Das israelische Gesundheitssystem gilt als eines der effizientesten und fortschrittlichsten weltweit. Digitalisierung wird seit mehr als zwei Jahrzehnten vorangetrieben und gehört zum Alltag. Nach dem 7. Oktober 2023 ist das Gesundheitssystem jedoch mit außerordentlichen Herausforderungen konfrontiert, zeigt sich aber resilient.
Verantwortliche in Deutschland blicken interessiert nach Israel, um in der veränderten Bedrohungslage Europas davon zu lernen, wie es dem Land gelingt, seine Gesundheitsinfrastruktur auch in der Krise funktionsfähig zu betreiben.
In Israel leben heute knapp zehn Millionen Menschen. Rund 70.000 wurden einem aktuellen Bericht des Taub Centers in Jerusalem zufolge seit Ende 2023 im Krieg gegen die Hamas in Gaza und gegen die Hizbollah im Libanon als Kriegsopfer erfasst. Fast 13.000 haben eine dauerhafte Erwerbsminderungsrente beantragt. Expertinnen haben hochgerechnet, dass mehr als 500.000 Menschen allein auf israelischer Seite an einer Traumafolgestörung erkrankt sind oder noch erkranken. Damit gehen schwere persönliche Schicksale einher und eine Kostenflut für den Staat: Insgesamt wurden bisher mehr als 1,8 Milliarden Shekel (rund 450 Millionen Euro) u.a. für die medizinische Versorgung der Opfer und deren Rehabilitation aufgebracht. Das israelische Gesundheitswesen musste schon zuvor mit knappen Ressourcen umgehen. Seit Ende 2023 hat sich somit die Lage deutlich zugespitzt.
Mental Health Tech boomt
Die Health-Tech-Szene des Landes mit ihren 1.600 Unternehmen hat diese gesellschaftliche Herausforderung schnell antizipiert und sich an die Arbeit gemacht, um zum Beispiel neue KI- und techbasierte Mental-Health-Lösungen zu entwickeln. Und die boomen: Anfang 2025 arbeiteten 117 Start-ups in diesem Segment, 2017 waren es im Vergleich dazu 27. Zwar sind 85 Prozent der Unternehmen noch in der Seed-Phase, also ganz am Anfang, doch sie legen ein rasantes Tempo vor.
Entwickelt werden etwa KI-Systeme zur Früherkennung von Traumata und PTBS, Algorithmen zur Stimmungsüberwachung und um Verhaltensänderungen zu erkennen sowie digitale Plattformen, die KI für eine schnelle erste psychologische Unterstützung nutzen. Außerdem geht es um Lösungen, die Arbeitsabläufe verbessern, um Klinik- und Praxispersonal zu entlasten. Vor dem Hintergrund, dass es in Israel schon vor dem Krieg, wie auch in Deutschland, lange Wartezeiten für einen Therapieplatz gab und es zu wenig medizinisches Fachpersonal gibt, ist der Bedarf groß.
Führender Digital Health Hub
Der Pragmatismus und das schnelle Handeln sind kein Zufall. Israel hat die Chancen der Digitalisierung früh erkannt und ist seit mehr als zwei Jahrzehnten einer der weltweit führenden Innovationstreiber der digitalen Gesundheit. Das geht sicher auch darauf zurück, dass es immer schon begrenzte Ressourcen und zahlreiche Herausforderungen gab, die Out-of-the-Box-Denken und -Handeln erforderten.
So hat sich die Bevölkerung seit der Staatsgründung 1948 vor allem durch Zuwanderung etwa verzehnfacht. Viele Einwanderer zahlten nicht ins System ein. Da Israels Gesundheitssystem auf Solidarität basiert, haben auch sie wie jede Bürgerin und jeder Bürger Anspruch auf medizinische Versorgung. Die vier Krankenkassen, Clalit, Maccabi, Meuchedet und Leumit, decken nahezu die gesamte Bevölkerung ab. Der Versicherungsbeitrag richtet sich nach dem Einkommen. Eine Expertenkommission überprüft und aktualisiert jährlich den gesetzlichen Leistungskatalog. Dabei befinden sich die Krankenkassen im Wettbewerb, was ein wichtiger Innovationstreiber ist.
Pragmatismus bei Datenschutz und viel Geld für F&E
Insgesamt gibt es in Israel gute Voraussetzungen, Innovationen zu entwickeln und in den Markt zu bringen. Der eigene Markt ist überschaubar groß und man versteht sich als eine Art Testumgebung für den Rest der Welt. Zudem gelten Israelis als Early-Adopter, sind also offen dafür, neue, technologiebasierte Lösungen in ihren Alltag zu integrieren. Tech-Gründer kommen in Israel oft aus der Armee, wo sie exzellente Voraussetzungen für die Entwicklung von Innovationen haben und sie kreativ denken und arbeiten können.
Außerdem wird Datenschutz pragmatischer gehandhabt als in Europa. „Ich denke, gesund zu sein ist wichtiger, als unsere Privatsphäre zu schützen“, sagte der Chemie-Nobelpreisträger Avram Hershko einmal gegenüber der FAZ – eine Haltung, die in Israel weit verbreitet ist. Dazu kommt, dass Israel mit rund sechs Prozent seines Bruttoinlandprodukts (BIP) im OECD-Vergleich am meisten Geld in Forschung- und Entwicklung investiert.
Resilienz von Israel lernen
Ein weiterer Bereich, in dem Israel aufgrund der Kriegs- und Terrorerfahrungen eine besondere Expertise hat, ist die Resilienz des Gesundheitswesen. Konkret geht es darum, sicherzustellen, dass Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen in Krisen einsatzfähig sind. Die Bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) forderte kürzlich, dass sich das Gesundheitswesen in Deutschland aufgrund der Bedrohungslage in Europa auf Krieg vorbereiten müsse. Hier kann Deutschland von Israel lernen.
Das Sheba Medical Center in Ramt Gan, aktuell von Newsweek als achtbestes Krankenhaus der Welt bewertet, hat dazu auf seiner Webseite konkrete Empfehlungen veröffentlicht. Diese zeigen, wie sich das Gesundheitswesen auf Extremereignisse vorbereiten kann. Die physische Infrastruktur müsse gegen Angriffe und Cyberbedrohungen gesichert werden, beispielsweise mit explosionsresistenten Materialien und sicheren Netzwerken. Die Resilienz des Personals sei ebenfalls wichtig. Diese könne über regelmäßige Simulationen, psychologische Unterstützung und Notfallhilfen für die Familien der Mitarbeiter verbessert werden. Außerdem brauche es Notfallprotokolle mit Evakuierungs- und Notfallversorgungsszenarien und Schulungen und Übungen für das gesamte Personal, um auf Cyber-Angriffe, Terror oder Krieg vorbereitet zu sein. Darüber hinaus empfiehlt das Sheba Medical Center Kooperationen mit anderen Gesundheitsdienstleistern und Behörden, um im Ernstfall Ressourcen und Fachwissen gemeinsam nutzen zu können.
Stand: 08.12.2025
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Deutschland und Israel feiern dieses Jahr 60 Jahre diplomatische Beziehungen. Dazu gehören auch enge Wirtschaftskontakte und Kooperationen im Gesundheitswesen und im Bereich Digital Health. Als größter Markt in Europa ist Deutschland für israelische Start-ups einer der wichtigsten Zielmärkte. Auf der anderen Seite bieten die Start-ups wichtige Innovationen, die dabei helfen können, das deutsche Gesundheitswesen fit für die Zukunft zu machen. Eine Win-Win-Situation.
Die Autorin: Maike Diehl, Geschäftsführerin Diehl Relations GmbH, ist Expertin für deutsch-israelische Business-Beziehungen und den isrealischen Gesundheitsmarkt.