Zettelwirtschaft im Gesundheitswesen

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Keine Sicherheit, keine Digitalisierung?

Verbunden werden Ärzte in Kliniken und Praxen wiederum durch die Sorgen um ihre Cybersicherheit. 66 Prozent der Ärzteschaft im Krankenhaus haben Angst vor Cyberangriffen auf Krankenhäuser. Unter den niedergelassenen Ärzten ist die Sorge vor Attacken auf Praxen mit 83 Prozent noch größer. Und die Sorgen scheinen nicht ganz unberechtigt; immerhin gaben 74 Prozent der Mediziner im Krankenhaus an, deutsche Kliniken seien ihrer Einschätzung nach nicht ausreichend vor Angriffen dieser Art geschützt. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) sind deswegen der Meinung, Mediziner sollten sich stärker mit IT-Sicherheit befassen. Dabei zeigt die Umfrage, dass bereits 42 Prozent der befragten Ärzte an Krankenhäusern regelmäßig zum Thema IT-Sicherheit geschult werden.

Und auch in den Praxen ist der Wunsch groß, dass Ärzte sich mehr mit IT-Sicherheit beschäftigen (68 Prozent). Dass bereits 75 Prozent der Ärzte hier über die eigene IT-Sicherheit Bescheid wissen, erklärt Rohleder folgendermaßen: „IT-Sicherheitsstandards sind gesetzlich sowohl für Krankenhäuser als auch für Arztpraxen jeglicher Größe geregelt. Die Umsetzung dieser Vorgaben wird offenkundig sehr ernst genommen.“ Dabei gehe es jedoch nicht nur darum, Geräte- und Betriebsausfälle zu vermeiden, sondern auch um den Schutz sensibler Patientendaten. Im internationalen Vergleich seien diese Daten jedoch herausragend gut geschützt.

Doch gerade diesen Umstand erachten 71 Prozent der befragten Mediziner als problematisch. Sie geben an, dass die strengen Datenschutz-Vorgaben oftmals den medizinischen Fortschritt erschweren, weshalb über die Hälfte (54 Prozent) der Meinung sind, der Datenschutz solle weniger streng ausgelegt werden, um so den Gesundheitsschutz zu verbessern. 61 Prozent sehen in der Bereitstellung von Gesundheitsdaten für die Forschung sogar eine ethische Verpflichtung. So erkannte auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bereits: „Der Patientenschutz kann im Extremfall bedeutsamer sein als der Datenschutz“, wie er bei einer Veranstaltung des Aktionsbündnis Patientensicherheit anlässlich des Tags der Patientensicherheit betonte.

Eine weltweite Studie von SOTI liefert ähnliche Ergebnisse. Demnach haben 90 Prozent der IT-Fachkräfte in Deutschland Sicherheitsbedenken in Hinblick auf die Patientendaten. Sie geben an, dass sie die Daten insbesondere durch einen Diebstahl durch einen Cyberangriff oder Hacking (41 Prozent), durch die Weitergabe ohne Zustimmung des Patienten (35 Prozent) und durch Verlust (33 Prozent) bedroht sähen. Die aktuelle Bedrohungslage sei sogar so brisant, dass drei Viertel der Fachleute denken, dass Patientendaten so stark gefährdet seien wie noch nie zuvor.

Laut Bitkom-Präsident Rohleder sei es entscheidend, eine Balance zu finden, die es erlaubt, Gesundheitsdaten für notwendigen Stellen und die Forschung bereitzustellen und zeitgleich die Patientensicherheit zu wahren. Momentan sei die „Therapie von der Stange“ wie eine Krankheit im Gesundheitswesen. Doch Behandlungen müssten individuell auf die Menschen angepasst werden. Gesundheitsdaten, die dem zur Verfügung gestellt werden, der sie braucht, seien ein erster Schritt in diese Richtung: „Die Nutzung von Gesundheitsdaten ermöglicht eine verbesserte und schnellere Entwicklung von Therapien, Medikamenten und Untersuchungsmethoden, was Millionen Menschen unmittelbar helfen wird – nicht zuletzt bei der Bekämpfung seltener Krankheiten oder der Bewältigung globaler Pandemien.

Deutschland macht Faxen

Ein großes Manko beim Thema Digitalisierung bleibt zudem die Kommunikation zwischen Medizinern und Patienten. Diese erfolgt in allen Einrichtungen noch größtenteils analog. Während die meisten Mediziner für den Austausch mit Praxen (83 Prozent), Kliniken (80 Prozent) und Patienten (86 Prozent) noch zum Hörer greifen, finden Internetportale, Messenger- und KIM-Dienste bisher nur sehr wenig Anklang. Häufigste Alternative zum Telefon für die Kontaktaufnahme mit Praxen und Kliniken ist das Fax-Gerät mit jeweils 63 Prozent und 57 Prozent, vor Briefen (in beiden Einrichtungen 47 Prozent). Der regste eMail-Verkehr findet mit Patienten statt (39 Prozent). Zwischen Praxen (30 Prozent) und Kliniken (24 Prozent) wird diese Technologie seltener genutzt.

Auf der nächsten Seite: eRezept, ePA & Fazit.

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