Krankenhausinformationssystem Interoperabilität als elementare Grundlage beim KIS-Wechsel

Ein Gastbeitrag von Volker Hofmann 4 min Lesedauer

Der Rückzug von SAP aus dem Markt stellt Klinikleitungen und IT-Verantwortliche vor eine entscheidende Frage: Setzen sie künftig auf ein monolithisches KIS oder auf einen Best-of-Breed-Ansatz? Unabhängig von der Entscheidung erfordert eine KIS-Umstellung eine sorgfältige Planung.

Die Einführung einer IOP unterstützt Kliniken im Digitalisierungsvorhaben. (© ngstock – stock.adobe.com / KI-generiert)
Die Einführung einer IOP unterstützt Kliniken im Digitalisierungsvorhaben.
(© ngstock – stock.adobe.com / KI-generiert)

Mehr als 30 Prozent der Kliniken in Deutschland müssen in den kommenden Jahren ihr technologisches Rückgrat erneuern: ihr Krankenhausinformationssystem (KIS). Der Grund: Mit SAP zieht sich einer der größten Anbieter aus dem Markt zurück. Viele Klinikleitungen und IT-Verantwortliche stehen vor dem Dilemma, ob sie in Zukunft lieber auf ein monolithisches KIS oder einen Best-of-Breed-Ansatz setzen sollten. In beiden Fällen gilt: Ein so umfangreiches Projekt, wie die KIS-Umstellung, will gut geplant sein. Grundlage für einen möglichst reibungslosen Wechsel ist die Interoperabilität der Systeme. Eine Interoperabilitätsplattform ermöglicht einen risikoarmen Übergang und schafft weit über den KIS-Wechsel hinaus eine umfangreiche, einheitliche Datengrundlage für weitere Projekte.

Typische Herausforderungen beim KIS-Wechsel

Ein Krankenhausinformationssystem (KIS) verarbeitet täglich enorme Datenmengen – von Diagnosen über Terminplanung bis zum Ressourcenmanagement. Ein Systemwechsel stellt Kliniken vor Herausforderungen: Alle Daten müssen vollständig migriert werden, nicht nur Stammdaten. Dies bedeutet einen hohen Aufwand, weshalb oftmals Daten aussortiert werden, die später eigentlich noch nützlich sein könnten. Da die KIS verschiedener Hersteller oft auf unterschiedlichen Datenmodellen beruhen, ist die Übertragung von einem System ins nächste komplex. Neben der Datenmenge sind deshalb auch Konsistenz und Semantik der Daten entscheidend, ebenso wie die Schaffung passender Schnittstellen.

Ein Wechsel auf ein neues KIS ist zudem organisatorisch anspruchsvoll: Um die Patientenversorgung zuverlässig zu gewährleisten, sollte der Krankenhausbetrieb reibungslos weiterlaufen. Mitarbeitende sollten außerdem frühzeitige Schulungen erhalten, um den Wechsel kompetent zu begleiten und Störungen zu vermeiden.

Reibungslose KIS-Umstellung dank Interoperabilität

Ein flexibler und risikoarmer Wechsel von einem KIS auf ein neues System kann beispielsweise durch den Einsatz einer Interoperabilitätsplattform (IOP) gelingen. Mithilfe einer solchen Plattform kann die Umstellung schrittweise erfolgen und gleichzeitig der laufende Betrieb aufrechterhalten werden.

Die Plattform fungiert als zentraler Datenpool, sozusagen als „Single Source of Truth”, in der alle Informationen aus verschiedenen Quellen kontinuierlich zusammengeführt werden. Die IOP greift dabei auf die Primärsysteme und somit die einzelnen Datenpunkte zu. Durch die Verwendung internationaler Standards, wie HL7, FHIR oder DICOM, wird sichergestellt, dass die Daten in einem einheitlichen Format vorliegen und so wiederum von unterschiedlichen Systemen verstanden und genutzt werden können. So wird eine umfassende Verfügbarkeit der Daten gewährleistet und zudem die Datenqualität erhöht. Neben Bestandssystemen wird auch das neue KIS an die IOP angebunden und profitiert von der sauberen Datenbasis.

Eine Interoperabilitätsplattform unterstützt somit einen schrittweisen Übergang bei einem KIS-Wechsel, reduziert mögliche Fehler, gewährleistet die Vollständigkeit der Daten und macht das Migrationsprojekt weniger komplex. Die Module des neuen KIS können nach und nach eingeführt werden, während das alte System weiterhin in Betrieb bleibt. Durch die IOP enthält das neue KIS am Ende trotzdem alle aktuellen Echtzeit-Daten. So wird eine lückenlose Patientenversorgung sichergestellt.

InterSystems hat mit seiner IOP bereits in unterschiedlichen Projekten die Vereinheitlichung mehrerer Gesundheitsakten oder den KIS-Wechsel durchgeführt. Die jeweiligen Gesundheitseinrichtungen profitieren nun von einer flexiblen Plattform. Diese ermöglicht es ihnen zum Beispiel, in einer Ansicht unterschiedlichste Informationen über einen Patienten einzusehen – ohne dass diese Informationen einzeln in mehreren Primärsystemen gesucht und abgerufen werden müssen. So sparen die Mitarbeitenden im Arbeitsalltag wertvolle Zeit.

Interoperabilitätsplattformen strategisch nutzen

Da Interoperabilitätsplattformen alle Datenpunkte einzeln erfassen, ist ihr Einsatz nicht nur als Tool zur Datenmigration für den Wechsel eines Krankenhausinformationssystems interessant, sondern auch in strategischer Hinsicht: Langfristig vereinfacht sie die Kommunikation mit externen Systemen, wie der elektronischen Patientenakte (ePA) oder anderen Diensten. Zudem schaffen der umfassende Datenpool und eine standardisierte Datenstruktur die Grundlage für den einfachen Anschluss weiterer Anwendungen und Systeme, insbesondere für KI-Anwendungen oder Forschungszwecke.

Die Einführung einer IOP unterstützt Kliniken daher auch in künftigen Digitalisierungsvorhaben: Die Plattformen setzen auf einheitliche Standards, vermeiden so Datensilos und können die Effizienz im Klinikalltag steigern. Sie erleichtern die Bereitstellung von Daten für Forschungszwecke, unterstützen die Einhaltung von Compliance-Vorgaben und gewährleisten höchste Sicherheitsstandards.

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Fazit

Der Austausch eines bestehenden Krankenhausinformationssystems gegen ein neues ist nicht nur eine umfangreiche Aufgabe für das gesamte Team, es ist auch eine Chance für eine strategische Neuausrichtung in der Klinik-IT.

So werden KIS künftig auch zunehmend Bestandteil eines größeren, offenen Ökosystems, anstatt in sich geschlossene Systeme. In diesem Kontext ist Interoperabilität der Schlüssel für mehr Effizienz und Innovationsfähigkeit: Ein hohes Maß an Interoperabilität, wie es beispielsweise durch eine IOP gewährleistet wird, macht Daten einfacher verfügbar und fördert so die Anbindung weiterer Technologien: beispielsweise für KI-Lösungen, eine engere Patienteneinbindung oder für Forschungszwecke. Aus dieser Perspektive sind Kliniken gut beraten, ihre Digitalisierungsstrategie ganzheitlich zu verstehen. Dann kann aus einem notwendigen KIS-Wechsel eine neue Technologie-Infrastruktur werden, von der Klinik-Team und Patienten langfristig profitieren.

Volker Hofmann
Healthcare Sales Director bei InterSystems.

Bildquelle: InterSystems

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