Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz Gesundheitskiosk: Aus der Warteschleife in die Fläche

Von Chiara Maurer 2 min Lesedauer

Erfolgsmodell Gesundheitskiosk? Nach der Vorstellung der Eckpunkte des Referentenentwurfs zum Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz werden Stimmen laut, die fordern, die Etablierung sogenannter Gesundheitskiosks weiter voranzutreiben.

Mario Heise, Vorstand der Mobil Krankenkasse, bei der Eröffnung des Gesundheitskiosks in Hamburg Bramfeld.(©  Mobil Krankenkasse)
Mario Heise, Vorstand der Mobil Krankenkasse, bei der Eröffnung des Gesundheitskiosks in Hamburg Bramfeld.
(© Mobil Krankenkasse)

Der Aufbau der Gesundheitskiosks, als Herzstück eines regionalen Gesundheitsnetzwerks in den Hamburger Stadtteilen Billstedt und Horn, wurde 2017 gestartet und hat laut einer Evaluation des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) einen verbesserten Zugang zur Versorgung geschaffen. Die Quartierszentrale „dieKümmerei“ in Köln-Chorweiler und weitere Standorte in Essen, Aachen und Solingen verdeutlichen den Erfolg dieses Versorgungsmodells. Im Gesundheitskiosk informieren geschulte Mitarbeitende in mehreren Sprachen über Krankheiten, Therapien und einen gesunden Lebensstil. Neben Gesundheitsthemen bieten sie auch Unterstützung bei nicht-medizinischen Anliegen wie der Suche nach Kitaplätzen oder der Beantragung von Haushaltshilfe.

Nun öffnete der bereits fünfte Gesundheitskiosk in Hamburg seine Tore. Im Rahmen der Veranstaltung wurden dabei wesentliche Eckpunkte des neu gefassten Referentenentwurfs zum Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) vorgestellt. Mit Blick darauf fordern die AOK Rheinland/Hamburg und die Mobil Krankenkasse (MKK) nun, die bundesweite Etablierung von Gesundheitskiosken voranzutreiben – und das möglichst schnell. „Wir wollen Gesundheitskioske als Regelversorgung etablieren und einen Rechtsanspruch für diese Versorgung für alle Menschen schaffen, unabhängig von ihrem Versichertenstatus, erklärte auch BMG-Abteilungsleiter Michael Weller, nach der Vorstellung der Eckpunkte anlässlich der Eröffnung des Kiosks. Der Entwurf solle deshalb kurzfristig in die Ressortabstimmung gehen. „Unser Ziel ist, das Gesetz im April ins Kabinett zu bringen, damit es möglichst im Januar 2025 rechtskräftig ist.“

Matthias Mohrmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, hob dabei die erfolgreiche Rolle hervor, die den Gesundheitskiosken dabei zukommt, und erklärte: „Gesundheitskioske füllen erfolgreich eine Leerstelle im Gesundheitssystem, die es mit Blick auf die Versorgung vulnerabler Gruppen unbedingt zu schließen gilt.“ Er betonte, dass das GVSG deshalb einen wichtigen Beitrag zur Koordination und Kooperation in der ambulanten Versorgung leistet.

Mario Heise, Vorstand der MKK, unterstrich die aktive Rolle der Krankenkassen bei der Implementierung dieses innovativen Versorgungsmodells. „Mit den Gesundheitskiosken nehmen wir als Krankenkasse eine aktive Rolle ein und können mit allen Akteuren passgenaue Lösungen vor Ort entwickeln, also genau da, wo Bedarf besteht. Von dem präventiven Ansatz, die persönliche Gesundheitskompetenz zu stärken, profitieren alle und wir sehen darin eine notwendige Unterstützung für unsere Gesellschaft“, so Heise.

Dennoch erinnerte Alexander Fischer, Geschäftsführer der Trägergesellschaft, auch an die Notwendigkeit einer erweiterten Perspektive für Pflegefachpersonen. Da das Angebot zudem derzeit nur von Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg und der MKK genutzt werden kann, machte er außerdem darauf aufmerksam, dass die positive Bewertung durch den G-BA Innovationsfonds nicht allein von zwei Krankenkassen abhängig sein sollte.

Die anwesenden Ärzte, Dr. Gerd Fass und Dr. Mike Müller-Glamann, forderten eine verbesserte Versorgung für vulnerable Patientengruppen. Dr. Gerd Fass mahnte: „Durch den Ausstieg der Ersatzkassen fallen Beratungen durch den Gesundheitskiosk für rund 2.500 Versicherte in Billstedt weg. Das belastet unsere Praxen noch mehr, die ohnehin schon überlastet sind. Vor diesem Hintergrund können wir uns lange Diskussionen über das Gesetz nicht mehr leisten.“

Die Politik steht nun vor der Herausforderung, die Weichen zu stellen und das erfolgreiche Modell der Gesundheitskioske flächendeckend zu etablieren, um eine verbesserte und koordinierte Versorgung für alle Bürger zu gewährleisten.

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