E-Rezept Der Traum der Praxis in den Praxen?

Von Chiara Maurer 2 min Lesedauer

Mit ihrer verpflichtenden Einführung zum Jahresbeginn sollen digitale Verordnungen in Arztpraxen Realität werden, doch die Telematik-Infrastruktur zickt. Der Virchowbund schlägt Alarm und fordert finanzielle Konsequenzen. Doch warum verläuft der E-Rezept-Start so holprig und welche Gründe sieht die Ärzteschaft dafür?

Der Start des E-Rezepts in Arztpraxen verläuft bislang nicht wie geplant.(©  KatarzynaBialasiewicz – Getty Images via Canva.com)
Der Start des E-Rezepts in Arztpraxen verläuft bislang nicht wie geplant.
(© KatarzynaBialasiewicz – Getty Images via Canva.com)

Seit Jahresbeginn steht die digitale Ausstellung von Verordnungen in Arztpraxen im Fokus, doch die Umstellung verläuft nicht wie geplant. Ausfälle der Telematik-Infrastruktur (TI) beeinträchtigen den Start des E-Rezepts. Wie der Ärztenanchrichtendienst (änd) berichtete, sei die Umstellung laut einer Umfrage bei nur ungefähr einem Viertel der mehr als 900 befragten Ärztinnen und Ärzte reibungslos verlaufen. Bei rund 42 Prozent kam es hingegen zu „kleineren technischen Schwierigkeiten“, 32 Prozent hatten aber mit großen Problemen zu kämpfen. Grund für die Probleme waren zumeist TI-Probleme (50 Prozent) oder Störungen der eigenen Praxissoftware (29 Prozent). Der Virchowbund, vertreten durch den Bundesvorsitzenden Dirk Heinrich, fordert deshalb nun Konsequenzen und finanzielle Verantwortung von Gematik und den Herstellern von Praxisverwaltungssystemen (PVS), um diese Fehler „rasch und nachhaltig auszumerzen“.

Besonders für bestimmte Versichertengruppen führen die TI-Störungen und die damit verbundenen Schwierigkeiten beim Einlösen der E-Rezepte zu Problemen. Dirk Heinrich betonte die Notwendigkeit, Gematik und PVS-Hersteller „für solche von ihnen zu verantwortende Fehler endlich finanziell zur Verantwortung zu ziehen“. Im Gegensatz zu einem von der FDP-Bundestagsfraktion vorgeschlagenen Moratorium sieht Heinrich Sanktionen als effektiveren Weg, um die Motivation zur Behebung der Fehler zu steigern.

Heinrich thematisierte zudem das Nichtwissen vieler Patientinnen und Patienten über das E-Rezept. „Kaum ein Patient, der dieser Tage in eine Arztpraxis kommt, weiß Bescheid, wie das E-Rezept funktioniert.“ Er kritisierte die Informationspolitik der Krankenkassen, die das Versäumnis, die Patienten ausreichend zu informieren, auf die Ärzte und Medizinischen Fachangestellten (MFA) abzuwälzen versuchten. Dies führe zu Zeitverlusten in den Arztpraxen. Er fordert deshalb eine Informationsoffensive der Kassen.

Überrascht über den von Schwierigkeiten begleiteten Start des elektronischen Rezepts zeigte sich Heinrich jedoch nicht. Seit langem weise die Ärzteschaft auf Fehler in der TI-Prozessarchitektur hin – vergebens. Sie würden stattdessen seitens der Kassen und der Politik immer wieder mit Vorwürfen einer Blockadehaltung konfrontiert. Er moniert: „Die Schuld für Fehler wird immer beim Anwender, der Ärzteschaft, gesucht.“

Zudem warnt er vor Sanktionen an die Ärzteschaft bei Nicht-Ausstellung des E-Rezepts, sobald das Digitalgesetz in Kraft tritt: „Die einseitigen Sanktionen gegenüber Praxisinhabern müssen dringend abgeschafft werden, da diese ein massives Akzeptanz-Hindernis für sämtliche Anwendungen der Telematik-Infrastruktur darstellen.“

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