Interview mit einem Pflegedirektor

Klinikum Leverkusen: „Typisch kommunales Krankenhaus“

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Sie möchten sich ja in Zukunft auch digital unabhängiger aufstellen. Wie stellen Sie sich das vor? Was heißt digitale Unabhängigkeit für Sie?

Klimkait: Wir sind in gewisser Weise abhängig – und das meine ich ganz wörtlich. Wenn man auf Papier dokumentiert, ist man nur davon abhängig, dass das Papier vorhanden ist. Je mehr wir aber digitalisieren, desto mehr sind wir von Firmen abhängig, die diese digitalen Lösungen bereitstellen.
Ich nehme jetzt mal unsere digitale Kurve als Beispiel. Wir sind darauf angewiesen, dass die Kolleginnen und Kollegen gute Arbeit leisten, damit die Kurve funktioniert. Je mehr IT-Systeme wir nutzen, die miteinander vernetzt sind und ineinandergreifen, desto stärker macht uns das natürlich auch abhängig von externen Firmen. Deshalb müssen wir sehr genau darauf achten, Unternehmen auszuwählen, die verlässlich sind und uns ihre Produkte dauerhaft zuverlässig bereitstellen.
Gleichzeitig müssen wir darauf achten, nicht in eine Abhängigkeit zu geraten, wie wir das bei den KIS-Herstellern beobachten können. Das haben wir hier ja auch häufig gehört – immer wieder geht es um das Thema Monolithen und die großen KIS-Hersteller. Genau das wollen wir künftig vermeiden: Wenn man an einer Stelle merkt, dass ein Produkt vielleicht nicht mehr zeitgemäß ist oder sich der Markt verändert hat, sollte man nicht vor unüberwindbaren Hürden stehen. Es ist einfacher, umzuschwenken oder sich neu aufzustellen. Genau das ermöglicht Interoperabilität, etwa über FHIR.
Abhängigkeit von Firmen lässt sich natürlich jetzt nicht mehr ganz vermeiden. Die Abhängigkeit reicht inzwischen bis hin zu WLAN. Wir sind darauf angewiesen, dass unser WLAN funktioniert und die Telekom – oder wer auch immer – uns vernünftiges Internet zur Verfügung stellt. Also Digitalisierung wird auf jeden Fall immer mehr zum Thema und wird sich aber auch stets verändern.
Wir denken da mittlerweile auch ganz anders. Wir versuchen Prozesse mehr zu vereinfachen. Aber ich sage mal, auch eine digitale Telefonanlage bringt alleine schon so viele verschiedene Themen mit sich. Wir werden auf jeden Fall auch da unsere Arbeitsprozesse ändern.
Wir werden immer digitaler am Patienten. Früher war es so, man hat den Patienten untersucht, ist an den Schreibtisch gegangen und hat dann irgendwas in ein digitales Medium getippt. Ich glaube, in ein paar Jahren wird das ganz anders sein. Wir werden immer mehr direkt am Patienten arbeiten – mit Technologien wie Temperaturpflastern oder ähnlichen Systemen, die es ermöglichen, Daten sofort zu erfassen und zu übernehmen.

Der Mitarbeiter scannt sich einmal mit dem Scanner ein, dann wird der Patient am Patientenarmband identifiziert.

Und direkt am Patienten arbeiten Sie auch mit einem Scanner – wie genau läuft das bei Ihnen ab?

Klimkait: Genau, also der Scanner ist für uns ein einfaches Hilfsmittel, was uns aber auch das Leben erheblich vereinfacht. Beim Blutdruckmessen mit unserer Messstation ist es beispielsweise so, der Mitarbeiter scannt sich einmal mit dem Scanner ein, dann wird der Patient am Patientenarmband identifiziert. Bei ihm wird der Blutdruck, die Temperatur, die Sauerstoffsättigung und der Puls gemessen. Dann fliegen die Daten automatisch in die digitale Kurve und keiner muss irgendwas dafür aufrufen – es sei denn, die Schnittstelle funktioniert nicht.
Das ist ein Beispiel dafür, was uns das Leben wahnsinnig erleichtert – ein ganz kleines Detail, aber einfach zu lösen wie das Abscannen von Chargennummern bei einem Konzert oder ähnlichen Dinge. Und das wird bisher auch ganz gut angenommen,
Das sind die Dinge, wenn die einmal richtig funktionieren, dann wird das sehr gut angenommen. Man muss sie nur einmal zum Laufen bringen.
Auch da gibt es oft kleinere Hürden, die man überwinden muss – für vermeintlich total einfache Aktionen. Aber schließlich sind das ja die Dinge, die uns den Arbeitsalltag leichter machen. Eine digitale Dokumentation macht es nicht leichter zu dokumentieren, und oft auch nicht schneller.
Zum Beispiel die überall verfügbare Kurve: Ich rufe einen Arzt an, und er kann direkt von dort, wo er gerade ist, in die digitale Kurve schauen. Ich muss nicht warten, bis er von der Visite zurück ist, und kann trotzdem schon einen Pflegebericht schreiben – solche Sachen eben.
Das sind genau die Dinge, die uns an vielen Stellen das Leben erleichtern.

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