Digitale Gesundheitsanwendungen App auf Rezept: Gut gemeint, aber schlecht gemacht?

Von Susanne Ehneß 2 min Lesedauer

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Aus Sicht des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung (SVDGV) gefährden die aktuellen regulatorischen und technischen Entwicklungen den Zugang zu digitalen Therapien sowie die Zukunft einer ganzen Branche.

Derzeit werden lediglich 14 Prozent der elektronisch verordneten DiGA tatsächlich  aktiviert.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Derzeit werden lediglich 14 Prozent der elektronisch verordneten DiGA tatsächlich aktiviert.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung (SVDGV) kritisiert die Umsetzung der Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA). Nur noch 14 Prozent der elektronisch verordneten DiGA würden derzeit aktiviert.

Als Zugangshürde nennt der Verband unter anderem das elektronische Rezept. Seit dessen Einführung seien die DiGA-Aktivierungen rückläufig. Während sie von Januar bis Mai 2025 um 25 Prozent zunahmen, seien sie im gleichen Zeitraum 2026 um 13 Prozent gesunken. Im Mai 2026 lagen sie gar unter dem Vorjahresmonat – „das gab es bisher noch nicht“, kommentiert der Verband und versucht sich an einer Erklärung: „Das Problem ist nicht die Idee – das Problem ist der Weg.“ Um die digitale Therapie einzulösen, müssten zusätzliche Apps installiert und ein Authentifierungsprozess durchlaufen werden. „Viele verfügen über diese Zugangsdaten nicht oder brechen den komplizierten Prozess auf dem Weg ab“, ist der E-Health-Verband überzeugt.

Hinzu kämen neue technische Anforderungen wie das benötigte Datensicherheitszertifikat des BSI, wodurch Smartphones mit älteren Betriebssystemen die entsprechende DiGA nicht mehr nutzen könnten. Laut SVDGV betreffe dies etwa 20 Millionen gesetzlich Versicherte.

„Es handelt sich hierbei um einen systemisch bedingten Versorgungsbruch, nicht um ein technisches Detailproblem“, meint Dr. Christoph Twesten, Vorstandsmitglied des SVDGV. „Eine Patientin, die mit einer Erkrankung zum Arzt geht und eine DiGA verordnet bekommt, sollte ihre Therapie einfach und unmittelbar beginnen können – ohne Medienbrüche, ohne IT-Kompetenz als Zugangsvoraussetzung, ohne dass das Alter ihres Smartphones darüber entscheidet, ob ihr Zugang zu ihrer Therapie gewährt wird oder nicht.“

Der Verband fordert:

  • Sofortiger Stopp des aktuellen Rollouts und Überbrückung durch Papierausdruck: Solange der E-Rezept-Einlöseprozess nicht zuverlässig funktioniert, darf das neue Verfahren nicht weiter ausgerollt werden. Der Prozess muss grundlegend unter Einbindung der Branche überarbeitet werden. Bis das digitale System zuverlässig funktioniert, muss sichergestellt werden, dass Ärzte ihren Patientinnen und Patienten einen Papierausdruck als Überbrückung mitgeben. Dies ist bereits heute möglich, bisher jedoch optional. Zudem gehört auf den Ausdruck ein Hinweis auf die Rezeptservices der DiGA-Hersteller, die bei der Einlösung den Patienten unterstützen und im papierbasierten Verfahren bereits Standard sind.
  • Einlösung ohne PIN. Wer ein Medikament per E-Rezept abholt, zeigt einfach seine Gesundheitskarte. Für DiGA benötigen Patientinnen und Patienten zusätzlich eine PIN, die kaum jemand hat. Das ist eine unnötige Hürde, die es bei Arzneimittelrezepten nicht gibt.
  • Einlösung direkt in der DiGA. Anstatt dass Patientinnen und Patienten manuell zwischen verschiedenen Apps und Systemen hin- und her navigieren müssen, sollen sie ihre Therapie dort einlösen dürfen, wo sie stattfindet. Heute fehlt dafür die rechtliche Grundlage.
  • Therapiezugang sicherstellen durch informierte Patienteneinwilligung. Wer ein älteres Smartphone hat, kein neues Gerät anschaffen möchte oder kann, soll selbst entscheiden dürfen, ob er seine DiGA nutzen möchte.

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