Branchenerwartungen Healthcare-Jahr 2026: Was Nina Warken jetzt liefern sollte

Von Agnes Panjas 4 min Lesedauer

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Das Jahr 2026 ist da, und wichtige Weichen werden gestellt. Branchenexperten und -expertinnen erläutern, welche Reformen, technischen Innovationen und politischen Entwicklungen sie für das neue Jahr erwarten. Wichtig auch: Was sollte Nina Warken anpacken?

Ein Blick in die Zukunft: Welche Erwartungen haben Branchenexperten und -expertinnen an das Healthcare-Jahr 2026 und an die Politik?(Bild:  Canva / KI-generiert)
Ein Blick in die Zukunft: Welche Erwartungen haben Branchenexperten und -expertinnen an das Healthcare-Jahr 2026 und an die Politik?
(Bild: Canva / KI-generiert)

Nikolay Kolev ist Geschäftsführer bei Doctolib Deutschland.(Bild:  Doctolib GmbH)
Nikolay Kolev ist Geschäftsführer bei Doctolib Deutschland.
(Bild: Doctolib GmbH)

Nikolay Kolev, Geschäftsführer Doctolib Deutschland: „2026 wird das Jahr der praktischen KI-Anwendung im deutschen Gesundheitswesen: Das Jahr 2026 markiert den Durchbruch für KI-Technologien in der deutschen Regelversorgung. Diese Entwicklungen werden das Gesundheitswesen nachhaltig prägen: KI-Assistenten übernehmen administrative Aufgaben von der Terminvergabe über Dokumentation bis zur Abrechnung. Bei Doctolib sehen wir bereits heute bis zu 10 Stunden Zeitersparnis pro Woche, die im Hinblick auf den Fachkräftemangel auch direkt der Patientenversorgung zugutekommen. Digitale Gesundheitsbegleiter stärken die Vorsorge durch personalisierte Erinnerungen u. a. für Vorsorge- und Impftermine, was messbare Verbesserungen für Lebensqualität und Kosteneffizienz bringt. Entscheidend wird die nahtlose Datenvernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen. Deutschland kann sich als europäischer Vorreiter positionieren – mit der richtigen Balance aus Innovation und Patientenschutz für spürbare Verbesserungen auf allen Seiten.”

Kerstin Wagner, Co-CEO & COO bei United Robotics Group.(Bild:  United Robotics Group)
Kerstin Wagner, Co-CEO & COO bei United Robotics Group.
(Bild: United Robotics Group)

Kerstin Wagner, Co-CEO & COO, United Robotics Group:

„2026 wird das Jahr, in dem Service-Robotik im Gesundheitswesen selbstverständlich wird. Nach Jahren der Pilotprojekte sehen wir nun den echten Durchbruch: Robotik wird nicht mehr getestet, sondern fest in den Alltag von Kliniken und Pflegeeinrichtungen integriert – vom Materialtransport über die Desinfektion bis hin zur Unterstützung in der Patientenversorgung. Ihr Nutzen ist klar messbar: weniger körperliche Belastung, kürzere Wege, geringere Wartezeiten – und vor allem mehr Zeit für das, was zählt: den Menschen. Robotik ist dabei kein Luxus, sondern die logische Antwort auf den Fachkräftemangel. Entscheidend ist, dass Technologie als Partner verstanden wird. Sie unterstützt Pflege und Medizin, ohne sie zu ersetzen. So entsteht eine neue Kultur der Zusammenarbeit zwischen Mensch, Robotik und KI – effizienter, nachhaltiger und zugleich menschlicher.“

Dirk Wolters ist Geschäftsführer bei NeTec.(Bild:  NeTec GmbH)
Dirk Wolters ist Geschäftsführer bei NeTec.
(Bild: NeTec GmbH)

Dirk Wolters, Geschäftsführer der NeTec GmbH: „2026 wird zum entscheidenden Jahr der digitalen Gesundheitsversorgung, weil sich dann zeigt, ob ePA, sichere Kommunikation und sektorenübergreifende Zusammenarbeit im Alltag wirklich tragen. Die wichtigste Entwicklung ist deshalb der Übergang vom Projektmodus in den verlässlichen Regelbetrieb: klare Workflows, saubere Datenqualität und echte Interoperabilität, damit Digitalisierung Versorgung verbessert und nicht zusätzliche Reibung erzeugt. Gleichzeitig wächst mit jeder neuen Schnittstelle die Angriffsfläche – Cyber-Resilienz wird zur Grundvoraussetzung. Der dringendste Handlungsbedarf liegt bei der Umsetzungssteuerung. Nina Warken sollte jetzt eine verbindliche 2026-Roadmap liefern, die Prozesse, Governance und Informationssicherheit zusammenführt: prüfbare Mindeststandards, klare Incident- und Notfallprozesse, konsequente Steuerung der Dienstleister- und Lieferkette sowie praktikable Leitfäden und Unterstützung für Einrichtungen. Sicherheit ist dabei keine Bremse, sondern Stabilität – und ohne klare End-to-End-Prozesse bleiben selbst gute Reformen im Versorgungsalltag wirkungslos.“

Jörg Weise ist Geschäftsführer bei Medgate.(Bild:  Jörg Weise)
Jörg Weise ist Geschäftsführer bei Medgate.
(Bild: Jörg Weise)

Jörg Weise, Geschäftsführer Medgate GmbH: „2026 muss das Jahr werden, in dem digitale Gesundheitsversorgung endlich über ePA und ERezept hinauswächst. Entscheidend wird, dass wir die generierten Daten endlich so nutzen, dass daraus ein spürbarer gesundheitlicher Mehrwert für Patientinnen und Patienten entsteht. Wir sollten Value-Based Healthcare in den Mittelpunkt der Diskussionen stellen, die Gesundheit belohnt, nicht nur Kontakte im System. Und digitale Gesundheitsversorgung hört für mich nicht am Apothekentisch auf, sondern reicht wesentlich weiter z. B. bis in Prüf-, Abrechnungs- und Betrugserkennungsprozesse, in denen enorme Effizienzreserven insbesondere für die GKV liegen. Von Nina Warken erwarte ich den Mut, sich auch gegen etablierte Lobbys durchzusetzen, alle Sektoren ehrlich auf den Prüfstand zu stellen und Steuerungskomponenten, inklusive Telemedizin, konsequent in die Tarifwelt zu integrieren.“

Maaike Sloof ist Head of Sales & Business Development bei Mediform.(Bild:  Maaike Sloof)
Maaike Sloof ist Head of Sales & Business Development bei Mediform.
(Bild: Maaike Sloof)

Maaike Sloof, Head of Sales & Business Development bei Mediform:: „2026 entscheidet sich, ob Deutschland digitaler Vorreiter oder bloßer Verwalter bleibt. Für Ministerin Nina Warken muss jetzt die Skalierung im Vordergrund stehen. Drei Säulen sind dabei kritisch:

  • Vom Datenspeicher zum Wissensschatz: Die ePA darf kein digitales Archiv sein. Wir brauchen 2026 semantische Interoperabilität, damit Daten in Echtzeit die Therapieentscheidung verbessern, statt nur die Cloud zu füllen.
  • KI in der Regelversorgung: Wir müssen weg von Pilotprojekten.Gefragt ist ein rechtssicherer Rahmen für die Regelvergütung von KI-Systemen, die das Personal spürbar entlasten und Diagnosen präzisieren.
  • Radikale Patientenzentrierung: Mit der Health ID muss der Zugang zum System so barrierefrei werden wie Online-Banking. Digitalisierung darf keine bürokratische Last sein, sondern muss den Patienten zum echten Souverän machen.

Mein Fazit: 2026 darf kein Jahr der Konsolidierung sein. Wir müssen digitale Exzellenz zum Standard machen, um die Resilienz unseres Systems gegen den demografischen Druck zu sichern.“

Oliver Struckmeier ist Geschäftsführer bei The Medical Network.(Bild:  The Medical Network GmbH)
Oliver Struckmeier ist Geschäftsführer bei The Medical Network.
(Bild: The Medical Network GmbH)

Oliver Struckmeier, Geschäftsführer The Medical Network: „2026 scheitert die digitale Versorgung nicht an der Technik, sondern am fehlenden Verstehen. Wir haben Systeme, Schnittstellen und Lösungen. Aber im Alltag setzen sich nur die Angebote durch, deren Nutzen Ärztinnen, Ärzte und Patient:innen in Sekunden erfassen. Was es jetzt braucht, ist Politik, die Kommunikation als Teil der Infrastruktur begreift. Reformen wirken nur, wenn ihr Zweck nachvollziehbar ist: Welches Problem lösen wir konkret? Wofür nutzen wir anonymisierte Daten – und welcher messbare Nutzen entsteht daraus in der Versorgung? Wenn Nina Warken diese Perspektive konsequent stärkt, werden digitale Innovationen nicht nur verfügbar, sondern endlich auch flächendeckend genutzt.“

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