Telemedizin-Pilotprojekt Asklepios Kliniken eröffnen „VirtualWards“

Von Stephan Augsten 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Asklepios Kliniken Nord-Heidberg und Langen haben gemeinsam mit Krankenkassen und Pflegeeinrichtungen die bundesweit ersten virtuellen Krankenhausstationen in Betrieb genommen. Nach der Erstversorgung in der Notaufnahme werden dabei Pflegeheimbewohner telemedizinisch behandelt.

Zwei Asklepios Kliniken verbinden die stationäre Krankenhaus-Erstversorgung mit telemedizinischer Behandlung.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Zwei Asklepios Kliniken verbinden die stationäre Krankenhaus-Erstversorgung mit telemedizinischer Behandlung.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

In den Asklepios Kliniken Nord-Heidberg (Hamburg) und Langen (Hessen) wurden erste Patientinnen und Patienten in sogenannten virtuellen Krankenstationen betreut. Das nach dem britischen Vorbild entwickelte Konzept der „VirtualWards“ verbindet die stationäre Krankenhaus-Erstversorgung mit telemedizinischer Behandlung. Dank dieses Ansatzes müssen Bewohner von Pflegeeinrichtungen mit stationärem Versorgungsbedarf nach einer Erstkonsultation in der Notaufnahme nicht mehr zwingend im Krankenhaus bleiben. Stattdessen können sie in ihre vertraute Umgebung zurückkehren.

Die engmaschige Versorgung erfolgt durch sektorenübergreifende Teams aus Fachärzten und Pflegefachkräften der Asklepios Kliniken. Mehrmals täglich finden Video-Konsultationen statt, Vitalparameter werden kontinuierlich überwacht. Die medizinische Verantwortung verbleibt dabei vollständig beim Krankenhaus. Das Telemonitoring-Unternehmen Doccla stellt die technische Infrastruktur bereit und hat dafür ein integriertes System entwickelt, das den direkten Datenaustausch zwischen Krankenhaussystemen und Telemedizin-Software ermöglicht.

Krankenhausversorgung ohne Krankenhausbett

Das auf zwei Jahre angelegte Pilotprojekt wird von einem breiten Konsortium getragen. Neben den Asklepios Kliniken und Doccla beteiligen sich AOK Rheinland/Hamburg, BARMER, Mobil Krankenkasse, Techniker Krankenkasse, BKK Dachverband sowie das Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav), das die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation übernimmt. Joachim Gemmel, CEO der Asklepios Kliniken, bezeichnet das Projekt als Ergebnis zweijähriger intensiver Planungen: „Es zeigt, wie innovative Lösungen im Gesundheitswesen durch enge Kooperationen entstehen können, ohne auf zentrale Vorgaben angewiesen zu sein.“ Der Ansatz sei für das deutsche Gesundheitssystem neu und deute das Potenzial der sektorenübergreifenden Versorgung an – besonders relevant in Zeiten steigender Patientenzahlen und knapper Ressourcen.

PD Dr. med. Sara Sheikhzadeh, Chief Medical Officer bei Asklepios und Initiatorin des Projekts, unterstreicht die Patientenperspektive: „Das VirtualWard-Programm bringt stationäre Krankenhausversorgung direkt in die Pflegeeinrichtung. Patientinnen und Patienten erhalten damit Krankenhausbehandlungen auf klinischem Niveau, ohne das Krankenhaus dauerhaft betreten zu müssen.“ Das Ziel sei es, Versorgung dort anzubieten, wo sie gebraucht werde – und nicht dort, wo gerade ein Bett frei sei.

Potenzial für bundesweit 800.000 Pflegeheimbewohner

Für ältere und kognitiv eingeschränkte Menschen ist das Modell sowohl unter gesundheitlichen Aspekten als auch durch den Verbleib in der vertrauten Umgebung ein Gewinn. Vermiedene Krankenhausaufenthalte schonen Personalressourcen und senken dauerhaft die Versorgungskosten. Überdies profitieren Pflegeheime und Kliniken vom fachlichen Austausch und der digitalen Vernetzung. Als Beleg hierfür können die Erfahrungen mit den „Virtual Ward“- beziehungsweise „Hospital at Home“-Konzepten in Großbritannien respektive den USA dienen, heißt es in der Pressemitteilung der AOK Rheinland/Hamburg.

Belastbare Erkenntnisse über Machbarkeit, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit hierzulande soll die wissenschaftliche Evaluation durch das inav-Institut bringen. Diese Daten bilden die Grundlage für einen möglichen Transfer in die Regelversorgung. Perspektivisch könnten nach Einschätzung der Projektpartner bundesweit 800.000 Bewohner in Pflegeeinrichtungen von virtuellen Krankenhausstationen profitieren.

Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses fördert das Projekt mit rund 2,7 Millionen Euro. Die offizielle Projektlaufzeit erstreckt sich von Mai 2025 bis April 2027, wobei die ersten Patienten bereits seit November 2025 versorgt werden. Bis zu 212 Patienten sollen während der Projektphase in den virtuellen Krankenhausstationen behandelt werden.

(ID:50681987)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung