Digitalisierung des Gesundheitswesens Wie moderne Technologien Versorgungslücken schließen

Ein Gastbeitrag von Mark Banfield 4 min Lesedauer

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Die Digitalisierung des Gesundheitswesens findet längst jenseits klassischer Arbeitsplätze statt. Drei internationale Praxisbeispiele zeigen, wie digitale Lösungen – von Remote-Zugriff über AR bis hin zu virtueller Zusammenarbeit – helfen, den Fachkräftemangel zu lindern, entlegene Regionen besser anzubinden und Kliniken zu entlasten.

Die Besatzung von Mercy Ships bringt medizinische Hilfe zu Menschen in Westafrika.(Bild:  Mercy Ships)
Die Besatzung von Mercy Ships bringt medizinische Hilfe zu Menschen in Westafrika.
(Bild: Mercy Ships)

Kaum eine Branche hat in den letzten zehn Jahren einen so tiefgreifenden Wandel durchlaufen wie das Gesundheitswesen. Auch in Deutschland schreitet die Digitalisierung von Kliniken und Pflegeeinrichtungen stetig voran – doch der Weg ist noch weit.

Wer an digitale Arbeitsplätze denkt, hat oft Büroangestellte vor dem Computer im Kopf. Dabei ist die Digitalisierung bereits dort angekommen, wo Pflege und Behandlung stattfinden: in Kliniken, Arztpraxen, Pflegeheimen, bei den Menschen zu Hause – und sogar in mobilen Einheiten auf dem Land. Und gerade in diesen Einsatzbereichen zeigt sich das größte Potenzial digitaler Technologien.

Die Herausforderungen im Gesundheitswesen sind weltweit alle ähnlich: Fachkräftemangel, überfüllte Krankenhäuser, steigende Kosten und der Anspruch, eine flächendeckende, qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen unabhängig vom Wohnort. Diese Probleme betreffen Industrieländer ebenso wie Entwicklungsländer und zwingen Gesundheitssysteme dazu, neue Lösungen zu finden.

Technologien wie Remote-Konnektivität und Augmented Reality (AR) eröffnen vielversprechende Perspektiven, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Sie ermöglichen es, Patientinnen auch unter schwierigen Bedingungen besser zu versorgen – und das nicht nur in der Theorie. Weltweit zeigen sich bereits konkrete Erfolge, die sowohl medizinisches Personal als auch Patientinnen unmittelbar spüren.

Die Herausforderung: Wie weit ist es bis zum nächsten Arzt?

Insbesondere in ländlichen oder abgelegenen Regionen ist der Mangel an medizinischem Personal ein zentrales Problem, gerade auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.

In Australien stand der Pflegeanbieter Uniting genau vor dieser Herausforderung: Die Versorgung älterer Menschen in abgelegenen Gebieten war oft nur mit Verzögerung oder gar nicht möglich. Über AR-Brillen und die Fernzugriffslösung von TeamViewer holen Pflegekräfte das Fachwissen direkt ans Krankenbett – selbst wenn der Spezialist tausende Kilometer entfernt sitzt. Die Ergebnisse sprechen für sich: 62 Prozent weniger Einweisungen, 75 Prozent schnellere Reaktionszeiten. So ließ sich nicht nur der Fachkräftemangel abfedern – auch die Versorgung wurde früher, gezielter und damit wirksamer.

Wie Remote-Zugriff medizinische Isolation überwindet

Abgelegene Regionen medizinisch zu versorgen, gehört zu den größten Herausforderungen weltweit. Mercy Ships zeigt, wie es gehen kann: Die Organisation bringt mit zwei Hospitalschiffen kostenlos medizinische Hilfe zu Menschen entlang der westafrikanischen Küste – oft ihre einzige Chance auf Behandlung.

An Bord eines Mercy Ships: Eine Remote-Verbindung verbindet die Ärzte an Bord mit Kollegen weltweit für die bestmögliche Versorgung.(Bild:  Mercy Ships)
An Bord eines Mercy Ships: Eine Remote-Verbindung verbindet die Ärzte an Bord mit Kollegen weltweit für die bestmögliche Versorgung.
(Bild: Mercy Ships)

Über eine Remote-Verbindung arbeiten die Ärzte an Bord eng mit Fachärzten weltweit zusammen – zum Beispiel, um vor einer Operation Rücksprache mit einem Pathologen in den USA zu halten. Solche Modelle könnten auch in abgelegenen Teilen Europas Schule machen, etwa in den schottischen Highlands, wo spezialisierte Hilfe oft viele Stunden entfernt ist.

Digitaler Vorreiter: Skandinavien zeigt, wie flächendeckende Versorgung gelingt

In Europa setzen insbesondere die skandinavischen Länder seit Jahren auf Telemedizin als festen Bestandteil der medizinischen Versorgung. In Schwedens dünn besiedelten Landstrichen gibt es Virtual Care Rooms, in denen kein Arzt physisch zugegen ist. In so einem Raum, der sich zum Beispiel in einem Schulgebäude befindet, gibt es eine Liege, eine Tasche mit Nadeln und die Ausrüstung für eine Vernetzung mit dem Krankenhaus. Die Patientinnen und Patienten erfassen selbstständig Gesundheitsdaten und kommunizieren mit dem Arzt per Video. Die Alternative wären mehrstündige Autofahrten zur nächsten Klinik – eine enorme Belastung im Alltag. Telemedizin schafft hier spürbare Entlastung und echte Lebensqualität. Auch in Norwegen sind Telemedizinlösungen flächendeckend etabliert, um vor allem ältere oder chronisch erkrankte Menschen in ländlichen Regionen medizinisch zu betreuen.

Diese Ansätze zeigen, dass digitale Technologien die Qualität der Versorgung nicht nur sichern, sondern messbar verbessern können – vorausgesetzt, sie sind in einen klaren organisatorischen und technischen Rahmen eingebettet. Für viele europäische Länder könnten sie als Modell dienen.

Überfüllte Krankenhäuser entlasten und Kosten senken

Mit der alternden Bevölkerung steigt der Bedarf an langfristiger medizinischer Betreuung. Gleichzeitig geraten viele Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen. Auch hier kann Technologie entscheidend zur Entlastung beitragen.

In den USA setzt Integris Neuro auf die Fernüberwachung von Patienten mittels EEG-Daten direkt im häuslichen Umfeld. Durch die kontinuierliche Übertragung und Analyse der Hirnaktivitäten in Echtzeit können neurologische Zustände überwacht werden, ohne dass ein stationärer Aufenthalt notwendig ist. Das entlastet nicht nur die Kliniken, sondern senkt auch die Behandlungskosten. Gleichzeitig wird eine frühzeitige Intervention ermöglicht, die den Gesundheitsverlauf der Patienten verbessert.

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Die Beispiele von Uniting, Mercy Ships und Integris Neuro verdeutlichen, wie digitale Technologien helfen können, zentrale Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen. Remote-Konnektivität ermöglicht neue Formen der Zusammenarbeit, verbessert die Versorgung in ländlichen Regionen und entlastet überfüllte Kliniken.

Der Nutzen digitaler Lösungen zeigt sich oft unmittelbar – etwa durch reduzierte Reisekosten oder weniger Krankenhausaufenthalte. Gerade in einer Zeit, in der Investitionen im Gesundheitswesen besonders kritisch geprüft werden, gewinnen nachweislich wirksame und wirtschaftlich sinnvolle Ansätze. Die digitale Transformation ist längst Realität und wird weiter an Relevanz gewinnen: für eine medizinische Versorgung, die effizienter, zugänglicher und langfristig tragfähig ist.

Der Autor

Mark Banfield, Chief Commercial Officer bei TeamViewer

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