KBV-PraxisBarometer 2025 Zufrieden mit Digitalisierung, unzufrieden mit TI

Von Stephan Augsten 4 min Lesedauer

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Der Grad der Digitalisierung und auch die Zufriedenheit mit digitalen Leistungen wie elektronischer AU und E-Rezept nehmen stetig zu, zeigt das PraxisBarometer 2025 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Die TI-basierte Kommunikation birgt demnach allerdings noch Potenzial für Verbesserungen.

Um die fortschreitende Digitalisierung des Gesundheitswesens zum Erfolg zu führen, wünscht sich die KBV mehr Stabilität und Verantwortlichkeit im Bereich der TI.(Bild:  KBV/bürolüdke)
Um die fortschreitende Digitalisierung des Gesundheitswesens zum Erfolg zu führen, wünscht sich die KBV mehr Stabilität und Verantwortlichkeit im Bereich der TI.
(Bild: KBV/bürolüdke)

Die Zufriedenheit mit etablierten digitalen Anwendungen im Gesundheitswesen erreicht neue Höchstwerte. Fast 80 Prozent der Praxen zeigen sich mittlerweile zufrieden mit dem elektronischen Rezept (eRezept) und der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU). Dies geht aus dem jüngsten PraxisBarometer der KBV hervor, rund 1.700 Praxen hatten sich an der achten Auflage der bundesweiten Befragung durch das IGES Institut beteiligt. KBV-Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner betonte im Zuge der Veröffentlichung: „Die Befragungsergebnisse zeigen einmal mehr: Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen sind und bleiben Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Sie haben in den vergangenen Jahren enorme Anstrengungen unternommen, um digitale Anwendungen in ihren Alltag zu integrieren – und das mit Erfolg.“

Fortschritte sehen etliche Befragte beispielsweise bei der elektronischen Patientenakte. Bereits vor der verpflichtenden Einführung hatte im Juni und Juli 2025 gut jede dritte Hausarztpraxis (35 Prozent) von der „ePA für alle" Gebrauch gemacht. Die Bewertung der verschiedenen ePA-Funktionen fällt allerdings durchwachsen aus: „Durch die elektronische Medikationsliste sehe ich, wenn Patienten die verordneten Medikamente nicht einnehmen. Oft liegen dann Missverständnisse vor, die im Arzt-Patientengespräch geklärt werden können“, erklärt beispielsweise Dr. Bahman Afzali, Allgemeinmediziner aus Bedburg. Kritisch äußert sich Nils Burck, Nephrologe aus Taunusstein-Hahn, mit Blick auf die User Experience: „Den Arztbrief in die ePA hochzuladen, gleicht einer Klickorgie.“

Elektronischer Arztbrief nimmt weiter Fahrt auf

Der Anteil der Praxen, die den elektronischen Arztbrief nutzen, ist seit 2018 von 13 auf 87 Prozent gestiegen, allein im vergangenen Jahr um zehn Prozent. Zwei Drittel der Praxen erhalten mittlerweile Befunddaten digital, 2022 waren es noch 26 Prozent gewesen. Dabei gewinnt der auf strukturierte Informationen ausgerichtete Gematik-Dienst KIM (Kommunikation im Medizinwesen) offensichtlich an Bedeutung: 61 Prozent der Praxen nutzen ihn, gegenüber 45 Prozent im Vorjahr.

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Überdies bauen die Praxen ihre digitalen Services kontinuierlich aus. 31 Prozent bieten mittlerweile eine Online-Terminvereinbarung an, fast vier von zehn Praxen führen Videosprechstunden durch; und auch bei der Verordnung digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) zeigt sich ein Aufwärtstrend: 37 Prozent der Praxen verschreiben diese bereits. Weiteren Aufwind erhält die Kommunikation mit Patienten außerhalb der eigenen Räumlichkeiten: 52 Prozent der Praxen kommunizieren komplett oder mehrheitlich digital, 2020 galt das für gerade einmal zwölf Prozent der Befragten.

Krankenhäuser bleiben digitales Sorgenkind

Während sich die ambulante Digitalisierung kontinuierlich entwickelt, stagniert allerdings der Austausch mit Krankenhäusern. Nur 13 Prozent der Kommunikation mit Kliniken läuft nahezu komplett oder mehrheitlich digital ab, im ambulanten Umfeld sind es bereits 41 Prozent. Besonders beim elektronischen Entlassbrief klafft eine große Lücke zwischen Erwartungshaltung und Realität: 85 Prozent der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte glauben an einen großen Nutzen, aber nur 15 Prozent erhalten die Dokumente tatsächlich bereits digital. „Wenn ich einen Patienten als Notfall ins Krankenhaus einweise, bitte ich ihn vorher, in die Praxis zu kommen, um die Befunde in Papierform mitnehmen zu können“, beschreibt Dr. Martin Hoffstadt, Gastroenterologe aus Iserlohn, die Situation.

Bei der übergreifenden Kommunikation erweisen sich insbesondere technische Probleme als größter Hemmschuh: Mehr als die Hälfte der Praxen berichtet weiterhin von täglichen oder wöchentlichen Störungen der Telematikinfrastruktur (TI). Die Häufigkeit der Ausfälle sei in den vergangenen Jahren gleichbleibend hoch geblieben, Verbesserung hinsichtlich der Störanfälligkeit und -häufigkeit ließen sich den Umfrageergebnissen zufolge noch nicht beobachten. „Das sorgt in den Praxen für Frustration und Mehraufwand“, betont Dr. Steiner und fordert: „Hier brauchen wir dringend Verbesserungen und auch klare Verantwortlichkeiten“ Anwendungen wie das eRezept und die eAU funktionierten nur, wenn die TI reibungslos laufe.

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Bei der elektronischen Signatur zeigen sich immerhin graduelle Verbesserungen: Mittlerweile benötigen 52 Prozent der Praxen weniger als zehn Sekunden für den Signiervorgang. Fast 30 Prozent warten jedoch noch immer mehr als 15 Sekunden - was auf Optimierungsbedarf bei mehreren PVS-Herstellern hinweist.

Die Zufriedenheit mit Praxisverwaltungssystemen (PVS) hingegen variiert stark mit Blick auf die jeweiligen Lösungsanbieter. 21 Prozent der Praxen haben bereits einen Wechsel ihres PVS vollzogen, 16 Prozent erwägen einen solchen. Als Haupthindernisse für unzufriedene Praxen erweisen sich der zu hohe personelle und zeitliche Aufwand (62 Prozent) sowie die Befürchtung, dass ein alternatives PVS die Probleme nicht lösen könne (50 Prozent).

Strukturelle Verbesserungen erforderlich

„Solang die Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und andere Beteiligte nicht mitziehen, bleibt die Digitalisierung in den Praxen eine digitale Insel in einer analogen Umgebung“, sagte KBV-Vorstandsmitglied Steiner. Genau darin liege eines der zentralen Probleme. Denn obwohl die Praxen bereits digital arbeiteten, müssten sie weiterhin Faxgeräte vorhalten, um mit Krankenhäusern und anderen Akteuren des Gesundheitswesens zu kommunizieren. Oder anders gesagt, um den ironischen Kommentar von Christine Brunner-Edrich, Allgemeinmedizinerin aus Leitershofen, aufzugreifen: „Die Umsetzung für Arztpraxen fühlt sich oft an, als ob Dinos durch die Digitalisierung stapfen.“ Die Studienergebnisse machen dennoch Hoffnung, dass es mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter vorangeht.

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