Telematikinfrastruktur Durch ein Gateway in die TI

Von Susanne Ehneß 4 min Lesedauer

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Weniger operativer Aufwand, weniger Probleme, zentrale Server-Infrastrukturen: Der Weg geht in Richtung TI-Gateway und TI-Plattform. Frédéric Naujokat, Geschäftsführer der eHealth Experts GmbH, spricht über die Entwicklung des TI-Gateways und die Pläne der Gematik.

Haupteingang des Ingolstädter Klinikums.(©  Klinikum Ingolstadt)
Haupteingang des Ingolstädter Klinikums.
(© Klinikum Ingolstadt)

„Die Evolution der Konnektoren geht klar zum TI-Gateway“, sagt Frédéric Naujokat im Gespräch mit Healthcare Digital. Naujokat ist Geschäftsführer der eHealth Experts GmbH (ehex), deren Produkte rund um die Telematikinfrastruktur (TI) derzeit in über 90.000 Praxen zum Einsatz kommen. Sein Unternehmen hat seinerzeit gemeinsam mit Hardware-Hersteller Secunet den ersten Konnektor entwickelt. Mittlerweile sind rund 80 Mitarbeiter bei ehex beschäftigt, die sich ausschließlich um die TI kümmern. „Wir kennen alle Dienste, viele von uns waren mal in der Gematik. Wir sind sozusagen ein TI-Softwarehaus“, betont Naujokat.

Frédéric Naujokat(©  eHealth Experts GmbH)
Frédéric Naujokat
(© eHealth Experts GmbH)

Das aktuelle Projekt von ehex heißt TI-Gateway. „Das TI-Gateway ist der Türöffner zur Telematikinfrastruktur“, erklärt Naujokat. Dieses „multimandantenfähige System“ soll die bisherigen Einbox-Konnektoren ablösen und Anfang des dritten Quartals 2024 in die Fläche kommen. Derzeit wird ein Test mit mehreren Leistungserbringern vorbereitet: Beteiligt sind das Klinikum Ingolstadt, zwei Dialyse-Ambulanzen, zwei Arztpraxen und eine Pflegeeinrichtung.

Naujokat: „Vieles, was die Gematik gerade plant, geht darum, die Dienste aus der dezentralen Welt in eine zentrale zu bringen. Und mit den Konnektoren beginnt es jetzt, dass die Dienste komplett herausgelöst werden.“ Die Konnektoren sollen stattdessen über eine Server-Infrastruktur betrieben werden. Das TI-Gateway könne die Praxen dann „sauber anbinden und verwalten“. Laut Naujokat sei die jetzige Entwicklung ein wichtiger Schritt für die Gematik. Die Gematik habe gemerkt, dass es zu Problemen beim Rollout neuer Anwendungen führe, wenn es beispielsweise keine Aktualisierungen der Firmware gebe.

Technische Evolution

Für den Unmut mancher Praxen, die bereits viel Geld in Konnektoren & Co. stecken mussten und nun ihre dezentralen Geräte wieder abbauen dürfen, hat er Verständnis, doch er sagt auch: „Was jetzt passiert, ist einfach eine technologische Weiterentwicklung.“ Die ersten Geräte, die 2018 ausgegeben wurden, seien schon 2016/2017 designt worden und nun einfach veraltet. Hardwaretechnisch, aber auch, was die Zertifikate betreffe. Zudem sei 2018 die Cloud-Technologie noch nicht soweit gewesen. „Wir lernen aus der Vergangenheit, schauen, was wir jetzt technologisch können und bringen das Ganze dann auf einen neuen Weg – und halten nicht an alten Sachen fest“, macht er klar.

„Die Richtung, in die auch die Gematik will, ist die Gesundheits-Cloud. Betrieben in Deutschland nach allen Anforderungen inklusive Zugang zur TI nach zentralen Mechanismen. Das ist der Weg, der jetzt eingeschlagen wird. Das ist nicht mehr änderbar“, bekräftigt Naujokat.

Bei den Praxen, mit denen ehex in direktem Kontakt steht, gibt es laut Naujokat aber durchaus den Willen zur Veränderung: „Da ist es eher so, dass die Praxen sich darüber freuen, weniger an technischer Komplexität in der Praxis zu haben. Wir rennen damit teilweise offene Türen ein.“

Er selbst war ab 2006 zehn Jahre bei der Gematik als Externer beschäftigt und hat dort die TI mit aufgebaut. Der Kontakt zur Gematik ist nach wie vor gut. „Wir machen der Gematik auch keine Vorwürfe, denn wir saßen selbst auf der anderen Seite. Deswegen können wir mitfühlen und kennen den Shitstorm, den man da oftmals abkriegt“, sagt Naujokat. In den vergangenen Jahren habe sich bei der Gematik „sehr viel getan“, sie sei offener geworden – auch ein Verdienst von Markus Leyck Dieken, der die Gematik bis Dezember 2023 führte.

Card-Link

Wenn das TI-Gateway im Sommer ausgerollt wird, ist die Entwicklung noch lange nicht vorbei. Zunächst sollen Ärzte, Apotheken und Krankenhäuser angebunden werden, dann folgen Hebammen und Psychotherapeuten. Auch weitere Services sollen implementiert werden, beispielsweise das laut Naujokat „brandheiße Thema Card-Link“. Damit soll ein digitales Auslesen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und damit die Identitätsprüfung der Versicherten möglich sein. Auch die von ehex entwickelte Software easyTI soll in das TI-Gateway integriert werden und damit die Nutzung der ePA für alle einfacher machen. „Wir haben einen Blumenstrauß an neuen Anwendungen, die wir ins Gateway reinbringen. Wir erweitern das peu à peu, sodass es am Ende eine TI-Plattform wird“, sagt Naujokat.

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TI-Gateway am Klinikum Ingolstadt

Das Klinikum Ingolstadt testet das TI-Gateway von ehex und Akquinet. Geprüft werden die verschiedenen TI-Fachverfahren anhand eines typischen Ablaufs eines Patienten: vom Check-in via elektronischer Gesundheitskarte über das Erstellen und Bereitstellen von eRezept, ePA und eAU bis hin zum Check-out. Auch das Versenden und Empfangen von KIM-Nachrichten wird erprobt.

„Wir testen anhand realer Abläufe, ob alle die TI betreffenden Prozesse in und zwischen den Einrichtungen gut und sicher laufen und wie sehr sie auch durch das TI-Gateway verbessert und beschleunigt werden“, erklärt Thomas Kleemann, Leiter der IT-Abteilung des Klinikums.

Nach erfolgter Zulassung darf Akquinet als Anbieter des TI-Gateways weitere medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeinrichtungen an die TI anschließen. Für ehex als Hersteller des TI-Gateways ebnet der Test gleichzeitig den Weg für weitere Anwendungsfälle.

Unter dem Namen „infinity gate“ soll die Technologie ab Sommer 2024 in den TI-Gateways verschiedener Betreiber zum Einsatz kommen.

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