OECD-Bericht KI: Der ausgebremste Helfer

Von Natalie Ziebolz 2 min Lesedauer

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Dem Optimismus hinsichtlich des Potenzials von KI stehen fragmentierte Gesundheitsdaten und unpraktikable Datenschutzmaßnahmen sowie fehlendes Vertrauen gegenüber.

Der Einsatz künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen kann unter anderem zur Vereinfachung der Verwaltung und Verbesserung der Versorgung beitragen.(Bild:  greenbutterfly – stock.adobe.com)
Der Einsatz künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen kann unter anderem zur Vereinfachung der Verwaltung und Verbesserung der Versorgung beitragen.
(Bild: greenbutterfly – stock.adobe.com)

Im internationalen Wettlauf um Künstliche Intelligenz (KI) zeigt Deutschland eine vielversprechende Entwicklung, hat jedoch weiterhin Schwächen. Das gilt laut dem aktuellen „OECD-Bericht zu Künstlicher Intelligenz in Deutschland“ auch für das Gesundheitswesen. „KI hat das Potenzial, Leben zu retten, dem Gesundheitspersonal zu ermöglichen, sich stärker der eigentlichen Pflegetätigkeit zu widmen, und die öffentliche Gesundheit und Sicherheit zu verbessern. Diese Vorteile können jedoch aufgrund einer fragmentierten Politik-, Daten- und Technologiebasis bislang nur in begrenztem Umfang erreicht werden“, heißt es darin. So gibt es zwar einige neue Digitalgesetze – wie das Gesundheitsdatennutzungsgesetz –, die eine solide Grundlage für die Förderung von KI im Gesundheitswesen bieten, die vorsichtige Auslegung der Datenschutzvorschriften bremsen deren Innovationskraft allerdings aus. Gleichzeitig erschweren „Unterschiede in der Datenerhebung und den Datenstandards zwischen den Akteuren und über die Bundesländer hinweg (...) die Entwicklung von KI-Lösungen und deren Integration in das deutsche Gesundheitssystem“. „Diese mangelnde Interoperabilität kann in mehrfacher Hinsicht zu Ineffizienz und Schäden führen“ – etwa dadurch, dass Tests unnötig wiederholt werden müssen oder dass potenzielle Arzneimittelwechselwirkungen übersehen werden.

Auch die menschliche Komponente darf nicht unterschätzt werden: 23 Prozent der Bevölkerung empfinden Angst gegenüber KI, und viele zweifeln an der Vertrauenswürdigkeit der Regierung als Datenverwalter. Der Report warnt: „Wenn das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Nutzung von KI-Lösungen außer Acht gelassen wird, besteht das Risiko, dass viele Menschen in Deutschland sich gegen eine Nutzung ihrer Daten für legitime öffentliche Zwecke, wie die Verbesserung der Patientensicherheit oder die Vorbereitung auf zukünftige Notfälle im Bereich der öffentlichen Gesundheit, entscheiden.“ Ähnliches gilt für die Leistungserbringer: Werden ihre Perspektiven bei der Entwicklung der Lösungen ignoriert, könnte dies eine ablehnende Haltung nach sich ziehen. Beispielsweise aufgrund des befürchteten zusätzlichen Verwaltungsaufwands.

Um das Vertrauen zu stärken, empfehlen die Autoren, neben der Einbeziehung dieser Interessengruppen, Aufsichts- und Kontrollmechanismen. Gleichzeitig soll gezielter Wissensaufbau das Misstrauen senken. Die Forschung zeige schließlich, dass die Akzeptanz von KI mit der Technikaffinität der Menschen zusammenhängt. Darüber hinaus müssen klare regulatorische Leitlinien für den Zugang zu Gesundheitsdaten ausgearbeitet werden. „Ein solcher Ansatz würde Szenarien, in denen Daten niemals verwendet werden dürfen, Szenarien, in denen eine ausdrückliche Einwilligung erforderlich ist, und Szenarien, in denen Daten zum Schutz der Allgemeinheit und des Gemeinwohls weitergegeben werden müssen, definieren.“ Es bedarf zudem einer Strategie und eines Rahmens für die Governance und Interoperabilität von Gesundheitsdaten, einschließlich Rechenschaftspflicht, Roadmap, Messungen, finanziellen Anreizen und Aufsicht.

Den gesamten Bericht können Sie hier einsehen:

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