OrthoKids-Studie und digitale Plattform Orthopädische Kindervorsorge stärken

Von Serina Sonsalla 3 min Lesedauer

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Aus einer Studienplattform wird eine offene Telehealth-Lösung für alle: OrthoKids bietet ein orthopädisches Präventionsprogramm für Kinder zwischen zehn und 14 Jahren – mit Übungen zur Körperwahrnehmung, Fitness-Trainings und Tipps zum Schutz vor Verletzungen.

Früher erkennen, besser vorbeugen – OrthoKids als Modellprojekt für die digitale Gesundheitsvorsorge von Kindern und Jugendlichen.(Bild: ©  Lucas – stock.adobe.com / KI-generiert)
Früher erkennen, besser vorbeugen – OrthoKids als Modellprojekt für die digitale Gesundheitsvorsorge von Kindern und Jugendlichen.
(Bild: © Lucas – stock.adobe.com / KI-generiert)

Viele Auffälligkeiten und Fehlbildungen im Skelettsystem von Kindern und Jugendlichen bleiben unentdeckt. Denn der Körper durchläuft in diesen Phasen mehrere Entwicklungsstufen – gerade in dieser Zeit kann sich das Skelettsystem stark verändern. In der regulären Vorsorgeuntersuchung durch Kinder- und Jugendärzte findet zwar eine Überprüfung statt, aber eine spezialisierte orthopädische Kontrolle fehlt bislang in der Regelversorgung. Da deshalb Fehlentwicklungen und Auffälligkeiten häufig übersehen oder zu spät erkannt werden, wurde das Projekt „OrthoKids“ geschaffen.

Unter Leitung der Kassenärztlichen Vereinigung BaWü (KVBW) wird das Projekt über einen Zeitraum von vier Jahren in ganz Baden-Württemberg durchgeführt. Mithilfe von Fördermitteln des Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und Partnern wie der Universität zu Köln, der orthopädischen Klinik des Olgahospitals und dem Fraunhofer-Institut FOKUS, soll die Früherkennung und Prävention verbessert werden. Das Ziel ist aber nicht nur ein rechtzeitiges Einschreiten – auch unnötige Therapien, aufwendige, kostspielige Sekundärtherapieformen sollen vermieden werden.

Die begleitende klinische Studie stützt dies schließlich auf wissenschaftlicher Basis, sodass künftig eine orthopädische Vorsorgeuntersuchung für Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren in die Regelversorgung aufgenommen werden kann. Die Studie wertet dazu die Ergebnisse sowie die Behandlungserfolge aus.

Die OrthoKids-Studie

Die Studie wurde bereits im Sommer dieses Jahres abgeschlossen und untersuchte im Zeitraum von Juli 2021 bis Juni 2025 mehr als 11.500 Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 13 Jahren in Baden-Württemberg. Während den Untersuchungen wurde eine hohe Rate an Wirbelsäulendeformitäten festgestellt: Etwa sechs Prozent der untersuchten Kinder wiesen eine Skoliose auf – fast sechsmal so viele wie in der historischen Kontrollgruppe aus den Kassendaten (1,1 Prozent). Außerdem zeigten viele Kinder und Jugendliche ausgeprägte Haltungsschäden und muskuläre Dysbalancen, die sonst eher von Erwachsenen bekannt sind.

Plattform und Tools

Im Rahmen des Projekts werden Eltern und Kinder durch ein digitales Präventionstool und eine Präventionsberatung unterstützt. Eine App führt Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema heran und motiviert sie, empfohlene Übungen und Maßnahmen in ihren Alltag zu integrieren – mit Informationsangeboten, Ernährungstipps, Ratschlägen zur Vorbeugung von Sportverletzungen und -unfällen, Übungsvideos, interaktiven Fragebögen und sogar einem Gewinnspiel.

Außerdem entwickelte das Fraunhofer-Institut FOKUS eine digitale Studienplattform, in welcher die Untersuchungsdaten erfasst, verarbeitet und eingesehen werden können, zum Beispiel zu Diagnosen, Therapien, Terminerinnerungen und Antworten aus den Fragebögen. So dient die Plattform gleichzeitig als Kommunikations-, Informations- und Interventionsmedium für alle Studienteilnehmer. Dazu zählen beispielsweise die Eltern, Kinder, Ärztinnen und Ärzte, Studienkoordinatoren und Studienkoordinatorinnen.

Zentrale Dienste

  • Studienmanagement, z. B. Registrierung und Einwilligung aller Akteure, Erinnerungen, Alarme, Visualisierung von studienrelevanten Aktivitäten
  • Teilnehmermanagement, z. B. initiale Assessments, begleitende Übungen, Datenerfassung über Fragebögen, Tipps für Alltag und Ernährung, Arztsuche, Gamification-Elemente
  • Datenmanagement, z. B. Filter- und Statistikfunktionen, Plausibilitätschecks, Qualitätssicherung, Datenexporte
  • Sicherheit und Datenschutz, z. B. Pseudonymisierung und Anonymisierung, Verschlüsselungstechnologien, Betroffenenrechte

Positive Aussichten

Derzeit werden die Abschluss- und Evaluationsberichte erstellt. Die Ergebnisse werden voraussichtlich im Frühjahr 2026 auf der Webseite des Innovationsausschusses beim G-BA veröffentlicht.

Die Erfahrungen sind bisher aber sehr positiv: Dr. Michael John von Fraunhofer FOKUS erklärte, dass die entwickelten Anwendungen auch in künftigen Projekten weiter ausgebaut und für andere medizinische Fragestellungen nutzbar gemacht werden sollen. „Unsere standardbasierte Studienplattform wollen wir nun zu einer offenen Telehealth-Plattform für alle ausbauen“, so John. „Wir wollten mit dem Projekt OrthoKids eine neue technologische Basis auch für zukünftige Studienprojekte entwickeln. Dies ist uns gelungen, indem wir frühzeitig auf den FHIR-Standard gesetzt haben.“

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