Digitale Ökosysteme Wie die ländliche Gesundheitsversorgung von der Vernetzung profitiert

Ein Gastbeitrag von René Martin 4 min Lesedauer

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Eine flächendeckende und hochwertige Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung ist von zentraler Bedeutung. Bedauerlicherweise sinkt gerade im ländlichen Raum das Angebot aufgrund fehlender Nachfolger in den Praxen und wenig neuen Ansiedlungen von Ärztinnen und Ärzten. Eine vielversprechende Lösung können gemeinschaftliche digitale Versorgungskonzepte im Gesundheitsmarkt sein.

Die medizinische Versorgung auf dem Land muss sichergestellt werden.(©   Govindamarudhai via Canva.com)
Die medizinische Versorgung auf dem Land muss sichergestellt werden.
(© Govindamarudhai via Canva.com)

Laut dem „Bündnis Klinikrettung“ mussten 2023 22 Krankenhäuser in Deutschland schließen, etwa hundert weitere sind akut gefährdet. Mindestens 66 Krankenhausschließungen verzeichnet das Bündnis seit 2020. Der ländliche Raum ist dabei am stärksten betroffen, eine medizinische Unterversorgung ist die Folge.

Die Lage bei den Apotheken ist nicht besser: Bundesweit ging die Zahl um 222 auf aktuell 17.825 Apotheken zurück. Damit gibt es so wenige Apotheken wie seit 40 Jahren nicht mehr. Zwar schließen diese nicht nur im ländlichen Raum, sondern ebenso im städtischen Bereich, aber für die Landbevölkerung sind die Folgen gravierender.

Lösungsansatz: Gemeinschaftliche digitale Versorgungsprozesse

Um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu gewährleisten, hilft moderne Netzwerktechnologie. Dabei werden sämtliche Gesundheitsdienstleister eines definierten Raumes sektorenübergreifend miteinander verbunden. Wichtige Stützen der medizinischen Grundversorgung abseits der Großstädte sind heute größere Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren (MVZ). Das Ziel sollte es deshalb sein, diese mit Einrichtungen angrenzender Fachdisziplinen und Berufen zu vernetzen.

Dafür werden regionale Gesundheitszentren und -netzwerke aufgebaut, in denen Krankenhäuser, MVZs, Arztpraxen, Apotheken, Pflegedienste, Labore und Sanitätshäuser bei der Behandlung und Versorgung der Bevölkerung zusammenarbeiten. Ein solches Konzept kann die Gesundheitsversorgung erheblich verbessern. Es funktioniert aber nur, wenn dem Netzwerk eine gesicherte Datenbasis über Patientinnen und Patienten zugrunde liegt und vertrauenswürdige und geschützte Kommunikationskanäle von allen Beteiligten einheitlich genutzt werden. Der hundertprozentigen Sicherheit von sensiblen, personenbezogenen Daten kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Die Basis für Gesundheitsnetzwerke: Datenschutz und Sicherheit

Die Grundlage für einen gesetzeskonformen und effizienten Informationsaustausch entlang des digitalen Patientenpfads ist ein geschlossenes digitales Netzwerk, in dem alle involvierten Gesundheitseinrichtungen Patientendaten und -informationen, die für die Versorgung relevant sind, generieren und bedenkenlos austauschen können. Sicherheit hat in diesem hochsensiblen Umfeld höchste Priorität, damit Daten nicht in die falschen Hände gelangen oder gar öffentlich werden. Nicht von ungefähr gehören viele Einrichtungen und Anlagen des Gesundheitswesens zu den als KRITIS definierten Bereichen: Auch das Digitalgesetz DigiG und die NIS-2-Richtinie verpflichten zur Einhaltung von IT-Sicherheit und Datenschutz.

Am Anfang steht eine zeitgemäße, sichere Netzwerktechnik

Den Weg dorthin ebnen digitale Ökosysteme, innerhalb derer sich die verschiedenen Gesundheitsdienstleister mit einer zeitgemäßen und sicheren Health-IT-Infrastruktur ausstatten können. Denn Dreh- und Angelpunkt für die digitale Vernetzung und Zusammenarbeit sowie den rechtskonformen Patientendatenaustausch ist eine sichere und vertrauenswürdige Netzwerkinfrastruktur.

Bei der Umsetzung empfiehlt sich die Auslagerung an spezialisierte IT-Profis, die dafür sorgen, dass die Netzwerkinfrastruktur – Firewall, Router, Switches und WLAN Access Points – nicht nur professionell installiert wird, sondern auch technologisch immer auf dem aktuellen Stand ist und sicher bleibt. Dazu gehören Patches, Software-Updates und eine regelmäßige Wartung, die im Vertrag inkludiert sind. Rundum-Sorglos-Pakete bieten all diese Leistungen zu konstanten, monatlichen Nutzungsentgelten.

Schritt 2: Ausbau zum Versorgungscluster

Im nächsten Schritt werden die Einrichtungen, die sich mit einer sicheren Health-IT-Infrastruktur ausgestattet haben, über eine Health-IT-Clusterlösung zum übergreifenden Versorgungscluster erweitert.

Die Kombination aus einzelnen Health-IT-Infrastruktur(en) und übergreifender Health-IT-Clusterlösung erlaubt es, multiple Datenverbindungen zwischen Kliniken, Praxen, Laboren und Therapeuten aufzubauen. So entstehen geschlossene Kommunikationsnetzwerke für den schnellen und sicheren Datenaustausch zwischen Gesundheitsdienstleistern.

Bei größeren Einrichtungen kann es auch sinnvoll sein, Gesundheitsdienstleister im Home Office mit einem dezentralen Zugang (etwa über Trusted Access Clients) auszustatten und so den Weg für die telemedizinische Versorgung der Patienten zu ebnen.

Ein wichtiges Kriterium beim Aufbau solcher Lösungen ist Flexibilität. Die Health-IT-Clusterlösungen sollten sich bedarfsgerecht erweitern lassen. Auch hier gilt: Spezialisierte Systemhäuser installieren, überwachen und verwalten idealerweise das Versorgungsnetzwerk. Die Gesundheitsdienstleister werden durch die Auslagerung an IT-Profis von fachfremden Aufgaben entlastet. Sie können ihre Ressourcen voll und ganz in ihre eigentlichen Aufgaben und die Patientenversorgung einsetzen.

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Fazit: Alle Beteiligten profitieren

Der Aufbau eines digitalen Ökosystems kommt allen Beteiligten zugute: Ob Klinik, Behandlungszentrum, Fachpraxis, Pflegeeinrichtung, Physiotherapeut, Apotheke oder Sanitätshaus – sie alle sind immer auf dem Laufenden und profitieren von transparenten sowie reibungslosen Abläufen entlang des kompletten Versorgungspfades.

Die Patienten können auf eine umfassende Behandlung in hoher Qualität zählen: Für sie können frühzeitig Termine vereinbart, Fachkräfte für Diagnostik, Therapie und Pflegemaßnahmen geblockt oder Medikamente und Hilfsmittel bestellt werden. Mit diesem zeitgemäßen Service sparen sie Wege, Zeit und Facharzt-Odysseen.

Das Personal wird im Praxis-, Pflege- und Klinikalltag entlastet und kann sich auf qualifizierte Tätigkeiten zugunsten des Patientenwohls konzentrieren. Die Leitungserbringer können die Ressourcen effizienter planen sowie Abläufe optimieren. Aber auch Staat und Krankenkassen sind Nutznießer, weil Versorgungslücken auf diese Weise geschlossen werden können.

Der Autor

René Martin, Gesundheitsökonom und Telematikexperte beim deutschen Netzwerkhersteller LANCOM Systems.

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