Krankenhaus-IT Ganzheitlicher End-to-End-Ansatz für die Digitalisierung

Von Dr. Patrick Heiler und Susann Homann 6 min Lesedauer

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Mithilfe von Low Code kann die Digitalisierung von Krankenhäusern intuitiv, iterativ und flexibel vonstattengehen. In ihrem Gastbeitrag stellen Dr. Patrick Heiler, Director Healthcare bei IG&H, und Susann Homann, Leiterin Stabsstelle Digitale Transformation am Universitätsklinikum Halle (Saale), die Vorteile von Low-Code-Technologien für das Gesundheitswesen vor.

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen steht und fällt mit flexiblen Softwarelösungen. Ein Low-Code Ansatz kann dabei helfen, bedarfsgerechte Softwaretools zu entwickeln und diese kostenbewusst auf dem neuesten Stand der Technik zu halten.(©  metamorworks - stock.adobe.com)
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen steht und fällt mit flexiblen Softwarelösungen. Ein Low-Code Ansatz kann dabei helfen, bedarfsgerechte Softwaretools zu entwickeln und diese kostenbewusst auf dem neuesten Stand der Technik zu halten.
(© metamorworks - stock.adobe.com)

Digital-Gesetz (DigiG), Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG), Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) – wenn es um Gesetze zur Beschleunigung der Digitalisierung im Gesundheitswesen geht, kommt man aktuell kaum noch hinterher. Das bringt Tempo in den stockenden Digitalisierungsprozess im deutschen Gesundheitswesen und hilft, die Qualität der medizinischen Versorgung aufrecht zu halten und zu verbessern. Dadurch erleichtert sie den Zugang zu wichtigen Gesundheitsdaten und gestaltet die Nutzung dieser Daten effizienter.

Das Gesundheitswesen im Umbruch: Vom Grundstein zur Modernisierung

Diese Gesetze legen das Fundament für den Einsatz fortschrittlicher digitaler Technologien, die eine bessere Vernetzung und Kommunikation zwischen verschiedenen Gesundheitsdienstleistern fördern. Dies unterstützt eine integrierte und patientenzentrierte Gesundheitsversorgung, was einen signifikanten Fortschritt in der medizinischen Behandlung und Patientenbetreuung darstellt.

Susann Homann(©  UK Halle)
Susann Homann
(© UK Halle)

Während diese Digitalisierungsinitiativen im Gesundheitswesen sehr wichtig sind, liegt ein unmittelbarer Mehrwert in der Modernisierung veralteter IT-Systeme im Krankenhausalltag. Besonders in administrativen oder Nicht-Versorgungsprozessen, wie zum Beispiel bei der Rekrutierung und dem Onboarding von Personal, wird häufig noch mit physischen Aktenordnern gearbeitet. Diese traditionellen Freigabeprozesse und papierbasierte Vorgänge verursachen in der Beschaffung unnötige Verzögerungen – zum Nachteil von bestehendem Personal und Patienten. In einigen Bereichen wurde der analoge Prozess vollständig digitalisiert, meist durch E-Mail. Ein erster Schritt Richtung Digitalisierung. Das ist leider nicht ganzheitlich gedacht und ist noch lange nicht ausreichend. Der Einsatz moderner, digitaler und integrierter Lösungen kann daher nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch zur Mitarbeiterzufriedenheit beitragen, indem er den Arbeitsalltag vereinfacht und den Fokus zurück auf die Patientenversorgung lenkt.

Low-Code-Technologien: Vorstoß in Richtung digitalisiertes Gesundheitswesen

Wir sehen also: Flexibilität, Effizienz und Anpassungsfähigkeit sind bei der Bereitstellung von IT-Lösungen im Gesundheitswesen von entscheidender Bedeutung, insbesondere um die Bedürfnisse der Mitarbeiter direkt anzusprechen. Der Einsatz von Low-Code-Technologie kann hier ein echter Game-Changer sein. Sie ermöglicht es, Lösungen schnell an verändernde Anforderungen anzupassen, bestehende Systeme nahtlos mit neuen Softwarelösungen zu integrieren und die Entwicklung neuer Anwendungen zu beschleunigen. Diese Methode erlaubt es, gemeinsam mit allen Beteiligten, Arbeitsprozesse effektiv neu zu gestalten und maßgeschneiderte Anwendungen mit minimalem Programmieraufwand zu er-stellen. Großer Vorteil ist die User-Experience in Form einer einheitlichen und damit leicht bedienbaren Oberfläche für den Anwender.

Dr. Patrick Heiler(©  IG&H)
Dr. Patrick Heiler
(© IG&H)

Die kurzen Entwicklungszyklen der Low-Code-Plattformen fördern die direkte Zusammenarbeit zwischen Fachanwendern und Entwicklern. Dies führt zu effizienteren und agileren Arbeitsabläufen und trägt damit nicht nur langfristig zur Wettbewerbsfähigkeit bei, sondern steigert auch die Mitarbeiterzufriedenheit. Durch die Ermöglichung schneller Anpassungen und Verbesserungen können Krankenhäuser eine dynamische und zukunftsfähige Arbeitsumgebung schaffen, die sowohl den Bedürfnissen der Mitarbeiter als auch denen der Patienten gerecht wird.

Auch wenn die Anwendung von Low Code in Deutschland noch nicht flächendeckend ist, zeigen internationale Beispiele bereits das enorme Potenzial dieser Technologien. Ein herausragendes Beispiel ist Luz Saúde in Portugal, eine der größten privaten Gesundheitsgruppen des Landes. Sie nutzt Low-Code-Technologie für Intranets und Ärzteportale und hat mit dem „MY LUZ Patientenportal“ eine Plattform geschaffen, auf der Patienten auf ihre medizinischen Daten zugreifen, Rechnungen begleichen und virtuelle oder persönliche Termine buchen können.

In deutschen Krankenhäusern erleben wir ebenfalls die erfolgreiche Einführung von Low-Code-Technologie. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür ist das Universitätsklinikum Münster (UKM), das während der Covid-Pandemie ein Webportal einführte, welches unter Verwendung von Low Code entwickelt wurde. In enger Zusammenarbeit mit dem LCPS (Nationale Koordinationszentrum für die Patientenverteilung), wurde über dieses Portal die Steuerung der Intensivbettenkapazitäten ermöglicht – das ebenfalls Low-Code-Technologien für ein digitales Gesundheitssystem nutzt. Dieses System erwies sich als weitaus effizienter und schneller im Vergleich zur bisherigen Verwaltung, die auf Excel-Dokumenten und manuellen Listen basierte. Dank der Nutzung von Low Code konnten Anpassungen und Erweiterungen des Systems, wie beispielsweise die Implementierung eines Zählers für Patientenentlassungen oder -verlegungen, teilweise innerhalb kürzester Zeit umgesetzt werden.

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