Telemedizin Kongress Süd: Aufzeichnung steht bereit Telemedizin: intersektoral und länderübergreifend

Von Nicola Hauptmann 3 min Lesedauer

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Eine Tele-Emergency-Unit in München, die Krankenhäuser in Friesland unterstützt; Auswertung von Smart Metern oder Vitaldatenerhebungen per Kamera: Es gibt Lösungen für die Herausforderungen im Gesundheitswesen. Der Telemedizin Kongress Süd stellte dazu spannende Projekte vor – die Aufzeichnung steht nun auch online bereit.

Dr. Eimo Martens, Vorstandsmitglied der DGTelemed und Leiter des Telemedizin-Zentrums (TMZ) am Klinikum rechts der Isar der TUM, moderierte den Kongress, Dr. Franziska Hahn stellte zwei Projekte des TMZ vor.(© ZTG)
Dr. Eimo Martens, Vorstandsmitglied der DGTelemed und Leiter des Telemedizin-Zentrums (TMZ) am Klinikum rechts der Isar der TUM, moderierte den Kongress, Dr. Franziska Hahn stellte zwei Projekte des TMZ vor.
(© ZTG)

Der zweite Telemedizin Kongress Süd der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin e. V. (DGTelemed) und des ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH fand auch in diesem Jahr in virtueller Form statt. Dr. Eimo Martens, Leiter des Telemedizin-Zentrums am Klinikum rechts der Isar der TUM (TMZ) und Vorstandsmitglied der DGTelemed, hat die Veranstaltung maßgeblich organisiert. Im Kern ging es um die Frage, wie DigitalHealth zur Bewältigung der Strukturveränderungen in der Gesundheitsversorgung beitragen kann. „Wie können wir die Krankenhausreform und die damit verbundenen Versorgungsveränderungen auch mit modernen Technologien anpacken?“, formulierte es Eimo Martens in seinem Eingangsstatement. Vorgestellt wurden verschiedene Projekte in Bayern, aber auch darüber hinaus, die diese Herausforderung angehen.

Tele-Emergency-Unit aus München

Welche Möglichkeiten sich durch die Ortsunabhängigkeit der Telemedizin ergeben, zeigte das Pilotprojekt des TMZ, bei dem ein Krankenhausverbund in Ostfriesland mittels einer 24/7- Telemonitoring-Plattform von München aus unterstützt wird.

Dabei übernimmt das Pflegeteam vor Ort zunächst die Triage: Dringende Fälle werden weiter verlegt, während die Patienten mit einer nicht-dringenden Einstufung telemedizinisch vorgestellt werden. Dazu erheben die Pflegenden zunächst vor Ort die nötigen Befunde (EKG, Vitalparameter-Monitoring, Blut- und Urinanalysen), die übermittelt und per Videokonferenz mit den Ärzten in München besprochen werden, die anschließende Untersuchung erfolgt ebenfalls telemedizinisch.

Dr. Franziska Hahn, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Klinikum rechts der Isar der TUM (© ZTG)
Dr. Franziska Hahn, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Klinikum rechts der Isar der TUM
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Akzeptanz und Zusammenarbeit seien sehr gut, so Franziska Hahn, ebenso die Datenübermittlung, Videokonferenzen und Arztbriefrückübermittlung. Hürden zeigten sich noch bei Firewall-Updates; zu berücksichtigen sei auch, dass telemedizinische Untersuchungen weitaus länger dauern als vor Ort.

Vitalparameter per Kamera erheben

In Kliniken werden wieder und wieder Vitalparameter der Patientinnen und Patienten erhoben. Mohtadi Ben Fraj von Caire AI zeigte auf, welche Kosten damit verbunden sind, vor allem aber, wie es künftig schneller und einfacher laufen könnte.

Mohtadi Ben Fraj, Caire AI(© ZTG)
Mohtadi Ben Fraj, Caire AI
(© ZTG)

Indem nämlich die nötigen Daten durch spezielle Kameras erhoben werden, ganz ohne spezielle Sensoren und Devices. Das Anwendungsspektrum geht über die Kliniken weit hinaus, es kann perspektivisch u.a. in Pflegeeinrichtungen und zuhause genutzt werden.

Sensoren spielen auch beim Projekt der TH Deggendorf eine wichtige Rolle, das Prof. Dr. Florian Wahl vom Technologie Campus Grafenau vorstellte. Das Projektteam untersucht, wie Wearables, KI und Robotik die Pflege unterstützen können. Eine Möglichkeit sind Datenbrillen, aus deren Aufzeichnungen sich mittels KI bestimmte Aktivitäten erkennen lassen wie Kochen, Zähneputzen oder Essen. Ein ganz anderer Ansatz ist die Auswertung von Smart Metern, etwa für Strom oder Wasser. Damit können einzelne Geräte identifiziert und somit bestimmte Tätigkeiten erkannt werden. Fällt nun auf, dass die Patienten zum Beispiel Mahlzeiten auslassen, kann reagiert werden.

Ein Vorteil solcher Methoden ist auch, dass Datenmessung über einen längeren Zeitraum auch objektive Einschätzung der Pflegebedürftigkeit und somit eine faire Eingruppierung in Pflegestufen ermöglicht.

Als weitere Projekte wurden vorgestellt:

  • digiOnko zur Krebs-Vorsorge, Früherkennung und Diagnostik für Frauen (Dr. Hanna Hübner vom Universitätsklinikum Erlangen)
  • ein Projekt zum KI-gestützten Tuberkulose-Screening in Vietnam (Huy Huynh vom Freundeskreis für Internationale Tuberkulosehilfe e.V.)
  • Ergebnisse der Basispilotierung in der TI-Modellregion Franken sowie zum Gesundheitsnetzwerk Franken – Health Care BY your Side (Laura Stahl, Bayern Innovativ) sowie
  • ein weiteres Projekt des TMZ München.

In einer abschließenden Runde wurde diskutiert, wie solche Projekte letztlich auch den Weg in die digitale regionale Versorgung finden können. Interoperabilität und offene Schnittstellen bilden die Grundlage, darüber hinaus wird aber auch Kommunikation als sehr wichtig erachtet.

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