Immer mehr Patienten nutzen KI-Tools für ihre Online-Recherche. Unternehmen aus dem Gesundheitswesen verschwinden so zunehmend aus den Suchergebnissen. Was können sie tun, um auch ohne Google weiter auffindbar zu sein?
Mit der Zunahme KI-gestützter Websuchen profitieren Anbieter, die ihre Inhalte an realen Patienten-Fragen und -bedürfnissen ausrichten.
Lange Zeit war klar, wie Sichtbarkeit im Netz entsteht: Wer in der Google-Suche weit oben ist, wird gefunden – und damit auch wahrgenommen. Doch diese Logik verändert sich gerade grundlegend. Immer mehr Menschen wenden sich direkt an KI-Systeme wie ChatGPT, Claude, Gemini, Mistral oder Perplexity, um Fragen zu stellen, Empfehlungen zu erhalten und Entscheidungen zu treffen.
Gerade im Gesundheitswesen führt das zu einem tiefgreifenden Kommunikationswandel: Schließlich informieren sich auch Patienten und Patientinnen hinsichtlich ihrer Symptome, geeigneter Therapien oder passender Versorgungspartner verstärkt über KI-gestützte Tools – schnell und bequem. Beispielsweise nutzt in den USA bereits jeder sechste Erwachsene mindestens einmal im Monat Chatbots für die persönliche Gesundheitsberatung. Ärztinnen und Ärzte, Kliniken, Pharma- und Healthcare-Unternehmen laufen so Gefahr, in der neuen digitalen Landschaft unsichtbar zu werden.
KI bevorzugt strukturierte und patientenorientierte Inhalte
Pharma- und Healthcare-Unternehmen lassen ihre Webseiten in der Regel suchmaschinenoptimiert gestalten, damit sie im Google-Ranking möglichst weit oben stehen. Jetzt sollten sie sich zusätzlich mit Generative Engine Optimization (GEO) auseinandersetzen. GEO als weiterentwickelte Form der Suchmaschinenoptimierung (SEO) konzentriert sich darauf, Inhalte für generative KI-Modelle zu optimieren und verwertbar zu machen. Unternehmen aus dem Gesundheitswesen sollten deshalb zunächst prüfen, ob ihre robots.txt-Dateien relevante Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity überhaupt zulassen. Denn sonst bleiben die Webseiten-Inhalte für die Large Language Models (LLMs) unsichtbar, da die Datei robots.txt darüber entscheidet, welche Bereiche der Webseite Suchmaschinen und KI-Systeme crawlen und indexieren dürfen.
Darüber hinaus gilt es, Inhalte auf der eigenen Homepage umfassend und gut strukturiert aufzubereiten, so dass sie direkt von den KI-Chatbots als Antworten oder Empfehlungen an Patienten weitergegeben werden können. Dazu gehören beispielsweise Formate wie Frage-Antwort-Passagen, Pro- und Contra-Listen und kompakte, aussagekräftige Zusammenfassungen. Kurzum: Wer Inhalte entlang realer Patienten-Fragen und -bedürfnisse aufbaut, profitiert. Ein Beispiel: Kliniken sollten ihre Website anstatt nach Leistungskategorien wie Rheumatologie, Urologie oder Pädiatrie lieber aus Patientensicht und nach entsprechenden Beschwerden wie Gelenkschmerzen oder Kinderheilkunde clustern.
Das führt zu einem weiteren wichtigen Punkt: Ärzte, Krankenhäuser, Pharma- und Healthcare-Unternehmen sollten eine klare, leicht verständliche Sprache auf ihren Webseiten verwenden und medizinischen Inhalten und Fachbegriffe erklären – genau das honorieren KI-Systeme. Content gilt es bestenfalls so aufzubereiten, dass er den EEAT-Kriterien (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness) entspricht. Aktualität, fachliche Tiefe, Expertenzitate, authentische Nutzerbewertungen und nachvollziehbare Quellen sorgen auch dafür, dass KI-Chatbots die Homepage-Inhalte als relevant und vertrauenswürdig einstufen.
Ergänzend spielen technische Aspekte eine Rolle – von schnellen Ladezeiten über korrekt eingesetzte Überschriften-Hierarchien bis hin zu strukturierten Daten (zum Beispiel nach schema.org). Auch sie verbessern die maschinelle Lesbarkeit und erhöhen die Chance, in generativen KI-Antworten berücksichtigt zu werden.
Fachkompetenz nach außen tragen
Nur die eigene Website nach den GEO-Regeln zu gestalten, wird mittel- und langfristig nicht reichen. Da KI-Systeme Gesundheitsfragen im großen Umfang auch basierend auf Inhalten aus Quellen wie Wikipedia, Reddit, Quora, Yelp, Jameda oder etablierten Presse- und Fachportalen beantworten, sollten Pharma- und Healthcare-Unternehmen so weit wie möglich auch externe Informationsräume strategisch für sich nutzen. Das können auch Gesundheitsforen oder Patienten-Communities sein. Denn anders als die Google-Suchmaschine, die jede neue Website indexiert, greifen LLMs gerne auf einen festen Datenbestand zurück. Sie trainieren mit Inhalten, die öffentlich verfügbar, gut auffindbar und relevant für viele Nutzer- und Patientengruppen sind.
Stand: 08.12.2025
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Was ist also zu tun? Hochwertige Medienarbeit, etwa durch Fachinterviews, Gastbeiträge oder Pressemitteilungen, erhöht die Sichtbarkeit in diesen Quellen für die KI-Chatbots. Jede Erwähnung stärkt prinzipiell die inhaltliche Autorität und signalisiert den KI-Systemen: Diese Quelle ist vertrauenswürdig. Auch Bewertungen, die Patienten freiwillig und authentisch auf externen Portalen hinterlassen, sind nützlich und sollten gepflegt werden. Denn diese bleiben von der KI nicht unbemerkt. Und: Erscheinen medizinische Fachartikel, Studien und Forschungsberichten auf relevanten Drittportalen, bringt das noch einen weiteren Vorteil: KIs können sie dort finden, verstehen und verarbeiten. So erhalten Patienten über die KI-Suche sachliche, fachlich fundierte und wirklich hilfreiche Gesundheitsinformationen.
Selbstverständlich gibt es nach wie vor ein Nebeneinander verschiedener Ansätze und Handlungsoptionen. SEO hat in der Kommunikation derzeit immer noch Gewicht. Jedoch ist davon auszugehen, dass die KI-Systeme die klassische Google-Suche in den nächsten Jahren ablösen werden. Deshalb sollten Ärzte, Klinik-, Healthcare- und Pharma-Manager schon heute in GEO investieren, damit Patienten auch in Zukunft die bestmögliche Gesundheitsberatung in der digitalen Welt erhalten.
Sven Korhummel ist seit über 25 Jahren geschäftsführender Gesellschafter der Agentur cyperfection. Mit seinem knapp 50-köpfigen Team berät Sven Korhummel Kunden wie Roche, Boehringer Ingelheim, Biologische Arzneimittel Heel, Engelhard Arzneimittel, Embecta, Philips, BASF, Fuchs Petrolub und Abbott.