Digital Health Summit 10 Forderungen für erfolgreiche Digitalisierung erarbeitet

Von Stephan Augsten 3 min Lesedauer

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Wie lässt sich die Digitale Transformation im Gesundheitswesen erfolgreich gestalten? Diese Frage wurde auf dem zweiten Digital Health Summit in Brandenburg an der Havel diskutiert. Ergebnis war ein Zehn-Punkte-Plan mit Forderungen an die deutsche Politik.

Prof. Hendrik Borgmann ist einer der Leiter des Digital Health Summit. Er ist überzeugt: Die Zukunft der Medizin ist digital!(Bild:  www.stefan-specht.de / Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel)
Prof. Hendrik Borgmann ist einer der Leiter des Digital Health Summit. Er ist überzeugt: Die Zukunft der Medizin ist digital!
(Bild: www.stefan-specht.de / Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel)

Künstliche Intelligenz, Telemedizin, Augmented/Virtual/Mixed Reality und Gesundheits-Apps: Mit diesen vier Kernthemen befasste sich der zweite Digital Health Summit. Über 100 forschende Ärztinnen und Ärzte aus 20 deutschen Universitätskliniken hatten sich in Brandenburg an der Havel eingefunden, um über die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu diskutieren.

Auf der Veranstaltung unter der Leitung des Universitätsklinikums Brandenburg (UKB) hatten Forscherinnen und Forscher die Gelegenheit, ihre Arbeiten und Visionen zu verschiedenen Bereichen der digitalen Gesundheit vorzustellen. Prof. Hendrik Borgmann, Klinikdirektor für Urologie am UKB und einer der beiden wissenschaftlichen Leiter der Konferenz, zeigte sich zufrieden mit dem Austausch. Er hob das Potenzial der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen hervor und verwies hierfür auf eine McKinsey-Studie, laut der sich jährlich 42 Milliarden Euro einsparen ließen, die dann an anderer Stelle zum Wohle der Patientinnen und Patienten investiert werden könnten.

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher, Schirmherrin des Summit, betonte ebenfalls die Bedeutung der Digitalisierung: „Die Zukunft der medizinischen Versorgung wird durch die digitale Transformation mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz entscheidend beeinflusst.“ Nonnemacher erwähnte auch die Möglichkeit, analog zu einer Einrichtung im US-amerikanischen Kalifornien ein Zentrum für KI-basierte Medizin in Brandenburg aufzubauen.

Als Ergebnis des Gipfels wurde ein 10-Punkte-Plan entwickelt, der sich an die deutsche Politik richten. Die darin gestellten Forderungen im Wortlaut:

  • 1. Etablierung klarer Verantwortlichkeiten: Es besteht die medizinische Notwendigkeit, dass die Verantwortung für Diagnostik, Diagnosestellung und Therapie, auch bei der Verwendung KI-gestützter Systeme, zu jeder Zeit den behandelnden Ärzten unterliegt.
  • 2. Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit: Digitale Gesundheitslösungen sollten von Grund auf in interdisziplinärer und kollaborativer Zusammenarbeit konzipiert und entwickelt werden. Dazu gehören unter anderem medizinische Leistungserbringer, Medizintechnik und Pharmaindustrie, digitale Medienpräsenz, Patientenvertreter sowie Experten aus den Bereichen Ethik und Recht.
  • 3. Ausbau von Bildungs- und Weiterbildungsprogrammen: Die strukturierte Aus- und Weiterbildung zur Kompetenzsteigerung von medizinischem Personal im Umgang mit digitalen Gesundheitslösungen sollte gefördert werden, um deren Akzeptanz und Einsatz zu erhöhen.
  • 4. Finanzierung und Vergütung digitaler Gesundheitslösungen: Evidenzbasierte digitale Gesundheitslösungen (aus den Bereichen KI, Telemedizin, Extended Realities, Gesundheits-Apps) müssen finanziert werden und klare Abrechnungsziffern (EBM, GOÄ, etc.) erhalten.
  • 5. Integration von Gesundheits-Apps zur umfassenden Gesundheitsförderung: Gesundheits-Apps sollten nicht nur zur Therapie von Krankheiten bzw. deren Symptomen, sondern auch zur Prävention, Früherkennung und allgemein zur Förderung von gesundheitsförderndem Verhalten eingesetzt werden.
  • 6. Förderprogramme und Ausschreibungen zur Unterstützung digitaler Gesundheitslösungen: Zur Etablierung von digitalen Gesundheitslösungen bedarf es klar definierter Förderprogramme und Ausschreibungen zur Entwicklung, Integration und Evaluation im Rahmen klinischer Studien und präklinischer Forschung.
  • 7. Anwendung telemedizinischer Konzepte zur Vermeidung von Mangelversorgung: Vor dem Hintergrund einer drohenden Mangelversorgung im deutschen Gesundheitswesen ist es zwingend notwendig, synchrone und asynchrone telemedizinische Konzepte anzuwenden, die bisherige Behandlungsprinzipien ergänzen und weiterentwickeln.
  • 8. Bewältigung rechtlicher und struktureller Herausforderungen: Für die nationale klinische Anwendung von KI-basierten Assistenzsystemen stellen die rechtlichen Verwaltungsstrukturen des Föderalismus eine komplexe politische-strukturelle Herausforderung dar. Dies betrifft insbesondere die Umsetzung von Datenschutzvorgaben, Informationssicherheit sowie die noch sehr heterogenen Digitalisierungsstandards.
  • 9. Schaffung struktureller Voraussetzungen für die klinische Anwendung von KI: Trotz rasanter wissenschaftlicher Weiterentwicklung von KI-Modellen und der Erweiterung der Anwendungsgebiete fehlen in Deutschland und europaweit derzeit wesentliche strukturelle Voraussetzungen, um die klinische Anwendung zu ermöglichen (technische, organisatorische, wirtschaftliche und regulatorische Voraussetzungen sowie Akzeptanz- und Ausbildungsbarrieren).
  • 10. Zukunftspotenzial von KI-Systemen in der Therapieoptimierung: KI-Systeme könnten zukünftig personalisierte und präzise Therapieempfehlungen liefern, die die Behandlungsergebnisse erheblich verbessern könnten.

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