Die ePA für alle: Eine digitale Massenanwendung im Praxisalltag

Von Serina Sonsalla 3 min Lesedauer

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Das neue Jahr rückt immer näher und damit auch die elektronischen Patientenakte (ePA) für alle: Noch ist aber nicht jeder von ihr überzeugt. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) sieht in der ePA eine positive Entwicklung. Auch Facharzt für Allgemeinmedizin Andreas C. Große Bockhorn erklärt, wie er nun schon seit 19 Jahren erfolgreich damit arbeitet.

In einigen Jahren wird ein positiver Effekt zu finden sein: Laut Spelmeyer soll es nämlich zu einer Entlastung der Praxen kommen, doch das braucht Zeit. (© agenturfotografin – stock.adobe.com)
In einigen Jahren wird ein positiver Effekt zu finden sein: Laut Spelmeyer soll es nämlich zu einer Entlastung der Praxen kommen, doch das braucht Zeit.
(© agenturfotografin – stock.adobe.com)

Es gibt sie bereits seit 2021 über die Krankenkasse, wird seither aber kaum genutzt: Die Rede ist von der elektronischen Patientenakte (ePA). Ab dem 15. Januar werden etwa 73 Millionen Menschen Zugang dazu haben, sofern sie nicht widersprechen.

Die ePA für alle bedeutet weniger Akten und Papier, weniger Zeit am Telefon, weniger Wartezeit auf angeforderte Unterlagen, weniger Doppeluntersuchungen und gleichzeitig mehr Klarheit über die Medikation. Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) bezeichnete die Einführung der elektronischen Patientenakte deshalb als möglichen Wendepunkt in der medizinischen Versorgung: „Die ePA für alle muss, um wirklich akzeptiert zu werden, eine gemeinsame Zielsetzung für Patienten und Ärzte haben: eine optimierte, fokussierte und am Ende zeitsparende Behandlung.“

Die Grundidee der ePA ist schließlich, dass sie umfangreiche Gesundheitsinformationen über den Patienten zentral und direkt verfügbar macht. So kann die Ärztin oder der Arzt mit deutlich weniger Zeitaufwand die passende Behandlung und Medikation erstellen. Aber nicht nur in den Praxen profitieren Mediziner und Praxisteams: Auch Patienten erhalten durch die ePA besser abgestimmte Therapien.

Dr. Volker Schrage, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVWL, erklärte dazu: „Damit die psychotherapeutischen sowie ärztlichen Praxen die ePA im Sinne einer besseren Behandlung von Patienten nutzen können, darf sie keine zusätzlichen Hürden für die Arbeitsabläufe erzeugen.“ Er fügte hinzu, dass die Patientenakte aber wie alle Anwendungen erst mal in die Praxisverwaltungssysteme implementiert werden müsse und eine gewisse Eingewöhnungszeit erfordere. Dennoch seien die Anbieter der mehr als 100 Praxisverwaltungs-Software-Programme in der Pflicht, reibungslose Lösungen zu schaffen.

„Auch wenn es bei der Einführung mal ruckeln mag, wird die ePA am Ende einen Mehrwert für alle bieten“, sagte Schrage. Er hielt fest: „Bei der Einführung des elektronischen Rezeptes gab es zunächst auch ein paar kleinere Anlaufschwierigkeiten, heute ist der Einsatz aus dem Praxisalltag nicht mehr wegzudenken!“

Andreas C. große Bockhorn, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Altenberge. (© KVWL)
Andreas C. große Bockhorn, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Altenberge.
(© KVWL)

Andreas C. große Bockhorn ist Praxisinhaber und Facharzt für Allgemeinmedizin aus Altenberge. Er beteiligt sich seit Jahren an der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Zum Beispiel hat er sich als Pilotpraxis für die Entwicklung des E-Rezepts, der ePA und anderen Digitalisierungsmaßnahmen angeboten und konnte so ein Fazit über die Praxistauglichkeit der elektronischen Patientenakte ziehen: „Grundsätzlich bietet die elektronische Patientenakte einen sehr hohen Nutzwert. Sowohl für mich als niedergelassener Arzt als auch für meine Patienten.“ Er führte die Vorteile in einem Interview mit der KVWL weiter aus: „Ich kann beispielsweise mit einem Klick alle elektronischen Akten meiner Patienten einsehen und schnell Befunde hoch- oder herunterladen.“ Doch auch er gestand, dass es für seine Patienten noch eine aktuelle Antragshürde gebe, die er als „etwas hoch“ bezeichnete, denn der persönliche Authentifizierungsprozess sei komplex. Das soll sich ab 2025 aber ändern. Patienten müssen die ePA für die Praxen nicht mehr per PIN freigeben, sondern diese könnten dann automatisch darauf zugreifen.

Auf die Frage, wie die Integration in sein Praxis-Verwaltungssystem geklappt habe, antwortete er: „Sehr gut. Wir arbeiten seit Jahren sehr eng und zielorientiert mit meinem lokal-ansässigen PVS-Hersteller zusammen, der sehr schnell auf Verbesserungsvorschläge reagiert, daher funktioniert die ePA bei uns völlig reibungslos.“ Seit 19 Jahren wird in seiner Praxis jedes Schreiben digitalisiert und sofort in die elektronische Kartei eingepflegt. Zu bemängeln hatte er dabei nur eine Sache: „Wenn ich in die aktuelle ePA eines Patienten schaue, sind die Dokumente zwar nach Datum sortiert, allerdings sind die Berichte nicht immer effektiv beschriftet. Das trifft häufiger zu, wenn der Patient eigenständig Daten einstellt.“ Auch das soll sich ab 2025 verbessern – ob sich sein Wunsch jedoch erfüllen wird, dass Dokumente im Nachgang bearbeitet werden können oder Absender der Datei sofort ersichtlich sind, ist noch unklar.

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