Interoperabilitätsplattformen und Gesundheitscloud Vernetzt in die Zukunft: Projekte der Länder

Von Nicola Hauptmann 5 min Lesedauer

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Eine Gesundheitscloud für Forschung und Versorgung, landesweite Interoperabilitätsplattformen statt vieler Einzellösungen: In den aktuellen Projekten mehrerer Bundesländer zeichnet sich schon ab, wie das Gesundheitssystem von morgen aussehen kann.

In den Kooperationsprojekten der Kliniken hat es sich bewährt, zunächst konkrete Anwendungsfälle zu definieren wie etwa „Smart in die Geriatrie“ (Berlin) oder die Bildung eines radiologischen Netzwerkes in Hamburg.(©  elenabsl – stock.adobe.com)
In den Kooperationsprojekten der Kliniken hat es sich bewährt, zunächst konkrete Anwendungsfälle zu definieren wie etwa „Smart in die Geriatrie“ (Berlin) oder die Bildung eines radiologischen Netzwerkes in Hamburg.
(© elenabsl – stock.adobe.com)

Für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung braucht es Vernetzung über Klinik- und Sektorengrenzen hinweg. Unter diesem Aspekt erscheint es sinnvoll, statt vieler Einzellösungen gleich gemeinsame Plattformen zu planen. Bei Aufbau und Betrieb der nötigen Strukturen lassen sich zudem Ressourcen bündeln und Mittel effizienter nutzen, das zeigen Projekte in mehreren Bundesländern.

Zuletzt hat Baden-Württemberg mit einer Ankündigung auf sich aufmerksam gemacht: Im Februar gab das Kabinett grünes Licht für den Aufbau einer landesweiten Plattform für Gesundheitsdaten. MEDI:CUS ist ein Großprojekt mit vielen Stakeholdern, allein fünf Landesministerien sind beteiligt. Mit dem Projektziel „Effektive Daten- und IT-Nutzung für eine Spitzenmedizin in Versorgung und Forschung“ sind hohe Erwartungen verknüpft: bessere Gesundheitsversorgung, schneller und sicherer Austausch von Forschungs- und Versorgungsdaten zwischen Spitzenmedizin und Krankenhäusern sowie attraktive Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden sollen erreicht werden.

Entsprechend lang ist die Liste möglicher Use Cases: Neben typischen Anwendungen wie Tumorboards, Telekonsilen oder dem Austausch von Gesundheitsdaten über die Plattform gehören dazu auch ein vernetztes, KI-basiertes Frühwarnsystem, ein Online-Portal und/oder Rahmenverträge für den Bezug von Krankenhausanwendungen und IT-Hardware und eine Weiterbildungsplattform. Die Plattform-Infrastruktur soll zudem auch als schnell nutzbarer Service für Speicherplatz und Rechenkapazität verfügbar sein. Ein ambitionierter Plan also – aber noch ein langer Weg. Zunächst stehen der Aufbau der Projektstruktur, „die fachliche und technische Ausdetaillierung der Basisinfrastruktur und initialer Fachdienste sowie die Suche nach Implementierungspartnern“ an, wie es aus dem Innenministerium heißt. Ab 2025 soll dann die Basisinfrastruktur implementiert werden und somit initiale Fachdienste in ersten Kliniken genutzt werden können.

Das Berliner Modell

In Berlin begann die Vernetzung der Krankenhäuser mit der digitalen Kooperation der Charité und der Vivantes GmbH. In einem ersten Projekt von 2019 bis 2021 wurde zunächst der digitale Austausch von Behandlungsdokumenten etabliert, in einem Anschlussprojekt dann auch der Austausch von strukturierten Daten wie Laborwerten und Vitaldaten. Die Datenhaltung ist dezentral, die Einwilligung der Patienten wird eingeholt. Aus diesem Projekt heraus entstand die Idee, die Kooperation für weitere Träger zu öffnen. Charité und Vivantes initiierten dafür Ende März 2023 ein Symposium zur digitalen Vernetzung der Berliner Kliniken, unter Schirmherrschaft der damaligen Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung und der Berliner Krankenhausgesellschaft. Dabei wurden technische und rechtliche Fragen geklärt und bereits die ersten klinischen Use Cases definiert: Die Verlegung aus und zwischen Rettungsstellen, Patientenfallkonferenzen und „Smart in die Geriatrie“. Die Resonanz war groß: Inzwischen umfasst das Projekt „Digitale Gesundheitsregion Berlin/Brandenburg bereits 15 Träger, das entspricht fast 90 Prozent der Krankenhausbetten in Berlin. „Im laufenden Projekt erarbeiten wir derzeit das technische und fachliche Konzept, um sukzessive die weiteren Träger anzubinden und dann die Anwendungsfälle, auf die man sich im ersten Schritt verständigt hat, zu modellieren“, erläutert Nils Alwardt, Ressortleiter IT & Digitalisierung und Prokurist der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH. So solle etwa im Use Case „Smart in die Geriatrie“ gemeinsam mit den betroffenen Abteilungen konzeptioniert werden, wie ein Überleitungssatz von der Akutversorgung in die Geriatrie aussehen soll.

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