Die Rettung deutscher Krankenhäuser?

Telemedizin: Eine Roadmap zum Erfolg in sieben Schritten

< zurück

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Sachsen-Anhalt: Vom Sorgenkind Deutschlands zum Vorreiter

Neben der mangelhaften Digitalisierung der Krankenhäuser kommt im Gesundheitswesen ein weiteres altbekanntes Problem hinzu, das unser System zu überlasten droht: die Abwanderung von Fachkräften aus den neuen Bundesländern. Vor allem in ländlichen Regionen kann so die Gesundheitsversorgung langfristig nicht aufrechterhalten werden. Ein Beispiel dafür ist Sachsen-Anhalt. Dort sind 30 Prozent der Haus- und Fachärzte über 60 Jahre alt. Zudem steigt der Anteil von Teilzeit-Kräften im Gesundheitswesen kontinuierlich.

Das Bundesland plant eine mehrstufige Versorgung in den Krankenhäusern. Das bedeutet: Nicht alle Fachkompetenzen werden mehr in jeder Einrichtung verfügbar sein. Periphere Krankenhäuser müssen demzufolge ihre Leistungen besser miteinander koordinieren. Voraussetzung hierfür: die Implementierung eines telemedizinischen Unterstützungssystems. Die Implementierung soll ärztliche Dienstleistungen überall und jederzeit verfügbar machen, indem sie Telekonsultationen und den Austausch von Patientendaten ermöglicht. Um die erfolgreiche Einführung sicherzustellen und die Nutzung durch Ärzte zu gewährleisten, ist es entscheidend, die Bedürfnisse der Endnutzer bereits im Designprozess zu berücksichtigen.

Sieben Schritte zum Erfolg

  • 1. Soziale Akzeptanz schaffen:
    Während der COVID-19-Pandemie hat Telemedizin bei Gesundheitsdienstleistern an Akzeptanz gewonnen. Dies geschah, weil physische Treffen und Konferenzen, wie etwa Tumor Boards, vermehrt online abgehalten wurden, was Zeit und Reiseaufwand für die Ärzte und Patienten reduzierte. Befragte Ärzte bestätigten, dass die Pandemie die Digitalisierung beschleunigte und die Durchführung von Tumorkonferenzen in diesem Format ermöglichte – sogar mit Partnern aus der Ferne.
  • 2. Systemintegration:
    Eine entscheidende Herausforderung für die Telemedizin besteht darin, nahtlos in bestehende Krankenhausinformations- und Behandlungssysteme integriert zu werden. Ärzte und Pflegekräfte bevorzugen es, in ihren vertrauten Systemen zu arbeiten und sehen die Notwendigkeit, zwischen verschiedenen Plattformen hin- und her zuschalten, als hinderlich für ihre Patientenversorgung.
  • 3. Intuitive Routine:
    Um die Akzeptanz zu fördern, sollte die Nutzung von Telemedizin zur täglichen oder wöchentlichen Routine der Ärzte werden. Dies erfordert eine Normalisierung und Internalisierung der Verwendung, damit Ärzte diese Technologie regelmäßig nutzen. Vor allem müssen die medizinischen Anwendungsfälle mit Bedacht gewählt werden: Eine Anwendung muss dabei oft in Gebrauch sein, was nur funktioniert, wenn ihr Nutzen dementsprechend hoch ist. Einigen Anwendern mangelt es an Vertrautheit mit den erforderlichen Technologien, was zu Unsicherheit und Skepsis führen kann. Es ist wichtig, dabei im Hinterkopf zu behalten, dass gegebenenfalls jahrelange Routinen anpasst werden müssen, was zusätzlich belastend sein kann.
  • 4. Interoperabilität zwischen Krankenhäusern:
    Es muss eine Interoperabilität zwischen verschiedenen Krankenhäusern und deren Systemen gewährleistet sein, um eine effiziente Kommunikation und einen reibungslosen und sicheren Datenaustausch zu ermöglichen. Ist dies nicht gegeben, besteht die Gefahr, dass hochsensible Patientendaten alternativ über veraltete Systeme ausgetauscht würden. Dies gilt es zu vermeiden.
  • 5. Intuitives Design:
    Das User-Interface von Telemedizinplattformen sollte äußerst benutzerfreundlich und intuitiv gestaltet sein, um die Navigation und Verwendung so einfach wie möglich zu gestalten. Ärzte und Pflegekräfte möchten sich auf die Patientenversorgung konzentrieren und keine Zeit mit komplizierten IT-Systemen verschwenden.
  • 6. Reliabilität und Stabilität des Systems:
    Ein wesentlicher Aspekt der Telemedizin ist die zuverlässige und stabile Funktion des Systems, insbesondere in stressigen Situationen wie Notfällen oder Nachtdiensten. Ärzte müssen sich jederzeit auf die Technologie verlassen können. Daher sind entsprechende Stakeholder schon beim Design einzubeziehen. Des Weiteren gibt es Bedenken hinsichtlich der Haftung und des Datenschutzes bei der Nutzung von Telemedizin-Plattformen, da die sichere Übertragung und Speicherung von vertraulichen Patientendaten von großer Bedeutung sind.
  • 7. Trainings und Support-Strukturen:
    Die Einführung von Telemedizin sollte von frühzeitigem Einbeziehen der Nutzer sowie Schulungs- und Einführungsveranstaltungen begleitet werden, um sicherzustellen, dass die Plattform effektiv genutzt werden kann. Zudem ist ein kontinuierlicher technischer Support erforderlich, um Probleme schnell zu beheben und sicherzustellen, dass die Plattform reibungslos funktioniert – und zwar während der gesamten Nutzungsdauer.

Offene Kommunikation als das A und O

Die ersten Schritte in die richtige Richtung sind bereits gemacht und obwohl es nach einem gewaltigen Unterfangen für Wirtschaft, IT und Krankenkassen klingt, können wir durch einige vordefinierte Maßnahmen die Herausforderungen meistern, wie die oben angeführte 7-Punkte Roadmap zeigt. Allem voran ist es wichtig, unsere Einstellung zur Telemedizin grundlegend zu ändern. Offene Kommunikation mit allen Beteiligten – seien es Patienten, Ärzte oder IT-Experten – ist von entscheidender Bedeutung.

Digitalisierung ist ein anspruchsvoller Weg, der Entschlossenheit und auch Mut und Risikofreudigkeit erfordert. Gleichzeitig dürfen Bedenken in Bezug auf Telemedizin nicht leichtfertig abgetan werden, sondern müssen offen besprochen werden. Der Datenschutz darf zum Beispiel keinesfalls der technologischen Aufgeschlossenheit zum Opfer fallen, daher soll Kommunikation die Anforderungen der Telematikinfrastruktur erfüllen. Es müssen aber andererseits nicht immer gleich alle Funktionalitäten und Details im Vorhinein geklärt sein. Unser oberstes Ziel sollte es sein, schnell einen Mehrwert zu schaffen und weiterhin in digitale Technologien zu investieren, die unseren Alltag rasch und effizient verbessern können. Der wichtigste Schritt ist, anzufangen.

Zu den Autoren

  • Dr. Patrick Heiler, Director Healthcare bei IG&H
  • Jens Schneider, Leiter Projekt- und Prozessmanagement am Universitätsklinikum Halle
  • Nik Müller, Master „Management und Entrepreneurship in Health and Life Sciences“

(ID:49763159)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung