Forschung und Entwicklung: Europas MedTech-Kraftzentren verbindenIrlands Stärke ergänzt Deutschlands Digitalgesundheit
Ein Gastbeitrag von
Vishal Dakhole
4 min Lesedauer
Während sich die internationale Medizintechnikbranche auf die MEDICA 2025 in Düsseldorf vorbereitet, stellt sich die Frage: Wohin führt die MedTech-Innovation als Nächstes? Ein Blick auf Irlands MedTech-Reise zeigt, welche Stärken das Land bei der Gestaltung der Gesundheitsversorgung in Deutschland ausspielt.
Irland bietet mehr als nur grüne Wiesen und raue Küsten – auch die IT-Landschaft wächst in der Forschungs- und Start-up-Szene.
In einer Zeit, in der Gesundheitssysteme immer intelligenter, vernetzter und stärker patientenorientiert werden, positioniert sich Irland als einer der wichtigsten Innovationspartner Europas. Dies gilt insbesondere für Deutschland, den größten MedTech-Markt Europas mit einem Volumen von über 44 Milliarden Euro. Einen umfassenden Einblick in medizintechnische Entwicklungen, aktuelle gesundheitspolitische Themen und einen Marktüberblick in Deutschland bieten auch die Jahresberichte des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed).
Vom Fertigungs-Kraftzentrum zum Forschungs- und Entwicklungs-Hub
Irland startete seine MedTech-Reise vor über 75 Jahren, als die ersten multinationalen Unternehmen entlang des westlichen Korridors des Landes Produktionsstätten errichteten. Heute sind 14 der 15 weltweit führenden MedTech-Unternehmen in Irland vertreten und über 300 Firmen bilden dort einen der dynamischsten Cluster seiner Art in Europa.
Was einst als reiner Produktionsstandort begann, hat sich zu einem Zentrum für Spitzentechnologie, Innovation und Produktentwicklung gewandelt. Laut dem ABSEI-Bericht (Annual Business Survey of Economic Impact) 2023 der irischen Regierung sind inzwischen 65 Prozent der Medizintechnikunternehmen in Irland in Forschung und Entwicklung tätig, was eine entscheidende Verlagerung hin zu wissensintensiven und wertvollen Aktivitäten widerspiegelt. Diese Transformation wird durch robuste Fördermechanismen unterstützt, darunter Steuergutschriften für Forschung und Entwicklung in Höhe von bis zu 30 Prozent, die im Haushalt 2026 auf 35 Prozent erhöht werden sollen, sowie ein starker regulatorischer Rahmen unter der Aufsicht der irischen Health Products Regulatory Authority (HPRA), der European Medicines Agency (EMA) und der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA). In Verbindung mit dem nahtlosen Zugang zum 160 Milliarden Euro schweren europäischen MedTech-Markt bietet Irland ein umfassendes Ökosystem für Unternehmen, um Innovationen zu skalieren und ihr Wachstum zu beschleunigen.
Ein auf Zusammenarbeit ausgelegtes Forschungs-Ökosystem
Irlands MedTech-Ökosystem bietet zahlreiche Möglichkeiten für Kooperationen, gemeinsame Nutzung von Ressourcen, Partnerschaften mit Zulieferern und Co-Investitionen, die von einer vernetzten Gemeinschaft aus führenden Industrieunternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen, klinischen Forschungszentren und staatlichen Förderagenturen angetrieben werden. Renommierte Forschungszentren wie CÚRAM an der University of Galway, das Tyndall National Institute und das Amber Centre konzentrieren sich auf Bereiche wie regenerative Medizin, Bioingenieurwesen und Hochleistungsmaterialien und sorgen so für einen kontinuierlichen Strom wissenschaftlicher Entdeckungen und praxisorientierter Innovationen.
Gleichzeitig stellen das Digital Manufacturing Ireland (DMI) und das National Institute for Bioprocessing Research and Training (NIBRT) sicher, dass Unternehmen nicht nur innovativ sind, sondern ihre Entwicklungen auch schnell und effizient industrialisieren können. Diese Institutionen ermöglichen es Herstellern, mit den neuesten digitalen und biotechnologischen Verfahren zu testen, zu schulen und zu skalieren. Das ist im heutigen, rasant wachsenden globalen MedTech-Markt ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Förderung der digitalen Gesundheit: Der Aufstieg von DiGA und datengestützter Versorgung
Die Digitalisierung ist kein Trend in ferner Zukunft, sondern das Rückgrat der modernen Gesundheitsversorgung. In Deutschland hat das DiGA-Konzept (Digitale Gesundheitsanwendungen) einen neuen europäischen Maßstab dafür gesetzt, wie evidenzbasierte digitale Gesundheits-Apps verschrieben, erstattet und in die klinische Versorgung integriert werden können.
Der irische MedTech-Sektor ist gut positioniert, um diesen Wandel zu unterstützen. Mit erheblichen Stärken in angrenzenden Bereichen wie Tech & FinTech sowie in Forschungseinrichtungen wie CeADAR, Irlands nationalem Zentrum für KI und Datenanalyse, und dem Insight Centre for Data Analytics, können Unternehmen lokal übertragbare Fähigkeiten und Fachkenntnisse nutzen. Dadurch können digitale Therapeutika, vernetzte Geräte und Gesundheitsdatenlösungen entwickelt werden, die den DiGA-Anforderungen entsprechen. Neben globalen Medizintechnik-Marktführern wie Stryker, Abbott und Johnson & Johnson, die mit ihren Software-Entwicklungszentren von Irlands fundiertem Fachwissen profitieren, weist das Land auch ein dynamisches Ökosystem innovativer irischer Start-ups vor. Unternehmen wie Akara Robotics, BioSimulytics, Head Diagnostics und Greenfinch Technology sind führend in der Entwicklung von Medizintechnik-Software mit Schwerpunkt auf Software-as-a-Medical-Device (SaMD). Diese marktübergreifende Synergie bietet eine spannende Gelegenheit für die Zusammenarbeit zwischen irischer Innovation und Deutschlands Führungsrolle im Bereich der digitalen Gesundheitsversorgung, wodurch die Behandlungsergebnisse für Patienten verbessert und gleichzeitig das Exportwachstum gefördert werden.
Stand: 08.12.2025
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