Es herrschte Aufbruchstimmung beim TI-Summit, dem ersten großen Branchenevent zur Telematik-Infrastruktur. Mit dem neuen Format, das Menschen in den Austausch bringen soll für ein gemeinsam zu gestaltendes, zukunftsgerichtetes Gesundheitssystem, haben die Veranstalter offensichtlich einen Nerv getroffen.
Der TI-Summit 2025 fand am 4. und 5. Juni in der Leipziger Kongresshalle am Zoo statt.
Mit rund 800 Teilnehmenden hatten die Veranstalter von INNO3 gerechnet, es wurden schließlich über eintausend – die Tickets für den ersten TI-Summit waren ausverkauft. Die Stimmung: freudig, erwartungs- und auch hoffnungsvoll; Dr. Florian Fuhrmann, Vorsitzender der gematik-Geschäftsführung, sprach von einem „Shift", nicht nur bei den Produkten, sondern auch in der Zusammenarbeit.
Was ist es, was Hoffnung macht auf Veränderung? Darauf, dass sich 20 Jahre nach Gründung der gematik und noch länger seit den ersten Plänen für eine elektronische Gesundheitsakte, jetzt etwas dreht? Neben der flächendeckenden Einführung des eRezepts wurde vor allem die Einführung der ePA genannt. Diskutiert wurde das Thema zum Beispiel im Panel „ePA für alle: volle Kraft voraus!?“ aus ganz unterschiedlichen Perspektiven, sehr positiv konnotiert war es in der Roadmap-Vorstellung der gematik. Über 50.000 Institutionen nutzten bereits die ePA, sagte gematik-Geschäftsführer Dr. Florian Hartge. Er zeigte sich sehr zufrieden mit der Einführung und lobte die „großartige Arbeit“ in den Modellregionen. Über 600 Tickets, somit Probleme, habe man seit dem Start bereits gemeinsam gelöst. Auch der TI-Gateway sei ein großer Schritt gewesen.
Aus Sicht der Zuhörer beim TI-Summit dürfte auch der Eindruck dazu zählen, den das Trio der gematik-Geschäftsführung vermittelte: nahbar, engagiert und umsetzungsorientiert – alle drei seien sie „Kinder der Digitalisierung“ und hätten in der Vergangenheit Digitalisierungsprojekte umgesetzt, wie Brenya Adjei sagte, man spreche eine Sprache.
Auch das politische Umfeld spielt eine Rolle. Hier gab Sebastian Zilch, Leiter der Unterabteilung Digitale Versorgung, gematik im Bundesgesundheitsministerium, mit seiner Keynote einen Überblick. Allein schon die Gründung des BMDS zeige, dass Digitalisierung und auch Digitalpolitik in dieser Wahlperiode weiterhin zentrale Themen sein werden. Was er auch vorwegnehmen könne: „Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bleibt im Gesundheitsministerium.“
Gleichzeitig sind aber auch die anstehenden Aufgaben herausfordernd, das betrifft vor allem die Umsetzungsgeschwindigkeit. Das derzeitige Tempo sei hoch, so Zilch, müsse aber gehalten und vielleicht sogar gesteigert werden. Es brauche Innovationsräume, aber auch Planbarkeit. Die TI-Anwendungen seien in der Realität angekommen, nun bestehe auch eine berechtigte Erwartungshaltung: „Wenn man die Telematik-Infrastruktur nutzen soll, dann muss sie auch nutzbar sein“, auf sie müsse Verlass sein. Betriebsstabilität werde also ein essenzielles Thema in dieser Legislaturperiode.
IOP als Schlüssel
Ein Schlüsselthema ist bekanntlich die Interoperabilität. Moderatorin Susanne von Hopffgarten bezog sich konkret auf die Vorgabe im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD: „Alle Anbieter von Software- und IT-Lösungen im Bereich Gesundheit und Pflege müssen bis 2027 einen verlustfreien, unkomplizierten, digitalen Datenaustausch auf Basis einheitlich definierter Standards sicherstellen“ und hakte sowohl bei Zilch als auch bei Fuhrmann nach, was genau zu erwarten sei und dieses Ziel umgesetzt werden solle. Beide betonten die Wichtigkeit dieses Vorhabens und verwiesen auf das KIG – das bei der gematik angesiedelte Kompetenzzentrum für Interoperabilität im Gesundheitswesen – und die dort bereits laufenden Konformitätsbewertungsverfahren.
Um die Interoperabilität sowohl zwischen den Sektoren als auch innerhalb der Sektoren zu beschleunigen, denke man zudem über einen gemeinsamen Kerndatensatz nach, erläuterte Sebastian Zilch. Vertieft wurde das Thema in der Paneldiskussion „Mehr Interoperabilität für bessere Medizin“, u. a. mit Stefan Höcherl, dem Leiter des KIG. Weitere Diskutanten waren Prof. Dr. Sylvia Thun, Director Core Unit eHealth & Interoperability der Charité, und Volker Dentel, Mitglied der Geschäftsführung der kv.digital GmbH (einer Tochtergesellschaft der KBV), die jeweils mit einem Impulsvortrag ins Thema einführten, sowie Ralf Degner, Leiter Digital Office & Project Consulting der Techniker Krankenkasse; eHex- Geschäftsführer Frederic Naujokat und Emek Altun, Geschäftsführer vitaservices & Leiter vitagroup Health Dialog.
Um bei Schlüsselthemen zu bleiben: Auch „Digitale Identitäten im Kontext des TI-Zugangs“ waren Gegenstand einer Paneldiskussion. Nach einem Impuls von Maria Parsch, Produktmanagerin Identity Management der gematik, gab Dr.-Ing. Torsten Lodderstedt, Einblicke zur EUDI Wallet in Deutschland und ihrem Einsatz im digitalen Gesundheitssystem. Lodderstedt ist Lead Architect im German EUDI Wallet project der SPRIND – Bundesagentur für Sprunginnovationen, die sowohl die staatliche EUDI Wallet für Deutschland entwickelt als auch das Ökosystem aufbaut . Bei allen Schwierigkeiten – noch fehlen Anwendungsfälle und die Anmeldung einer Gesundheits-ID ist viel zu kompliziert – war es ermutigend zu erfahren, dass die Bedeutung der Wallet gesehen wird. Maria Parsch sprach über die Weichenstellung, um die europäische Ebene, die Wallet-Technologie und auch den Wallet-Gedanken so in die TI zu etablieren, „dass wir ein zukunftsfähiges, auch effizientes und patientenzentriertes Versorgungssystem haben“.
Stand: 08.12.2025
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Krankenhaus und die TI – noch kein Match
In den Krankenhäusern ist die Telematik seit 2021 verpflichtend und somit Bestandteil der IT, löst aber bei den Verantwortlichen bislang keine Glücksgefühle aus. Ursprünglich konzipiert für Arztpraxen, bilden die Anwendungen, z. B. KIM, die komplexen Prozesse in Krankenhäuser oder gar Unikliniken nicht ab. In der Diskussionsrunde „Krankenhaus-IT und TI: Zwischen ISiK und KHZG“ kam das mehrfach zur Sprache. Inzwischen komme die gematik aber in die Krankenhäuser zur Hospitation, wie Sven Lindenau, Mitglied der Betriebsleitung / Klinische Systeme & eHealth der Alexianer DaKS GmbH, anmerkte, die Lösungsentwicklung dauere jedoch.
Zusammen mit dem Auditorium entspann sich auch eine interessante Diskussion zu parallel laufenden oder der Gefahr sich wiederholender (geförderter) Entwicklungen in den Ländern, etwa bei Interoperabilitätsplattformen. Wobei auf Projektebene auch ganz klar die Bereitschaft zum Austausch und Lernen auszumachen war.
Damit sind nur einige der Themen beim TI-Summit umrissen. In den mehr als 20 Veranstaltungen mit über 100 Speakerinnen und Speakern ging es etwa auch um Forschungsdaten und Versorgungsforschung, „Brücken bauen im EHDS“, neue Nutzergruppen und KI. Vielfalt war auch in Hinblick auf die Formate geboten. So gab es neben den Panels auch mehrere Workshops und Showcase-Sessions, etwa zum TI-Messenger.
Der erste TI-Summit soll nicht der letzte gewesen sein: Eine Fortsetzung im nächsten Jahr ist bereits geplant.