Forschungsprojekt „DEKODE“ Zwei Millionen Euro für Therapietreue bei Gesundheits-Apps

Von Stephan Augsten 2 min Lesedauer

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Digitale Therapietreue entschlüsselt: Ab 2026 untersucht das Forschungsprojekt „DEKODE“ systematisch, welche Faktoren dafür sorgen, dass Patienten Gesundheits-Apps langfristig nutzen. Ein Konsortium um das Hasso-Plattner-Institut entwickelt hierfür ein evidenzbasiertes Toolkit für bessere Adhärenz in der digitalen Versorgung.

Gesundheitsökonomin Prof. Ariel Dora Stern vom HPI erhofft sich vom Forschungsprojekt „DEKODE“, dass Digital-Health-Angebote in Zukunft noch besser angenommen werden.(Bild: ©  HPI)
Gesundheitsökonomin Prof. Ariel Dora Stern vom HPI erhofft sich vom Forschungsprojekt „DEKODE“, dass Digital-Health-Angebote in Zukunft noch besser angenommen werden.
(Bild: © HPI)

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen steht vor einem zentralen Problem: Trotz wachsender Verfügbarkeit digitaler Versorgungsangebote nutzen viele Patienten diese nicht konsequent oder brechen die Anwendung vorzeitig ab. Das Forschungsprojekt „DEKODE“ will diese Lücke schließen und ab 2026 systematisch untersuchen, welche Faktoren die Therapietreue bei digitalen Gesundheitslösungen beeinflussen.

Das Kernproblem liegt den Initiatoren zufolge in der mangelhaften Datenlage zur tatsächlichen Nutzung digitaler Gesundheitsanwendungen. Gängige Metriken wie Download-Zahlen oder eingelöste Aktivierungscodes mäßen demnach lediglich die Oberflächennutzung. Sie gäben jedoch keine Auskunft über die tatsächliche Anwendung und die langfristige Wirkung, also den therapeutischen Erfolg. Das Forschungsteam will diese Erkenntnislücke durch eine datenbasierte Analyse schließen.

Projektleiterin Prof. Ariel Dora Stern vom Fachgebiet „Digital Health, Economics & Policy“ an der gemeinsamen Digital Engineering Fakultät des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) und der Universität Potsdam führt ein interdisziplinäres Konsortium an. Partner sind das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim, die Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Anbieter Vivira Health Lab GmbH und die Techniker Krankenkasse. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss fördert das Vorhaben über drei Jahre hinweg mit rund zwei Millionen Euro.

Oberflächliche Metriken reichen nicht aus

Die Studie basiert auf klinischen Daten und Versichertendaten von Nutzern digitaler Versorgungsangebote. Zusätzlich fließen Befragungen und Interviews von Patienten sowie Fachpersonal in die Auswertung ein. Dabei werden alle personenbezogenen Daten streng nach den Vorschriften der Datenschutz-Grundverordnung und der Digitale-Gesundheitsanwendungen-Verordnung verarbeitet.

Prof. Stern betont die Bedeutung des Projekts für alle Akteure im Gesundheitswesen: „Die konsequente Mitwirkung bei digitalen Versorgungsangeboten ist ein entscheidender Erfolgsfaktor – für Patientinnen und Patienten, die ihre Gesundheitsergebnisse und Lebensqualität verbessern wollen. Für Healthcare Professionals, die wirksame, patientenzentrierte Behandlungen ermöglichen möchten. Für Hersteller digitaler Angebote, die auf die richtige und effektivste Anwendung ihrer Produkte angewiesen sind. Und für Krankenkassen, die langfristig auf stabile Gesundheitssysteme setzen.“

Präzise Messung statt Schätzungen

Prof. Dr. Simon Reif, Leiter der Forschungsgruppe „Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik“ am ZEW, hebt den wirtschaftlichen Aspekt hervor: „Adhärenz zur Therapie ist nicht nur für den Behandlungserfolg essentiell – sie hat auch eine große wirtschaftliche Bedeutung, denn für das Gesundheitssystem fallen Kosten ohne Nutzen an bei Patientinnen und Patienten, die nicht adhärent sind.“ Während bei Medikamenten nur Schätzungen über ungenutzte Präparate möglich seien, böten digitale Gesundheitslösungen die Möglichkeit, Adhärenz präzise zu messen.

Das Ziel des Projekts ist die evidenzbasierte Entwicklung eines Toolkits, das Mitwirkungsfaktoren identifiziert und Strategien zur Verbesserung der Therapietreue aufzeigt. Daraus will das Forschungsteam praktische Empfehlungen für Politik und medizinische Praxis im Bereich Digital Health ableiten. Die systematische und datenbasierte Untersuchung der vielfältigen Einflussfaktoren soll konkrete Handlungsempfehlungen für Versorger, Politik und Gesundheitswirtschaft ermöglichen.

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