Tag der Rückengesundheit Mit KI gegen chronische Schmerzen

Von Johannes Kapfer 3 min Lesedauer

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Rückenschmerzen zählen in Deutschland zu den häufigsten Formen chronischer Schmerzen. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) nutzt den Tag der Rückengesundheit am 15. März, um für eine bessere Prävention und Versorgung zu sensibilisieren. Insbesondere die Bedeutung rechtzeitiger spezialisierter Behandlung sowie der Erfordernis eines umfassenden Konzepts zur modernen Schmerztheraphie wird dabei in den Vordergrund gerückt.

Insbesondere bei „falschem“ Sitzen können Rückenschmerzen häufig unerkannt entstehen und die Produktivität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer massiv einschränken.(Bild: ©  AS/peopleimages.com - stock.adobe.com)
Insbesondere bei „falschem“ Sitzen können Rückenschmerzen häufig unerkannt entstehen und die Produktivität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer massiv einschränken.
(Bild: © AS/peopleimages.com - stock.adobe.com)

Rückenschmerz ist ein Symptom mit unterschiedlichen Ursachen. Von Muskel- und Gelenkproblemen bis hin zu Veränderungen im Bereich des Spinalkanals kann vieles eine Rolle spielen. Besonders unfallbedingte Rückenschmerzen durch Stürze beim Wintersport oder auf vereisten Wegen treten häufig auf. Problematisch werde es, wenn nicht rechtzeitig und richtig reagiert wird, denn dann könnten sich schnell chronische Beschwerden entwickeln, heißt es vonseiten der DGS.

Von chronischem Rückenschmerz spreche man, wenn Beschwerden länger als drei bis sechs Monate bestehen. Dies sei zunächst eine zeitliche Definition und keine Prognose. Entscheidend sei jedoch, dass in dieser Phase neben körperlichen Faktoren auch Schlafstörungen, Stress, Ängste oder depressive Verstimmungen eine bedeutende Rolle spielen. Der Schmerz entwickele sich dabei zu einem eigenständigen Krankheitsbild, welches eine multimodale Therapie erfordere, die Bewegung, medizinische Behandlung und psychologische Aspekte kombiniere.

Das Versorgungssystem ist gestuft aufgebaut, doch wenn Schmerzen chronisch werden und Standardtherapien nicht greifen, sollte eine spezialisierte Schmerztherapie erfolgen. Auch Fachärzte stoßen hier an ihre Grenzen. Eine Überweisung zu einem Arzt oder einer Ärztin mit der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ sei dann das Gebot der Stunde. Dort stünden deutlich erweiterte Therapieoptionen zur Verfügung, etwa spezialisierte medikamentöse Strategien, interventionelle Verfahren oder strukturierte multimodale Programme.

Bei der Frage nach operativen Eingriffen gelte es zu differenzieren. Akute Fälle mit Warnsignalen wie Lähmungen, Schwäche in den Beinen oder Entzündungen erforderten rasches Handeln. In solchen Situationen könne eine Operation notwendig sein, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Bei chronischen Rückenschmerzen hingegen würden zunächst alle konservativen und multimodalen Therapieoptionen ausgeschöpft. Die Schmerzmedizin arbeite dabei interdisziplinär und stimme sich eng mit Orthopädie, Neurochirurgie, Psychologie und weiteren Fachrichtungen ab. Eine operative Maßnahme erfolge nur dann, wenn sie medizinisch wirklich indiziert ist und im gemeinsamen Konsens aller beteiligten Disziplinen sinnvoll erscheint.

Der verständliche Wunsch vieler Betroffener nach vollständiger Schmerzfreiheit lasse sich nicht immer realisieren. Das vorrangige Ziel sei es daher vielmehr, Schmerz zu reduzieren und Funktion wiederherzustellen. Chronischer Schmerz ließe sich nicht einfach „wegoperieren oder wegmedikamentieren“, so DGS-Präsident Dr. Richard Ibrahim. Entscheidend sei, dass Patienten wieder aktiv würden, Bewegungen nicht aus Angst vermeiden und lernen würden, mit dem Schmerz umzugehen, ohne dass er ihr Leben bestimme.

Digitale Tools und künstliche Intelligenz spielten dabei eine zunehmend wichtige Rolle als Ergänzung zur ärztlichen Behandlung, betont Dr. Ibrahim. In der Sprechstunde bleibe oft wenig Zeit für ausführliche Erklärungen oder wiederholte Anleitungen. Rückenschmerz-Apps auf Rezept, Podcasts oder virtuelle Anwendungen ermöglichten es, Inhalte zu vertiefen, Übungen regelmäßig durchzuführen und Ängste vor Bewegung abzubauen. KI könne dabei Fehlhaltungen erkennen und Übungen individuell anpassen. Diese digitalen Hilfsmittel würden zwar keine ärztliche Behandlung ersetzen, diese aber wirkungsvoll unterstützen. Gerade bei chronischen Rückenschmerzen könnten sie helfen, langfristig Verhaltensänderungen zu stabilisieren.

Über die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin können Betroffene unter www.dgschmerzmedizin.de sowie bei deren Landeszentren in allen Bundesländern Informationsangebote wahrnehmen. Haus- und Fachärzte können zudem gezielt an spezialisierte Schmerzmediziner überweisen.

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