Künstliche Intelligenz KI-Agenten für den Healthcare-Bereich

Von Susanne Ehneß 3 min Lesedauer

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Die nächste Evolutionsstufe künstlicher Intelligenz schwappt in den Gesundheitssektor. KI-Assistenten sollen bei Routineaufgaben – wie Dokumentation, Planung, Budgetierung, Berichterstattung, Koordinierung – entlasten und die Produktivität erhöhen.

Bis zu 30 Prozent der derzeitigen Verwaltungsarbeit im Gesundheits- und Sozialwesen können durch KI und KI-Agenten automatisiert werden.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Bis zu 30 Prozent der derzeitigen Verwaltungsarbeit im Gesundheits- und Sozialwesen können durch KI und KI-Agenten automatisiert werden.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Künstliche Intelligenz ist im Gesundheitswesen längst angekommen, sei es in der Diagnostik, in der Verwaltung oder als Unterstützung bei Operationen und Dokumentationen. Mit dem Thema KI-Agenten geht es nun einen Schritt weiter, die Entscheidungskompetenz künstlicher Intelligenz erreicht hier eine höhere Stufe. Wie das aussehen kann, erläutern Oracle Health, Fraunhofer IAIS und Solita Health.

„Im Gesundheits- und Sozialwesen ist der potenzielle Nutzen von KI enorm. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass bis zu 30 Prozent der derzeitigen Verwaltungsarbeit automatisiert werden könnten“, sagt Sanna Virkkunen, verantwortlich für Kunden aus dem Wohlfahrtsbereich bei Solita Health. „Das verbessert die Servicequalität und schafft mehr Raum für Fachkräfte, sich auf solche Aufgaben zu konzentrieren, die sich nicht automatisieren lassen.“ Das Unternehmen Solita Health, das selbst auch KI-Agenten entwickelt und aktuell eine KI-Agentenbibliothek vorgestellt hat, sieht den Einsatz der digitalen Assistenten vor allem bei folgenden Aufgaben:

  • Orchestrierung: Einzelne Agenten steuern ganze Prozesse, wie beispielsweise Planungsprozesse, die Strukturierung von Entwicklungsbedarf oder die Erstellung von Kosten-Nutzen-Analysen.
  • Fundiertere Entscheidungsfindung: Agenten machen Entscheidungsprozesse nachvollziehbar, indem sie historische Informationen einbeziehen und Widersprüche aufzeigen.
  • Kontextbewusstsein: Agenten agieren nicht isoliert; sondern knüpfen nach und nach immer engere Verbindungen zu den kundeneigenen Daten und Betriebsmodellen.

Risto Kaikkonen, Direktor von Solita Health, erläutert: „Die Agenten lassen repetitive Aufgaben zwar nicht verschwinden, aber reduzieren unnötige mechanische Belastungen. Wenn administrative, sich wiederholende Aufgaben keine unnötige kognitive Belastung mehr darstellen, verlagert sich die Aufmerksamkeit von der Berichterstattung über die Vergangenheit hin zur Konzentration auf die Menschen sowie zur Steuerung und Innovation für die Zukunft.“

Weniger Reibungsverluste zwischen Kostenträgern und Anbietern

Auch bei Oracle Health sind KI-Agenten ein Thema, vor allem im Zusammenspiel von Kostenträgern und Leistungserbringern:

  • Vorabgenehmigung: Den Bedarf einer Vorabgenehmigung ermitteln, die Dokumentationsanforderungen abrufen, Informationen zur Überprüfung automatisch vorab ausfüllen und den Antrag auf Vorabgenehmigung digital an die Kostenträger senden. Dies hat das Potenzial, die Faxe, Anfragen nach weiteren Informationen und die Nachverfolgung von Telefonanrufen zu eliminieren.
  • Bestimmung der Anspruchsberechtigung und Deckung: Anspruchsberechtigungsinformationen ermitteln und gleichzeitig detaillierte Deckungsinformationen abrufen, die erforderlich sind, um den Patienten am Ort der Leistungserbringung volle Preistransparenz zu bieten und „überraschende Abrechnungen“ zu vermeiden.
  • Medizinische Codierung: Parallel zu einem Dokumentationsagenten, um autonom alle medizinischen Codes – Zustandscodes, Diagnose- und DRG-Codes – für alle Arten von klinischen Umgebungen zu generieren. Autonome Erstattungsagenten sind so konzipiert, dass sie nach Möglichkeit zahlerspezifische Codes und Modifikatoren hinzufügen.
  • Schadenbearbeitung: Genaue Erfassung von Gebühren und Unterstützung einer konformen Einreichung von Ansprüchen.

„Oracle Health arbeitet daran, langjährige Probleme im Gesundheitswesen mit KI-gestützten Lösungen zu meistern, die die Zusammenarbeit zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern vereinfachen“, sagt Seema Verma, Executive Vice President und General Manager von Oracle Health and Life Sciences. Die Angebote sollen dazu beitragen, „die administrative Komplexität und den Aufwand zu minimieren, um die Genauigkeit zu verbessern und die Kosten für beide Seiten zu senken“.

Arztbriefe als Einsatzgebiet für KI-Agenten

„Angesichts der steigenden Anforderungen im Gesundheitswesen können KI-Agenten immer wichtigere Aufgaben übernehmen“, sagt Dario Antweiler, Teamleiter Healthcare Analytics am Fraunhofer IAIS. KI-Agenten könnten medizinische Diagnosen, Therapieoptionen oder Forschungsstrategien iterativ entwickeln und optimieren, anstatt lediglich statische Empfehlungen auszugeben. „Anders als LLMs besitzen KI-Agenten zudem ein Langzeitgedächtnis und können zum Beispiel patientenspezifische Daten langfristig erfassen und personalisierte Empfehlungen geben. Darüber hinaus verfügen sie über Werkzeuge, um auf externes Wissen zuzugreifen“, erläutert Antweiler.

Ein Beispiel: Arztbriefe. Laut Antweiler werden jährlich rund 150 Millionen Entlassbriefe geschrieben, KI-Agenten diese Aufgabe in Zukunft übernehmen – „von der Informationsanalyse des Patientenaufenthalts über die Datenextrahierung aus externen Quellen bis hin zur Nutzung eines Codierungswerkzeugs, um passende ICD- und OPS-Codes zu generieren, die der Strukturierung und einheitlichen Benennung medizinischer Diagnose und Behandlungen dienen“. Ein KI-Agent sei zudem in der Lage, den finalen Arztbrief zu exportieren und den Patienten sowie den nachbehandelnden Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen. Weitere Einsatzbeispiele für KI-Agenten liegen laut Antweiler in der Entscheidungsunterstützung in der Diagnose und Therapie, aber auch im Medikationsmanagement. Ein Whitepaper von Fraunhofer zum Thema „Healthcare Agents im Einsatz: Die nächste Generation der medizinischen KI-Assistenz“ kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

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