Patientenverwaltung Abschied von SAP IS-H: „KIS-Hersteller nehmen die Bedarfe der Branche nicht ernst“

Von Susanne Ehneß 2 min Lesedauer

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Seit der Ankündigung von SAP, die Branchenlösung SAP Patientenmanagement (IS-H) nicht in die S/4HANA-Welt zu überführen, stehen Krankenhäuser und Kliniken unter Handlungsdruck. Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V. kritisiert die aktuelle KIS-Marktentwicklung.

Für die Patientenverwaltung brauchen Krankenhäuser eine alternative Lösung.(©  Dall-E / KI-generiert)
Für die Patientenverwaltung brauchen Krankenhäuser eine alternative Lösung.
(© Dall-E / KI-generiert)

Vor drei Jahren hat SAP angekündigt, seine Patientenmanagement-Lösung SAP IS-H nicht auf S/4HANA lauffähig betreiben zu wollen. Krankenhäuser und Kliniken, die bei der Patientenverwaltung bislang auf SAP setzten, müssen also auf eine alternative Lösung umschwenken und die Funktionalität über Krankenhausinformationssysteme (KIS) anderer Software-Hersteller abbilden lassen. Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) kritisiert jedoch die aktuelle Marktentwicklung, da Anbieter wie CGM, Dedalus und DTHS die Anbindung von Abrechnungslösungen anderer Hersteller nicht unterstützen wollen. „Dass jetzt große Anbieter entschieden haben, die Anbindung anderer Partnerlösungen für die Abrechnung und Administration an ihre KIS nicht zu ermöglichen, ist für die Healthcare-Branche ein herber Schlag“, mahnt Hermann-Josef Haag, DSAG-Fachvorstand Personalwesen & Public Sector.

Hermann-Josef Haag(©  DSAG)
Hermann-Josef Haag
(© DSAG)

Die negativen Auswirkungen auf Kliniken liegen für die DSAG auf der Hand: Krankenhäuser sind bei der Gestaltung ihrer IT-Landschaft nicht mehr flexibel. Einrichtungen müssten komplette KIS neu einführen oder die Lösungen für Patientenabrechnung und -administration der bestehenden KIS-Hersteller integrieren. „Die KIS-Hersteller nehmen die Bedarfe der Branche nicht ernst und treiben sie in teure und langfristig riskante Abhängigkeiten", warnt Michael Pfeil, DSAG-Arbeitskreissprecher Healthcare. Die geplante Strategie der KIS-Anbieter führe zu einer Marktverzerrung, einem drastischen Rückgang an Wettbewerb und „verzögerter Innovation, da derzeit nur wenige Anbieter Lösungen haben, die ganzheitlich die Abrechnung sicherstellen“. Für die Krankenhäuser seien somit „lange und schwierige Projekte“ zu erwarten.

Die KIS-Hersteller nehmen die Bedarfe der Branche nicht ernst und treiben sie in teure und langfristig riskante Abhängigkeiten.

Michael Pfeil

Eine weitere Konsequenz sei, dass sich die Häuser fragen müssten, wie die SAP-S/4HANA-Einführung mit einem KIS, dass mit einem eigenen ERP-System komme, abbildbar sei. „Außerdem werden die Standard-Schnittstellen wie FHIR, die gesetzlich gefordert sind für Abrechnungslösungen, von den Herstellern ignoriert. Sie schließen wissentlich die Interoperabilität zu Abrechnungslösungen aus. Das erschwert es Krankenhäusern, auf wirtschaftlich sinnvolle Alternativen zu setzen“, erläutert Pfeil. Unklar sei zudem, welcher Hersteller Projekte in der anstehenden Vielzahl überhaupt umsetzen kann – und, welche Systeme wirklich alles abbilden können.

Michael Pfeil(©  DSAG)
Michael Pfeil
(© DSAG)

Für die DSAG ist klar: Krankenhäuser werden durch die proprietären Systeme der KIS-Anbieter in eine wirtschaftlich kritische Abhängigkeit gezwungen. Produktentscheidungen könnten nicht mehr nach dem fortschrittlichsten Produkt getroffen werden, sondern würden reduziert auf die reine Abbildung des Pflichtprozesses. „Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten kann dies für manche Einrichtungen das Ende bedeuten", warnt Pfeil. Die fehlende Interoperabilität erschwere Effizienzsteigerungen und Synergien erheblich, was sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit der Krankenhausprozesse auswirke.

Offene IT-Strategie gefordert

Die DSAG fordert deshalb eine klare Strategieänderung bei den KIS-Anbietern. Offene Systeme mit standardisierten Schnittstellen müssten zur Selbstverständlichkeit werden. „Die Anbindung von Subsystemen – insbesondere von Abrechnungslösungen – muss obligatorisch sein und maximal unterstützt werden. Als DSAG fordern wir hier den vorgeschriebenen FHIR-Adapter", sagt Haag. Wichtig sei eine „maximale Unterstützung alternativer Abrechnungslösungen für S/4HANA, und dass das IS-H-Coding weiterhin verfügbar bleibt, um Blaupausen für eine reibungslose Transformation entwickeln zu können“.

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