Digitale Forschung Was Healthcare-Entscheider digitalpolitisch ändern würden

Von Stephan Augsten 4 min Lesedauer

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Deutsche Unternehmen hinken hinsichtlich der Forschung und Entwicklung digitaler Technologien laut einer Analyse von KfW Research hinterher. Einige Entscheiderinnen und Entscheider aus dem E-Health-Bereich haben sich nun dazu geäußert, welche Hebel sie digitalpolitisch in Bewegung setzen würden.

Wie könnte sich Deutschland besser aufstellen, um bei der Erforschung digitaler Technologien – insbesondere im Healthcare-Bereich – zu  führenden Ländern aufzuschließen?(©  MQ-Illustrations – stock.adobe.com)
Wie könnte sich Deutschland besser aufstellen, um bei der Erforschung digitaler Technologien – insbesondere im Healthcare-Bereich – zu führenden Ländern aufzuschließen?
(© MQ-Illustrations – stock.adobe.com)

Nicht weniger als ein „Wegweiser für den digitalen Aufbruch“ soll die Digitalstrategie für Deutschland sein. Doch KfW Research hat im Bericht „Deutschlands Position bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich“ mehrere Hindernisse identifiziert, von denen sich ein paar nur digitalpolitisch lösen lassen. Die Qualität der Internetverbindungen wird neben den Datenschutz- und -sicherheitsanforderungen explizit angesprochen. Weitere Hemmnisse in den Unternehmen seien der Fachkräftemangel und mangelnde Digitalkenntnisse, technische, organisatorische und kulturelle Herausforderungen sowie letzten Endes die Finanzierung.

In Deutschland wurden im Jahr 2022 etwa 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Informationstechnologie investiert. In Ländern wie den USA, Frankreich oder der Schweiz wird laut der Studie das Doppelte bis Dreifache ausgegeben. Gleichzeitig liege Deutschland bei der Erforschung digitaler Technologien hinter anderen Ländern zurück, heißt es darin. Hierfür zieht der Report die wissenschaftlichen Publikationen sowie Patentanmeldungen heran, wobei Deutschland im internationalen Vergleich nicht einmal schlecht dasteht. Augenfällig ist aber ein besonders großer Abstand zu den USA und China bei den Publikationen, die beinahe 6- bzw. 4-mal so viele wissenschaftliche Untersuchungen zu Digitaltechnologien veröffentlichen.

Dies ist sicherlich nicht allein, aber auch auf Fehlentscheidungen, Versäumnisse und mangelnde Investitionen in der Digitalpolitik zurückzuführen. Wie könnte sich Deutschland besser aufstellen, um bei der Erforschung digitaler Technologien – insbesondere im Healthcare-Bereich – zu den führenden Ländern aufzuschließen? Mehrere Entscheiderinnen und Entscheider aus der E-Health-Branche haben sich dazu geäußert, was sie tun würden, wenn sie für die Digitalpolitik zuständig wären. Die Statements haben wir hier im Wortlaut zusammengetragen.

Daniel Kämmerer(Bild:  Mediform)
Daniel Kämmerer
(Bild: Mediform)

Daniel Kämmerer, CPO Mediform: „Die Ergebnisse der Studie fordern die Digitalpolitik zum Handeln auf: Kurzfristige Pflaster sind keine Lösung. Ziel muss es sein, den IT-Standort Deutschland langfristig zu stärken – für bestehende Industrien und neue Akteure. Dabei müssen wir uns eingestehen, dass dieser Wandel Zeit braucht, ähnlich wie die Sanierung maroder Brücken in Deutschland.

Konkret sehe ich die Stärkung der Grundlagen- und Hochschulforschung als Schlüssel, um die Basis für digitale Innovationen zu schaffen. Entscheidend ist auch die Förderung von IT-Start-ups. Hier müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit ausgewählte Technologien in Deutschland bleiben und damit wiederum den Wirtschaftsstandort stärken.“

Andrea Buzzi(Bild:  The Medical Network)
Andrea Buzzi
(Bild: The Medical Network)

Andrea Buzzi, Gründerin von The Medical Network: „Ein entscheidender Schritt für die digitale Transformation Deutschlands ist aus meiner Sicht die Erweiterung der BundID zu einem umfassenden digitalen Identifikationssystem. So entsteht eine einheitliche und sektorenübergreifende Lösung, die zum Beispiel auch die elektronische Patientenakte integriert. Wir sollten uns ein Beispiel an Estland nehmen, wo das schon lange funktioniert.

Gleichzeitig brauchen wir in der Politik mehr Expertise aus der Praxis. Fachleute aus der freien Wirtschaft sorgen mit ihrem technologischen Know-how und ihrer Umsetzungserfahrung für eine bessere Verzahnung von Politik und Wirtschaft sowie für einen Schub in der staatlichen Förderung digitaler Innovationen.“

Dirk Wolters(Bild:  NeTec)
Dirk Wolters
(Bild: NeTec)

Dirk Wolters, Geschäftsführer NeTec: „IT ist längst nicht mehr nur ein Kostenfaktor, sondern ein entscheidender Treiber für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Wir müssen diesen Paradigmenwechsel in den Köpfen aller Entscheidungsträger verankern, deshalb mein konkreter Vorschlag: verbindliche IT-Mindestbudgets für Unternehmen einführen und Informationssicherheit zur Pflichtaufgabe machen. Das würde nicht nur die notwendigen Investitionen sicherstellen, sondern auch ein klares Signal senden: IT ist Chefsache und Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolgs.

Um diese Transformation zu unterstützen, sehe ich es als wichtige Aufgabe, kreative und praktikable Refinanzierungsmöglichkeiten für IT-Investitionen zu entwickeln. Zudem halte ich es für unerlässlich, in jeder Unternehmensführung einen Digitalisierungsverantwortlichen zu etablieren. Es liegt also in unserer Verantwortung, die Weichen für eine zukunftsfähige Wirtschaft zu stellen und dadurch langfristig Wohlstand und Innovationskraft zu sichern.“

Markus C. Müller(Bild:  Nui Care)
Markus C. Müller
(Bild: Nui Care)

Markus C. Müller, Co-Founder und CEO Nui Care: „Als Verantwortlicher für die Digitalpolitik in Deutschland würde ich mich dafür einsetzen, Digitalisierungsvorhaben im Gesundheitssektor deutlich zu beschleunigen. Wir müssen Innovationen offener begegnen und mehr Mut auf Seiten des Gesetzgebers und im politischen System zeigen.

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Die Digitalisierung ist für die Zukunftsfähigkeit unseres Gesundheitssystems unerlässlich. Denn die steigenden Kosten – insbesondere in der Pflege – und der demografische Wandel lassen sich ohne den Einsatz digitaler Lösungen nicht bewältigen. Es gilt, die Skalierungseffekte von Software konsequent zu nutzen – von den Krankenversicherungen bis hin zu Kliniken, Praxen, Pflegeheimen und ambulanten Diensten.

Projekte wie die elektronische Patientenakte (ePA) oder digitale Pflegeanwendungen (DiPA) zeigen, wie langsam Digitalisierungsvorhaben im komplexen Geflecht von Zuständigkeiten und Regularien umgesetzt werden. Dies hemmt den dringend nötigen Innovationsschub. Daher wäre es mein Ziel, Digitalisierung im Gesundheitswesen zur Priorität zu machen und alle Beteiligten für eine beschleunigte Umsetzung zu gewinnen.“

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