Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen Wenn die KI den Arztbrief schreibt

Von Johannes Kapfer 4 min Lesedauer

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Das Thema KI war auf dem diesjährigen Hauptstadtkongress ­allgegenwärtig. Der innovative Einsatz von KI-basierten Tools soll insgesamt für Entlastung sorgen und zugleich Zeit schaffen. Zeit für Patienten und Leistungserbringer.

Auf dem Hauptstadtkongress versammelte sich Ende Juni das Who-is-Who des deutschsprachigen Gesundheitswesens.(©  Johannes Kapfer)
Auf dem Hauptstadtkongress versammelte sich Ende Juni das Who-is-Who des deutschsprachigen Gesundheitswesens.
(© Johannes Kapfer)

In diesem Jahr werden die Kinder des geburtenstärksten Jahrgangs 1964 sechzig Jahre alt. Damit wird der sogenannte „Gipfel der demographischen Welle“ spätestens zum Ende des Jahrzehnts das Renteneintrittsalter erreichen. In vielen Branchen wurde dieser Umstand lange Zeit stiefmütterlich behandelt. Schließlich schien 2030 eine Ewigkeit entfernt zu sein. Seit einiger Zeit merken insbesondere die Verantwortlichen des Gesundheitswesens die Auswirkungen der bevorstehenden Rentenwoge. Viele altgediente Fachkräfte mit verhältnismäßig hohen Lohnniveaus stehen einer deutlich geringeren Anzahl jungem Personal gegenüber. Die Anzahl der Patientinnen und Patienten hingegen wächst seit Jahren kontinuierlich. Dass das auf Dauer zu einem Versorgungsengpass führen wird, ist unumstritten. Breitgefächerte Werbemaßnahmen und Ausbildungsoffensiven konnten bisher nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen. Auch die Löhne im Healthcare Sector können die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten nicht ausgleichen. Dass der Fachkräftemangel grassiert, wäre eine maßlose Untertreibung.

Umso wichtiger ist es daher, dass einerseits das momentan existierende Wissen, die Erfahrung der bestehenden Personaldecke konserviert und diese andererseits unter Zuhilfnahme technischer Rafinessen möglichst entlastet wird. Der erste angesprochene Bereich wird bereits seit einiger Zeit unter verschiedener Nomenklatur umgesetzt. Seien es Fellowship- und Trainee-Programme, bei denen junge Fachkräfte erfahrene Mentoren zur Seite gestellt bekommen, oder der Aufbau einer haus- oder organisationsinternen Wissensdatenbank. Im Bereich der technischen Helferlein, die explizit für die medizinische Forschung konzipiert waren, gab es lange Zeit wenig Fortschritte zu vermelden. Das Aufkommen sowie das breite öffentliche Interesse an Künstlicher Intelligenz (KI) gegen Ende 2022 hat den großen wie kleinen Softwareschmieden Rückenwind verpasst. Der Megatrend KI ist momentan in aller Munde, und in wenig Bereichen ergeben Machine Learning und Co. derart Sinn wie im Gesundheitswesen.

Schließlich müssen hier jeder Schritt in mindestens dreifacher Ausführung protokolliert und rechtssicher abgeheftet, Schichtpläne um eine stets zu dünne Personaldecke herum geplant und Medikations- wie Therapiepläne einigermaßen leserlich verschriftlicht werden. Das alles kostet Zeit und ist insbesondere eines: ein Zeitfresser par excellence. Denn wenn ein Gut neben der Personalstärke besonders knapp bemessen ist, ist das die Zeit, die einer Patientin, einem Patienten individuell zugesprochen werden kann. Durch immer neue bürokratische Vorschriften sinkt diese individuelle Zeitspanne Jahr für Jahr, Quartal für Quartal. Leidtragende sind hier neben den Erkrankten insbesondere die Leistungserbringer.

Einer Studie zufolge beläuft sich die Büroarbeit – die Dokumentationspflicht, wie es so schön heißt – pro Tag auf etwas mehr als vierzig (!) Prozent der Arbeitszeit einer Pflegekraft. Monatlich fallen auf diese Art und Weise also zig Stunden an, die eine Pflegefachkraft nicht körpernah verbringt. Auf dem Hauptstadtkongress, der Ende Juni in Berlin stattfand, wurde das Thema Fachkräftemangel heiß diskutiert. Bei diversen Paneldiskussionen sprachen sich Klinikverantwortliche stark dafür aus, dass vonseiten der Politik für Entlastung des Pflegepersonals und der Ärzteschaft gesorgt wird.

Auf der nächsten Seite: Wie Technik das Gesundheitswesen entlasten kann.

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