Digitalisierung der Pflege Zeit für Menschen schaffen

Von Natalie Ziebolz 2 min Lesedauer

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Der Fachkräftemangel in der Pflege ist Realität. Die Digitalisierung kann helfen, die Pflegekräfte zu entlasten – wäre da nicht das Problem der Finanzierung.

Durch die Digitalisierung können Pflegefachkräfte bei Routineaufgaben – wie der Schichtplanerstellung – entlastet werden.(Bild:  Africa Studio – stock.adobe.com)
Durch die Digitalisierung können Pflegefachkräfte bei Routineaufgaben – wie der Schichtplanerstellung – entlastet werden.
(Bild: Africa Studio – stock.adobe.com)

Arbeitsplatzabbau und die Verdrängung menschlicher Zuwendung – die Robotik in der Pflege hatte von Beginn an mit Vorurteilen zu kämpfen. Doch die Branche braucht Unterstützung. Pflegekräfte müssen von unnötigen Arbeiten entlastet werden. Bereits heute fehlen laut Statista rund 280.000 Pflegekräfte, bis zum Jahr 2049 könnten es bis zu 680.000 sein. Die Digitalisierung gilt dabei als der Schlüssel zur Zukunftssicherung der Pflegebranche. „Sie bietet nicht nur die Möglichkeit zur Effizienzsteigerung und Entlastung des Personals, sondern auch zur Verbesserung der pflegerischen Versorgung“, erklärt Rebecca Zeljar, Leiterin des vdek Berlin/Brandenburg.

Großes Potenzial entfaltet sich insbesondere bei der Dokumentation der Pflegeleistungen. Laut der Klinikmanagementgesellschaft Healthcare Information and Management Systems Society (HIMSS) Europe beansprucht diese Aufgabe etwa 36 Prozent der täglichen Arbeitszeit. Hier können Spracherkennungstools mit Künstlicher Intelligenz (KI) erhebliche Erleichterung bieten. Pflegekräfte brauchen die Dokumentation nur noch einzusprechen, und das System überträgt sie automatisch. Ein weiterer Pluspunkt: KI kann Dialekte erkennen und Fremdsprachen übersetzen, was insbesondere ausländischen Pflegekräften zugute kommt. Darüber hinaus eröffnet KI neue Möglichkeiten in der Schichtplanung und trägt so zu einem effizienteren Arbeitsablauf bei.

Zeit sparen auch telemedizinische Anwendungen. In einem neunmonatigen Pilotprojekt haben die AOK Nordost und der Telemedizinanbieter MedKitDoc zusammen mit sieben Pflegeheimen und zehn Arztpraxen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ein innovatives Konzept getestet: die gerätegestützte telemedizinische Versorgung. Mithilfe einer speziellen App und zertifizierten Medizingeräten, die vom Pflegepersonal bedient werden – darunter Pulsoximeter, Blutdruckmessgeräte und sogar ein Stethoskop für die Übertragung von Herz- und Lungengeräuschen per Videokonferenz – wird eine präzise Diagnostik in Echtzeit ermöglicht. Dies spart nicht nur lange Anfahrtszeiten, sondern stärkt auch die Kompetenz des Pflegepersonals durch den Einsatz digitaler Technologien. Zudem führte das Projekt zu einer Reduktion von Krankenhausaufenthalten und einer Senkung der Kosten für stationäre Behandlungen, so das Resümee.

Für notwendige Digitalisierungsprojekte können Pflegeeinrichtungen Fördermittel beanspruchen – etwa gemäß dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG). Diese Mittel können zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur, für digitale Abrechnungssysteme, die Entbürokratisierung der Pflegedokumentation und die Verbesserung der IT- und Cybersicherheit verwendet werden. Um jedoch die vollständige Fördersumme zu erhalten, müssen die Einrichtungen 18.000 Euro selbst aufbringen, was besonders für kleinere Träger problematisch ist. Als Lösung schlägt das Bündnis „Digitalisierung in der Pflege“ eine Digitalisierungspauschale vor, die pro Platz, Tag oder Einsatz erhoben wird. Hierfür wäre eine Ergänzung des Sozialgesetzbuches XI erforderlich.

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