Nachhaltige Gesundheitsversorgung Krankenkasse 2030: Wie Digitalisierung Eigenverantwortung stärkt

Ein Gastbeitrag von Franz-Helmut Gerhards und Dr. Eckart Pech 7 min Lesedauer

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Die gesetzlichen Krankenversicherungen wandeln sich vom reaktiven Kostenträger zum Gestalter individueller Versorgung: Gesundheitsbegleitung und digitale Services treiben den Paradigmenwechsel. Was Versicherte erwarten, erörtern Franz-Helmut Gerhards, CDO DAK-Gesundheit, und Dr. Eckart Pech, Vorstand ]init[ AG, in einem gemeinsamen Standpunkt.

Im Mittelpunkt des Wandels stehen Versicherte, die in allen Lebenslagen begleitet werden – digital und persönlich.(Bild: ©  bilderstoeckchen – stock.adobe.com)
Im Mittelpunkt des Wandels stehen Versicherte, die in allen Lebenslagen begleitet werden – digital und persönlich.
(Bild: © bilderstoeckchen – stock.adobe.com)

Der Beitrag der Krankenkassen zu einer wirtschaftlich nachhaltigen Gesundheitsökonomie wird nicht allein in Praxen und Kliniken entschieden, sondern auch im Alltag der Menschen. Gesundheitskompetenz entsteht, wenn Menschen im richtigen Moment die passenden Impulse für Präventionsangebote erhalten und sie tatsächlich nutzen.

Die Digitalisierungsbemühungen der Krankenkassen müssen deshalb mehr sein als ein Effizienzprogramm. Richtig eingesetzt stärkt Digitalisierung die Selbstwirksamkeit: Sie macht Risiken sichtbar, senkt Hürden für Vorsorge, übersetzt Daten in konkrete Handlungsempfehlungen und unterstützt dabei, gesundheitsförderliches Verhalten im Alltag durchzuhalten. Eine moderne Krankenkasse wird so zum Partner, der Verantwortung ermöglicht – mit nutzendenzentrierten Services, die leicht zugänglich sind, sich an unterschiedliche Lebensstile anpassen und aktiv zur Gesundheit der Versicherten beitragen.

Wie die digitale Versichertenreise im Jahr 2030 aussehen kann und welche Faktoren auf diesem Weg entscheidend sind, ordnen wir gemeinsam mit weiteren Fachexpertinnen und -experten in einem Whitepaper mit Handlungsempfehlungen ein. Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Künstliche Intelligenz nutzen: Automatisierung des Genehmigungsgeschäfts und Human-in-the-Loop als Prinzip

Das klassische Genehmigungsgeschäft wird in seiner heutigen Form nicht bestehen. Wo Regeln eindeutig sind, lässt sich die Prüfung automatisieren – schnell, konsistent und ohne Wartezeiten. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht Geschwindigkeit um jeden Preis, sondern Verlässlichkeit: Standardfälle werden ohne Reibung entschieden, während Ausnahmen früh erkannt und gezielt an Menschen übergeben werden. So entsteht ein System, das effizient ist und zugleich fair bleibt.

Für Versicherte heißt das: weniger Antragslogik, weniger Schleifen, mehr Klarheit darüber, was als Nächstes passiert. Für Mitarbeitende heißt es: weniger repetitive Prüfung, mehr Verantwortung dort, wo sie Wirkung entfalten kann – in Beratung, Begleitung und Koordination komplexer Verläufe. Das ist vor allem ein Kultur- und Qualifizierungsthema. Rollen verändern sich, Kompetenzen müssen aufgebaut, Karrierepfade neu gedacht werden. Wer diese Transformation aktiv gestaltet, gewinnt nicht nur Effizienz, sondern auch die Fähigkeit, Vertrauen im Einzelfall zu sichern.

Co-Autor Franz-Helmut Gerhards.(Bild:  DAK-Gesundheit)
Co-Autor Franz-Helmut Gerhards.
(Bild: DAK-Gesundheit)

Bis 2030 wird ein multimodaler Assistent einen großen Teil der Standardanliegen unterstützen – nicht als Ersatz für Menschen, sondern als Entlastung dort, wo Prozesse heute unnötig Zeit binden. Wenn Routine- und Dokumentationsarbeit schneller, konsistenter und transparenter erledigt wird, entsteht Kapazität für das, was Vertrauen schafft: persönliche Betreuung bei sensiblen Anliegen, Einordnung in komplexen Fällen und verlässliche Begleitung in belastenden Situationen.

Entscheidend ist dabei ein klares Betriebsmodell: Komplexe Ende-zu-Ende-Prozesse lassen sich nicht „einfach komplett“ automatisieren, weil Wertungen, Ermessensspielräume und Haftungsfragen menschlich bleiben. Deshalb funktioniert KI am besten in sauber geschnittenen Workflows: Sie macht für jeden Schritt einen Vorschlag, der Mensch behält die letzte Entscheidungsgewalt. Transparenz, Kontrolle und Schulung gegen „Automation Bias“ gehören dazu, damit KI verlässlich unterstützt, ohne unbemerkt die Richtung vorzugeben.

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