelle Wartezonen, wo auch schon Räume zugewiesen, optimale Auslastung und Workflows geplant werden. Hier kann das Patientenaufrufsystem als ein Baustein integriert werden“, erläutert Siebke. Der Aufruf könne dann direkt aus dem Patientenverwaltungssystem über eine digitale Anzeige auf dem Bildschirm im Wartezimmer, ggf. auch durch ein Tonsignal ausgespielt werden, grundsätzlich sei auch die Einbindung einer zusätzlichen Audio-Ausgabe möglich. Die Mitarbeitenden in der Praxis müssen dann also nicht mehr ihre Arbeit unterbrechen, um Patienten aufzurufen. Und anstatt Informationen zu Praxisorganisation und aktuellen Änderungen auf Zettel zu schreiben, Rückfragen zu beantworten und alles mehrfach erklären zu müssen, können sie diese Informationen direkt ins System einpflegen (oder über den Service-Desk einpflegen lassen).

Das Team zählt

Mit den Monitoren in den Wartezimmern soll aber über diese reinen Informationen hinaus noch mehr transportiert werden: Jede Praxis pflege eine eigene Identität, ob das eine große, hochmoderne und durchdesignte Innenstadtpraxis sei „oder eine gemütliche Nachbarschaftspraxis, wo man schon in zweiter Generation Familienangehörige behandelt – das sind alles Identitäten, die es wert sind, formuliert, kommuniziert zu werden.“ Mit der Praxispräsentation wolle man „eine Bühne bieten, um die Mission, die Werte und das Team vorzustellen“, erklärt der Geschäftsführer.

„Team“ ist dabei das Schlüsselwort, denn längst geht es „beim Arzt“ nicht mehr nur um ärztliche Leistungen: „Die Praxen begreifen sich heute ganz klar als Team, die Rolle der MFAs ist sehr viel wichtiger geworden, da gibt es einen wirklichen Mindsetwechsel bei allen Beteiligten“, weiß Siebke.

Leitbild: mündige Patienten

Aber auch die Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten verändert sich. Deren Informationsstand ist ein ganz anderer als früher: Mit Wearables, Tracking- und Gesundheits-Apps oder Testkits können sie sich nicht nur ein Bild vom eigenen Gesundheitszustand machen; auch zu Krankheitssymptomen und möglichen Therapien finden sie per KI oder Google schnelle Antworten. Das ersetzt keinesfalls ärztlichen Rat (die Antworten könnten auch falsch sein), verändert aber die Gespräche: Informierte Patienten stellen andere Fragen. Bei TV-Wartezimmer ist man sich dessen bewusst. „Unser Leitbild sind aufgeklärte mündige Patientinnen und Patienten“, erklärt Christian-Georg Siebke. Diese wolle man darin bestärken „sich selbstständig im Gesundheitssystem zu bewegen und zu informieren – im Wartezimmer der Arztpraxis als einem ‚Point of Trust‘.“ Denn genau hier verbringen Patienten beim Praxisbesuch oft die meiste Zeit. Und die lässt sich sinnvoll nutzen für vertrauenswürdige Informationen. TV-Wartezimmer hat dafür über 950 Filme zu medizinischen Themen produziert, geprüft und zertifiziert durch medizinische Verbände, Expertinnen und Experten und Ärztekammern. „Die Patientinnen und Patienten erhalten diese Informationen in einer verständlichen Sprache, in einer Form, die sie respektiert und ernst nimmt“, so Siebke.

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Auch individuellere Formate sollen möglich sein. Künftig sei denkbar, so Siebke, dass die Praxen „als Precare bereits bei Terminbuchung ihren Patientinnen und Patienten ein kurzes Video zur Vorbereitung zusenden. Als Aftercare könnten im Anschluss an den Termin automatisch verschickte Erklärfilme beispielsweise zur Medikamenteneinnahme die Compliance fördern.“

Die ePA erklären

Aber wie steht es um allgemeine Informationen zum Gesundheitswesen – aktuell etwa zur elektronischen Patientenakte? Dafür gibt es mit dem „Patienten-ABC“ ein eigenes Format und in diesem Rahmen auch bereits einen Erklärfilm zur ePA. „Wir versuchen auch immer die gesellschaftliche Entwicklung zu reflektieren“, erklärt Christian-Georg Siebke, man wolle patientengerecht, neutral und wissenschaftspositiv aufklären. „Ich erwarte, dass die Strukturveränderungen, die jetzt gerade gesundheitspolitisch diskutiert werden, nochmal einen erhöhten Kommunikationsbedarf nach sich ziehen werden. Hier verstehen wir uns als Brücke zwischen Praxis und Patient.“

(ID:50637773)